Die Kita-Schließungen reißen dickes Loch in die Familienkasse von Handwerker Simon Herder

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Dass nur die Unternehmen finanziell unterstützt werden, ist für Simon Herder (32) unverständlich. Die Kita-Schließungen bringen die junge Familie des Wickeders in ganz konkrete Geld-Not.

Dortmund

, 15.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dortmunds Kitas sind ab Montag (16.3.) dicht. Das steht seit Freitagmittag (13.3.) fest, NRW-Ministerpräsident Armin Laschet verkündete die Entscheidung. Es liegt nun an der Stadt Dortmund, die Pläne umzusetzen, Notbetreuungen zu organisieren.

Simon Herder und seine Familie stellt diese Maßnahme vor ganz konkrete Probleme. Er ist Handwerker, seine Frau arbeitet Teilzeit in der Altenpflege, die zwei sind Eltern eines dreijährigen Mädchens. Auch ohne Corona-Krise ist die finanzielle Lage der zwei nicht immer entspannt. „Man hangelt sich so von Monat zu Monat“, erzählt Herder.

Großeltern sollen ihre Kinder nicht betreuen

Und es wird sicherlich nicht einfacher, wenn die Tochter des Paares ab Montag nicht mehr in den Kindergarten gehen kann. Die Mutter wird dann wohl erstmal zu Hause bleiben. Denn die Großeltern der Tochter gehören als Senioren zur Risikogruppe für Corona-Infektionen, sie sollen eigentlich im Moment gar keinen Kontakt zu ihren Enkelkindern haben. Außerdem: „Meine Eltern sind über 70 - denen will ich auch nicht die Ganztagsbetreuung von einer Dreijährigen zumuten“, sagt Simon Herder.

Und Homeoffice ist eben auch keine Option, wenn man als Anlagenmechaniker oder in einer Pflegeeinrichtung arbeitet.

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Zwar hat seine Freundin weiterhin Anspruch auf ihren Lohn - das regelt der Paragraf 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, der Arbeitnehmern die weitere Lohnzahlung zusichert, wenn diese „vorübergehend verhindert“ sind - doch sie wird wohl nur die vertraglich festgeschriebenen Mindeststunden vergütet bekommen.

In der Regel arbeitet sie aber mehr Stunden, wie Herder erzählt. Und auf die Vergütung der Zusatzstunden ist die junge Familie dringend angewiesen. Er schätzt, dass seine Partnerin rund 300 Euro weniger einnimmt, wenn sie zu Hause bleibt und die Tochter betreut. Geld, das ein Loch in die Familienkasse reißen wird.

Familie muss sich im Supermarkt einschränken

„Wir werden uns als Erstes beim Einkaufen anpassen müssen“, sagt Herder. Ab jetzt werde eben nur noch das Nötigste an Lebensmitteln eingekauft. Für Rücklagen und Reserven bleibt diesen Monat wohl nichts übrig. Und mit dem kleinen Luxus, den sich die Familie hin und wieder gönnt, wie ein Ausflug mit der Tochter, damit ist jetzt ohnehin erstmal Schluss.

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Er kann verstehen, dass die Maßnahmen notwendig sind, gerade um Risikogruppen vor dem Coronavirus zu schützen. Was ihn ärgert, sind die Milliardenhilfen, die die Bundesregierung aktuell den großen Unternehmen verspricht, während seine Familie in finanzielle Not gerät. „Für den kleinen Mann interessiert sich eh keiner“, sagt er resigniert.

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