Kita-Verbot bei Schnupfen stresst Eltern: „Wir können nicht mehr“

hzCoronavirus

Kita-Kinder müssen bei einer laufenden Nase zuhause bleiben und damit auch die Eltern. Das sorgt bei vielen Familien für Ärger. Jetzt sagen Dortmunder Eltern offen: „Wir können nicht mehr“.

Dortmund

, 16.07.2020, 07:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In vielen Kitas in Dortmund gelten strikte Regeln für Kinder mit Erkältungssymptomen. Wegen der Hygienevorschriften müssen die Kinder zuhause bleiben. Das gilt auch, wenn Geschwister oder Eltern Symptome zeigen.

Selbst dann, wenn offensichtlich nicht das Coronavirus, sondern beispielsweise eine Allergie die Ursache ist, ist in NRW ein Attest zum Ausschluss einer Infektion notwendig. Grundlage ist ein Erlass des NRW-Familienministeriums von Joachim Stamp (FDP).

Dortmunder Eltern schildern in eindringlichen Worten ihre Situation

Die Kita-Leitungen in Dortmund legen das zwar durchaus unterschiedlich aus. Doch dort, wo die Regel streng ausgelegt wird, stehen viele Eltern vor Betreuungsproblemen. In einem offenen Brief haben jetzt zehn Dortmunder Familien in eindringlichen Worten auf ihre Situation hingewiesen. Der Tenor ihres Textes ist eindeutig: „Wir können nicht mehr“.

Jetzt lesen

Die Mütter Luisa Campino Johnson und Julia Koch sind stellvertretend für andere Familien aus ihrem Umfeld die Absenderinnen des Briefes. Sie schreiben: „Es sind häufig keine Überstunden, keine Urlaubstage oder Kinderkrankentage mehr übrig und die Erkältungszeit hat noch nicht einmal begonnen.“

Offener Brief ging auch an Familienministerium und Stadtverwaltung

Weiterhin heißt es in dem Schreiben, das auch an das NRW-Familienministerium und an das städtische Schuldezernat gegangen ist: „In den letzten Wochen haben die Kinder und wir, als ihre Eltern, Großes geleistet und unseren Teil zur Bekämpfung der Pandemie beitragen. Aber jetzt sind wir an unseren Belastungsgrenzen angekommen.“

Es stehe außer Frage, dass ein krankes Kind nicht in die Kita gehört und dass Erzieherinnen und Erzieher zu schützen seien. Bei jedem häufigeren Hochziehen der Nase oder „Schnüpfchen“ eine Krankmeldung zu verlangen, entspreche aber nicht der Realität an den meisten Arbeitsplätzen der Eltern.

Dortmunder Mütter: „Wir haben das Gefühl wieder allein gelassen zu werden“

„Wir Eltern haben das Gefühl, wieder allein gelassen zu werden. Vor allem wenn man sieht, dass es wöchentlich neue Lockerungen gibt, wir aber nicht mehr wissen, wie wir den Alltag aus Betreuung, Arbeit und Haushalt bewältigen sollen“, so die Autorinnen des Offenen Briefs, den insgesamt elf Frauen und deren 21 Kinder unterzeichnet haben.

Sie sehen sich stellvertretend für viele, die sich in den vergangenen Wochen zwar über die Kita-Öffnung gefreut, aber durch die strenge Handhabung der Regeln ziemlich gebremst wurden.

Gewissenskonflikt, weil es ohne die Großeltern nicht geht

Denn ohnehin haben viele Eltern ihre Freizeitkontingente in den zurückliegenden Lockdown-Monaten ausreizen müssen und können sich eigentlich keine Fehlzeiten mehr leisten.

„Ohne Großeltern ist es schon nicht mehr zu schaffen. Wollten wir diese Generation nicht besonders schützen? Dieser Gewissenskonflikt ist für uns Eltern kaum auszuhalten“, schreiben Luisa Campino Johnson und Julia Koch. Noch schwieriger sei die Situation für Alleinerziehende.

Klare Forderung „Wir brauchen Hilfe und zwar jetzt“

Mit den Worten „Wir brauchen Hilfe und zwar jetzt!!“, schließt der Brief. Zwei Vorschläge der Dortmunder Eltern: mehr und am besten voll bezahlte Kinderkranktage und „praxisbezogene, im Verhältnis zu anderen Lockerungen, angemessene Vorgaben vom Ministerium/Kommune“.

Schnupfen gehört zwar zu einem häufiger genannten Symptome bei einer Covid-19-Erkrankung. Sehr viel häufiger ist er aber Ausdruck einer harmlosen Atemwegserkrankung, die bei Kindern bis zu 10 Mal pro Jahr vorkommen kann.

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) kritisiert das Vorgehen und befürchtet überlaufene Wartezimmer. Mittlerweile gibt es Forderungen nach Corona-Schnelltests in Kindergärten.

Lesen Sie jetzt