Kita-Erzieherin über Warnstreik: „Wir wurden beklatscht - und das war es“

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Am Donnerstag (1.10.) wird wieder gestreikt. In Dortmund werden die städtischen Fabido-Kindertagesstätten dicht sein. Eine streikende Erzieherin erzählt, was sie zum Streiken veranlasst.

Dortmund

, 01.10.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Julia Lubida ist 28 Jahre alt und seit dem Jahr 2017 Erzieherin. Am Donnerstag wird sie in den Streik gehen, um für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen und mehr Lohn zu kämpfen. Der Kontakt unserer Redaktion zu der Erzieherin kam über die Gewerkschaft Verdi zustande, die zu dem Warnstreik aufgerufen hat. Vor diesem Hintergrund sind die Aussagen also zu betrachten.

In Julia Lubidas Einrichtung arbeiten neun Mitarbeiter, die teilweise zur Corona-Risikogruppe gehören und teils in Teilzeit arbeiten, berichtet sie. Dazu gibt es drei Auszubildende. 55 Kinder werden betreut.

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Personell unterbesetzt

In ihrer Gruppe gebe es insgesamt drei Erzieherinnen, wovon eine vier Stunden pro Tag arbeitet. Julia Lubida ist also die Hälfte des Tages mit ihrer Auszubildenden allein. Die Auszubildende sei montags in der Schule und somit gar nicht da. So sei eine intensive Betreuung der Kinder so gut wie unmöglich. Das Problem würde nicht nur in ihrer Gruppe bestehen, behauptet Lubida.

Daher wünscht sie sich mehr Personal - und dass die Gruppen in der Kita verkleinert werden. „Wir können uns nicht so mit den Kindern beschäftigen, wie wir es gerne möchten“, so Lubida. Ein wichtiger Schritt wäre, den Beruf besser zu bewerben, meint sie. Sie fordert bessere Arbeitsbedingungen.

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Fehlende Anerkennung

Eine andere Sache macht Julia Lubida ebenfalls zu schaffen: die fehlende Anerkennung. In der Zeit des Lockdowns hätten Eltern ihr vorgeworfen, dass sie, wie auch andere Erzieher, volles Gehalt bekommen haben, obwohl sie sich „doch nur um zehn Kinder kümmern“ musste. Trotzdem habe sie ja die ganze Zeit gearbeitet, hält Lubida dagegen.

„Ich streike nicht nur für mich, sondern auch für die anderen Erzieherinnen und Erzieher“, sagt Lubida. „Ich weiß, dass manche den Zeitpunkt ungünstig finden, aber wir wurden beklatscht - und das war es“, meint Lubida. Sie wünsche sich daher mehr Anerkennung - die sich dann auch im Gehalt widerspiegeln solle.

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Warum wird jetzt gestreikt?

Aber warum wird ausgerechnet jetzt, während der Corona-Krise, gestreikt? Das hätten sich die Arbeitgeber so ausgesucht, meint Lubida. Immerhin hätte die Gewerkschaft ver.di angeboten, den Tarifvertrag um ein weiteres Jahr zu verlängern. Im Gegenzug habe die Gewerkschaft als Inflationsausgleich für diesen Zeitraum eine Einmalzahlung in Höhe von 1500 Euro an die Beschäftigten gefordert, dies hätten die Arbeitgeber jedoch abgelehnt.

Am Ende des Gesprächs hebt sich noch einmal hervor: „Mir ist wichtig, dass die Eltern wissen, dass wir nicht aus Boshaftigkeit streiken.“ Die sieht darin aber die einzige Möglichkeit, Anerkennung zu erlangen.

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