Aus Angst: Kleingärtner-Gemeinschaft zerbricht nach Laubenbrand

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Am Tag nach dem Laubenbrand an der Rahmer Straße gab es kein Großreinemachen. Die Nachbarn diskutierten über die Zukunft. Doch für einige der Gärtner gibt es in Rahm keine Zukunft mehr.

Jungferntal-Rahm

, 13.08.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Rauch war schwarz, dick und weit zu sehen als am Mittwochnachmittag (12.8.) sieben Lauben auf dem Grabeland an der Rahmer Straße brannten. Trotzdem wäre der Brand erst sehr spät entdeckt worden, wenn nicht in einem der Nachbargärten gerade jemand gewesen wäre.

„Wir dachten zuerst, da grillt jemand“, berichtet der Nachbar, der auch schließlich die Feuerwehr alarmierte. „Doch der Rauch wurde ziemlich schnell schwarz. Da wussten wir, da grillt niemand.“

Löschwasser kam aus 300 Metern Entfernung

Bis die Feuerwehr mit dem Löschen beginnen konnte, hatte sich das Feuer schon ziemlich weit ausgebreitet. „Die Feuerwehr musste das Wasser aus 300 Metern Entfernung holen“, sagt der Grabeland-Pächter, der seinen Namen nicht öffentlich nennen möchte.

Die zerstörten Lauben wurden teilweise seit Jahren nicht mehr genutzt.

Die zerstörten Lauben wurden teilweise seit Jahren nicht mehr genutzt. © Holger Bergmann

Die dichte Bebauung der Parzellen und das extrem heiße Wetter begünstigten die Ausbreitung des Feuers auf insgesamt sechs weitere Gebäude, wie die Polizei berichtete.

Ställe waren über 50 Jahre alt

Martina Brinkmann (52), die ihren Garten dort seit 2004 bewirtschaftet, berichtet: „Das waren Lauben und Ställe, die schon über 50 Jahre alt sind.“

Doch nur wenige der Gebäude waren noch in Betrieb, so die Nachbarn. Die Laube, in der das Feuer ausbrach, sei seit zwei Jahren nicht mehr genutzt worden. „Die Enkel der Besitzer lassen sich hin und wieder mal sehen und mähen den Rasen“, sagt Martina Brinkmann.

Spuren nächtlicher Besuche

Früher habe es eine aktive Gemeinschaft der Gärtner mit Festen und gemeinsamer Arbeit gegeben, doch viele Besitzer der Gebäude, auf die das Feuer übergriff, seien jetzt zu alt, um sich um ihren Besitz zu kümmern.

Stattdessen habe man in den vergangenem Jahren oft Spuren Fremder auf diesen Grundstücken entdeckt, so Martina Brinkmann.

Laut der Feuerwehr hat das Wetter am Mittwochnachmittag die Verbreitung des Feuers begünstigt.

Laut der Feuerwehr hat das Wetter am Mittwochnachmittag die Verbreitung des Feuers begünstigt. © Holger Bergmann

Immer wieder wurden die Tore zu den Gärten aufgebrochen, sagt Martina Brinkmann, es lagen leere Flaschen herum und „mehrmals fanden wir die Reste von abgebrannten Strohballen“, so die Pächterin. Die Strohballen stammten aus den ungenutzten Ställen.

Eine Kerze auf einer Gasflasche

Einmal sei ihr schlecht geworden, so habe sie sich erschrocken, berichtet Martina Brinkmann. „Da fand ich auf der Terrasse noch eine brennende Kerze. Die hatte jemand auf einer Gasflasche befestigt.“

Bereits vor einem Jahr habe eine andere Gartenlaube gebrannt. Innerhalb der Gemeinschaft der Grabeländer kursiert das Gerücht, dass Jugendliche die nicht mehr bestellten Gärten als Treffpunkte nutzen.

Zusammenhang mit anderen Laubenbränden wird untersucht

Die Polizei ermittelt laut Presse-Sprecher Peter Bandermann die Brandursache und kann aktuell (Stand 13.8.) eine Brandstiftung nicht ausschließen. Auch ein Zusammenhang mit den anderen Laubenbränden im Dortmunder Westen innerhalb der vergangenen Wochen wird untersucht.

Wie die Nachbarn dieses Grundstücks berichten, gab es bereits mehrmals Spuren nächtlicher Eindringlinge auf dem Grundstück.

Wie die Nachbarn dieses Grundstücks berichten, gab es bereits mehrmals Spuren nächtlicher Eindringlinge auf dem Grundstück. © Holger Bergmann

Ein Zusammenhang mit den Kellerbränden, die es zuletzt ebenfalls im Westen gegeben hat, gilt momentan aufgrund der unterschiedlichen Tatzeiten als unwahrscheinlich, wird aber ebenfalls untersucht.

Sicherheitsgefühl ist erschüttert

Das Ereignis hat das Sicherheitsgefühl der Rahmer Gärtner erschüttert. So sehr, dass die Gemeinschaft vielleicht bald auseinander brechen wird: „Ich werde in meinem Garten jetzt alles abbauen und ihn abgeben“, sagt Martina Brinkmann.

Auch der Garten-Nachbar, der die Feuerwehr informierte, bezweifelt, dass er noch länger als ein Jahr dort bleiben wird.

Es gibt noch einen weiteren Grund zur Unsicherheit. Die Gärtner haben ihr Grabeland bislang von einer alten Dame gepachtet. Erst vor kurzem erhielten die Pächter aber die Information, dass das Land den Besitzer gewechselt habe. Jetzt fragen sich alle, ob dieser Bereich überhaupt Grabeland bleibt.

Appell der Polizei

Haustüren verschlossen halten

  • Hinweise zur Tat nimmt die Kriminalwache der Polizei unter Tel. (0231) 132 74 41 entgegen.
  • Im Zusammenhang mit den Kellerbränden bittet die Polizei die Menschen im Dortmunder Westen ausdrücklich, Haustüren und Kellertüren stets verschlossen zu halten.
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