Klima-Alarm: Ein Friedhofsspaziergang hilft vielleicht mehr als „Fridays for Future“

hzNeues vom Hauptfriedhof

Die „Baumdramen“ der letzten Wochen haben die drastischen Folgen des Klimawandels gezeigt. Bei den Bäumen besteht dringender Handlungsbedarf. Der Hauptfriedhof dient als Experimentierfeld.

Wambel

, 18.10.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Von Bäumen ist in letzter Zeit viel die Rede: Wir brauchen sie, um den Klimawandel zumindest zu verlangsamen, denn sie produzieren Sauerstoff, spenden Schatten, reinigen als „Staubfilter“ die Luft und wirken als natürliche Klimaanlagen. Doch sie können auch zur Gefahr werden, wenn sie durch Hitze, Trockenheit oder Krankheiten geschädigt sind und plötzlich Äste herunterfallen oder ganze Stämme abbrechen oder umstürzen. Dreimal ist dies in jüngster Zeit in Dortmund passiert. „Das war eine unglückliche Häufung“, sagte Gerhard Hettwer, zuständig für den Grünbereich auf dem Hauptfriedhof, am Rande der Vorstellung des dortigen „Zukunftsbaumpfades“. Man könne nur kontrollieren, so der Baumfachmann. Die Stadt will dies in Zukunft verstärkt tun. Ein Pilzbefall etwa lasse sich feststellen, aber Sollbruchstellen seien mit den heutigen Möglichkeiten der Technik nicht ausfindig zu machen.

100 Baumarten werden in ganz Deutschland getestet

Über 130.000 Bäume hat die Stadt an Straßen, in Parks und auf Friedhöfen. Die Stadt reagiert auf den Klimawandel, indem sie mehr Bäume anpflanzt und versucht, besonders widerstandsfähige Arten herauszufinden.

100 Bäume würden deutschlandweit daraufhin getestet, ob sie im Klimawandel gut bestehen können, erläuterte Gerhard Hettwer. 90 davon seien bereits heute auf dem Hauptfriedhof vorhanden. Somit ist der Hauptfriedhof ein Experimentierfeld für die Bäume der Zukunft.

Zwei botanische Führungen im Jahre 2017 mit jeweils rund 50 Bürgern hätten das große Interesse an den Bäumen der Zukunft gezeigt. Gerhard Hettwer hatte daraufhin die Idee, einen „Zukunftsbaumpfad“ einzurichten, um den Dortmundern 25 dieser Bäume auf einem Spazierweg über den Hauptfriedhof vorzustellen. Darunter sind heimische und exotische, zum Beispiel der Rot-Ahorn, die Orientalische Platane, die Scheinakazie, die Hopfenbuche und der Japanische Schnurbaum. Natürlich sei es ein Unterschied, ob ein Baum auf dem Hauptfriedhof oder an einer viel befahrenen Straße stehe, verdeutlichte der Experte. Doch zwei der 25 Bäume, der Amberbaum und der Ginkgo, hätten sich in Baumscheiben bereits bewährt.

Klima-Alarm: Ein Friedhofsspaziergang hilft vielleicht mehr als „Fridays for Future“

Infotafeln beschreiben die Zukunftsbäume entlang des Pfades wie hier den Rot-Ahorn. Über den Quellcode (links oben) kann man mit Hilfe des Smart-Phones noch mehr über den jeweiligen Baum erfahren. © Uwe Brodersen

Auf Infotafeln, die auf Stelen angebracht sind, wird jeder Baum beschrieben. Die Sparkasse Dortmund hat die Einrichtung des Weges mit 7000 Euro unterstützt. Dafür bedankte sich Friedhofsleiter Ralf Dallmann bei Jörg Busatta vom Sparkassen-Vorstand.

Weitere Informationen über den Baum mit Quellcode und Handy

Dallmann wies auch darauf hin, dass jede Infotafel mit einem Quellcode versehen ist, so dass sich weitere Informationen über den jeweiligen Baum auf dem Smartphone abrufen lassen. Auf den „Zukunftsbaumpfad“ gelangt man, wenn man sich vom Haupteingang, Am Gottesacker“, an den Trauerhallen vorbei nach links wendet.

Klima-Alarm: Ein Friedhofsspaziergang hilft vielleicht mehr als „Fridays for Future“

Dem Rot-Ahorn am „Zukunftsbaumpfad“ auf dem Hauptfriedhof fehlt die typische Färbung. Sie variiert je nach Baum und hängt auch vom Säuregrad des Bodens ab. © Uwe Brodersen

Die 25 Bäume des Pfades würden ein großes Spektrum von ganz jung gepflanzten bis zu 30 oder sogar 60 Jahre alten Bäumen bieten, hob Baumfachmann Gerhard Hettwer hervor. Dies gefiel auch Bezirksbürgermeister Karl-Heinz Czierpka (SPD), der gemeinsam mit anderen Brackeler Bezirksvertretern zur offiziellen Eröffnung des Weges gekommen war. So könne man bei vielen Bäumen auch sehen, wie sie aussehen, wenn sie größer geworden sind. Mit dem „Zukunftsbaumpfad“ bietet sich den Besuchern die Gelegenheit, einige der möglichen Zukunftsbäume im Wechsel der Jahreszeiten zu erleben. Vielleicht ist ja sogar der eine oder andere Baum dabei, der sich für den heimischen Garten eignet.

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