Kirdorf-Siedler in Eving gegen NS-Mahntafel: „Wir wollen das braune Pack hier nicht“

hzKirdorf-Siedlung

Der Namensgeber der Kirdorf-Siedlung in Dortmund-Eving, Emil Kirdorf, pflegte Kontakte zu Adolf Hitler. Soll deswegen nun eine Mahntafel aufgestellt werden? Die Meinungen sind geteilt.

Eving

, 28.01.2020, 10:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Klaus Sichelschmidt, Vertreter der Grünen in der Bezirksvertretung Eving, hat im Dezember 2019 gefragt, warum in der Kirdorf-Siedlung immer noch keine Mahntafel steht. Diese Tafel soll auf die zweifelhafte Vergangenheit des Namenspatronen der Siedlung, Emil Kirdorfs, hinweisen. Zweifelhaft deshalb, weil Emil Kirdorf Kontakte zu Adolf Hitler pflegte. Auch die Bewohner der Siedlung seien nicht dagegen, sagte Sichelschmidt damals.

„Das stimmt nicht“, sagt die 2. Vorsitzende der Interessengemeinschaft der Kirdorf-Mieter, Silvia Kalman: „Hier sind alle dagegen“. Hauptargument sei die Angst davor, dass Neonazis das Mahnmal auf dem Wrangelplatz zum Anlass für Aufzüge nehmen könnten: „Wir wollen das braune Pack hier nicht.“

Kirdorf-Siedler in Eving gegen NS-Mahntafel: „Wir wollen das braune Pack hier nicht“

Das Zentrum der Kolonie Kirdorf ist der Wrangelplatz mit dem seit vielen Jahren leerstehenden Kiosk. © Andreas Schröter

Sie ärgere sich, dass zwar bei einer Infoveranstaltung vor ein paar Jahren immer von Mitspracherecht der Bewohner die Rede gewesen, es dieses Mitspracherecht aber nie gegeben habe. So haben die Anwohner vorgeschlagen, die Mahntafel eher in dem kleinen Park in der Nähe des Spielplatzes aufzustellen, nicht aber mitten auf dem Wrangelplatz.

Sockel für das Mahnmal existiert schon

Dennoch sei später der Sockel dafür auf dem Wrangelplatz angelegt worden. Der wachse seither zu, und niemand kümmere sich mehr darum. „Auch wir haben nichts mehr gesagt“, so Silvia Kalman, „schließlich wollten wir keine schlafende Hunde wecken“ – bis Klaus Sichelschmidt mit seinem Vorstoß kam. Sie sagt: „Das hat uns geärgert. Sind wir unmündige Bürger, über deren Kopf man einfach entscheiden darf?“

Kirdorf-Siedler in Eving gegen NS-Mahntafel: „Wir wollen das braune Pack hier nicht“

Der Sockel für die Mahntafel ist schon da. Dahinter ein Stein, auf dem ebenfalls der Siedlungsname zu lesen ist. © Andreas Schröter

Die Anwohnerin stellt klar, dass sie unbedingt dafür sei, das Gedenken an die Gräueltaten des Nationalsozialismus wach zu halten. Aber es gebe doch nun wirklich genug Mahnmale und Museen dazu. „Wenn man an jeder Stelle, an der es irgendeinen Bezug zu dieser Zeit gibt, ein Mahnmal errichten würde, wäre alles voll davon.“

Einsatz für Spielplatz-Modernisierung an der Nachoder Straße

Die umtriebige Evingerin setzt sich seit vielen Jahren für eine Modernisierung des großen Spielplatzes der Kirdorf-Siedlung an der Nachoder Straße ein. Ironischerweise würde das genausoviel kosten wie das Mahnmal: 10.000 Euro. Sinnvoller in ihren Augen sei die Spielplatz-Erneuerung.

Kirdorf-Siedler in Eving gegen NS-Mahntafel: „Wir wollen das braune Pack hier nicht“

Silvia Kalman setzt sich für eine Modernisierung des Spielplatzes an der Nachoder Straße ein. Das würde exakt so viel kosten wie die Kirdorf-Mahntafel: 10.000 Euro. Die Stadt habe bisher leider nur die Verbotsschilder erneuert. © Andreas Schröter

Die Kolonie Kirdorf wurde von der Gelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG) 1912–13 im Stil einer Gartenstadt für Arbeiter und Angestellte der Zeche Minister Stein errichtet. Sie hat – bis auf den Namensgeber – nichts mit der NS-Zeit zu tun.

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Klaus Sichelschmidt sagt, es gebe dazu einen viele Jahre alten Bezirksvertretungs-Beschluss, und den wolle er jetzt umgesetzt sehen - oder man müsse den alten Beschluss aufheben.

Die Stadtverwaltung hatte neulich via Sprecherin Katrin Pinetzki erklärt, das Thema sei etwas liegen geblieben, aber jetzt wieder in der Mache.

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