Kita-Verbot bei Schnupfen: Ministerium reagiert auf Dortmunder Eltern

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Kita-Kinder sollen bis auf Weiteres bei leichten Erkältungssymptomen zuhause bleiben. Dortmunder Eltern hatten diese Praxis öffentlich beklagt. Sie haben offenbar einen Nerv getroffen.

Dortmund

, 21.07.2020, 05:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am 15. Juli hatte eine Gruppe von zehn Dortmunder Familien in einem offenen Brief ihrem Ärger Luft verschafft. Dass Kinder auch nach Wiedereröffnung der Kitas bei laufender Nase oder Schnupfen zuhause bleiben müssen, sei der Punkt, ab dem es für Eltern nicht mehr weitergehe.

Die Reaktionen auf den Brief zeigen: Viele Dortmunder Eltern, aber auch Erzieher und Lehrer sind mit der aktuellen Situation unzufrieden.

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NRW-Familienministerium antwortet schnell auf offenen Brief

Luisa Campino Johnson und Julia Koch, zwei der Autorinnen des Schreibens, berichten von einer prompten Antwort aus dem NRW-Familienministerium. „Sie war sehr allgemein gehalten. Aber sie enthielt die Info, dass die Regelung keine Vorgabe des Ministeriums sei, sondern dass die Träger davon abweichen können“, sagt Julia Koch.

Zumindest die städtischen Dortmunder Kitas weichen offiziell nicht ab. Ende Juni ist die Linie in einem Schreiben von Fabido-Geschäftsführer Daniel Kunstleben an die Eltern festgelegt worden. Dies geschah kurz nachdem in mehreren Dortmunder Kindertagesstätten Corona-Infektionen bekannt geworden waren.

Fabido-Geschäftsführer: Für den Gesundheitsschutz „unabdingbar notwendig“

„Ich möchte nochmals daran erinnern, dass erkrankte Kinder, Kinder mit Fieber oder anderen Symptomen nicht in den Tageseinrichtungen betreut werden können“, heißt es in dem Schreiben. Das Personal sei angehalten „besondere Sorgfalt“ walten zu lassen. „Diese Gratwanderung ist für alle Beteiligten nicht einfach, mit Blick auf den Gesundheitsschutz aber unabdingbar notwendig.“

In Reaktionen auf den Brief in sozialen Netzwerken wird deutlich, dass die allgemein gehaltene Vorgabe in Dortmund sehr unterschiedlich umgesetzt wird. Einige Dortmunder berichten, dass beispielsweise allergischer Schnupfen mit einem Attest kein Grund ist, die Kinder nach Hause zu schicken.

Eltern stellen sich auf schwierigen Herbst ein

Andere erzählen von strengerer Auslegung und fürchten, dass die Geduld ihrer Arbeitgeber bald am Ende ist. Einige Eltern stellen sich auf einen Herbst und Winter ein, in dem ihre Kinder häufiger zuhause sein werden, als das in der Vergangenheit der Fall war.

Eine Mutter schreibt bei Facebook: „Das ist ein Rattenschwanz. Ich bin Lehrerin. Bleibe ich zu Hause, weil die Nase läuft, fällt der Unterricht aus. Also wirkt sich die laufende Nase auch indirekt auf die Schule aus. Solange die Kita mit Einschränkungen laufen, werden die Schulen auch nur mit Einschränkungen funktionieren.“

Kritik der Eltern richtet sich nicht gegen das Kita-Personal

Es melden sich auch Erzieherinnen zu Wort, die sagen: „Wenn wir angewiesen werden, Kinder mit Schnupfen nach Hause zu schicken, dann machen wir das auch.“ Andere finden es ungerecht, dass die Erzieherinnen im Augenblick den Ärger abbekommen.

Die Dortmunder Urheberinnen des offenen Briefs betonen, dass sich ihre Kritik nicht gegen Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas richte. „Sie arbeiten im Prinzip seit dem ersten Tag ohne richtigen Schutz“, sagt Julia Koch. Dass die Landesregierung jetzt freiwillige Tests für das Personal in der Kinderbetreuung und in Schulen angekündigt hat, nehme viel Druck von den Mitarbeitern.

Luisa Campino Johnson und Julia Koch wünschen sich mehr Klarheit für die nächsten Wochen. „Das Augenmerk muss jetzt darauf liegen, dass Familien entlastet werden, etwa bei den Kita-Kosten“, sagt Luisa Campino Johnson.

Das städtische Schul- und Jugenddezernat, ebenfalls Empfänger des offenen Briefes, habe urlaubsbedingt eine Antwort erst innerhalb der nächsten zwei Wochen angekündigt.

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