Kleine Wohnungen: Darum gibt es in Dortmund kaum große Altbauwohnungen

hzMangelware Wohnraum

Immer mehr Menschen in Dortmund leben auf immer weniger Wohnfläche. Und eine richtig große, schicke Altbauwohnung sucht man hier oft vergeblich. Der Grund liegt schon sehr lange zurück.

Dortmund

, 30.08.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eigentlich war es ein Aufwärtstrend: Seit den 90er Jahren sind die Wohnungen der Dortmunder immer größer geworden. Wohnte man 1995 noch auf durchschnittlich 34,7 Quadratmetern pro Kopf, waren es 2013 schon 41,9 Quadratmeter pro Einwohner.

Ein bundesweiter Trend, den das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in vielen deutschen Großstädten beobachtet. Gute Konjunktur, viele Jobs und steigende Einkommen ließen die Deutschen jahrelang in immer größere Wohnungen ziehen – auch die Dortmunder.

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Die Wohnfläche pro Kopf sinkt

Doch seit einigen Jahren werden die Wohnungen wieder kleiner. Das ist das Ergebnis der Studie „Mangelware Wohnraum“, die das IW jetzt zusammen mit dem Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung veröffentlicht hat. In Dortmund sinkt die Pro-Kopf-Wohnfläche nicht so stark wie im Bundesdurchschnitt, doch auch hier sind aus den 41,9 von 2012 einige Jahre später 41,5 Quadratmeter geworden. Das ist auch die jüngste Zahl der Studie.

Diese Erkenntnis ist womöglich die Antwort auf die Frage, warum die deutschen Großstädter finanziell nicht stärker durch Mietkosten belastet werden - obwohl die Mieten in den vergangenen Jahren stark gestiegen sind. „Pro Kopf gehen Mieterhaushalte sparsamer mit der konsumierten Wohnfläche um und reagieren möglicherweise somit auf die steigenden Mieten“, heißt es in der Studie.

Sprich: Statt mehr Geld für eine größere Wohnung auszugeben, wohnen die Dortmunder lieber auf weniger Raum.

Wohnen in der Großstadt

Mieten boomen in den großen Städten

  • Laut den Autoren der Studie sind die Mieten in den deutschen Großstädten seit Jahren seit 2007 um 42 Prozent gestiegen.
  • Betroffen sind davon insbesondere die 14 Großstädte mit mehr als 500.000 Einwohnern, zu denen auch Dortmund gehört.

Der Trend zu weniger Wohnfläche schlägt sich übrigens auch in Wohnungs-Neubauten wieder: Zwischen 2012 und 2014 war die durchschnittliche Neubauwohnung in Dortmund 100 Quadratmeter groß. „Im Mittel der letzten drei Jahre lagen diese bei einer Größe von 90 Quadratmetern“, erklärt Pekka Sagner, einer der Autoren der Studie.

Dortmundern liegen 10 Quadratmeter unter dem Bundesdurchschnitt

Doch auch unabhängig von den Entwicklungen der letzten Jahre leben die Dortmunder vergleichsweise beengt. Selbst nach dem aktuellen Rückgang wohnt der durchschnittliche Großstädter in Deutschland immer noch auf 51 Quadratmetern pro Einwohner. Die Zahl ist zwar ein Rückgang von drei Quadratmetern seit 2010, liegt aber immer noch fast zehn Quadratmeter über dem Dortmunder Schnitt von 41,5.

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In Dortmund verlief die Entwicklung anders

Die beengten Dortmunder Verhältnisse haben ihren Ursprung in den Anfängen des 20. Jahrhunderts. In anderen Städten, Berlin, München oder Köln wurden um 1900 herum große Wohnungen für die großbürgerliche Klientel gebaut, erklärt Dr. Wolfgang Sonne, Professor für Geschichte und Theorie der Architektur an der TU Dortmund. Um diese Zeit entstanden in anderen Städten Wohnungen mit 100 oder 200 Quadratmetern, die auch heute noch vermietet werden.

Das hat es in Dortmund so nie gegeben. Das Großbürgertum fehlte hier, bis in die Zwanzigerjahre gab es eigentlich keine Menschen, die sich eine große Wohnung leisten konnten, erklärt Sonne. Stattdessen lebten die Menschen in kleinen Wohnungen, oft nicht größer als 60, 70 Quadratmeter. Und in diesen Wohnungen leben die Dortmunder noch heute. Die großzügige Altbau-Wohnung mit 150 Quadratmetern und vier Zimmern nach Berliner Vorbild sucht man in Dortmunder Altbauten vergeblich.

Weniger Platz als Zukunftsmodell

Diese „Tradition der kleinen Wohnung“, wie sie Sonne nennt, muss jedoch kein Nachteil sein. Die Dortmunder für ihre kleinen Wohnungen zu bemitleiden, hält Sonne für die falsche Sichtweise. „Eine gewisse Kompaktheit der Wohnungen ist sehr nachhaltig“, sagt er. Sie verbrauchen weniger städtischen Raum, sind günstiger zu heizen. „Ich halte weniger Platzverbrauch für ein Zukunftsmodell“, sagt Sonne.

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