Kliniken in Dortmund bereiten sich auf schwere Fälle vor – So steht es um die Beatmungsplätze

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Die ersten drei schweren Corona-Fälle in Dortmund müssen stationär im Krankenhaus behandelt werden. Gleichzeitig sind die Kliniken mit Hochdruck dabei, ihre Intensivbetten aufzustocken.

Dortmund

, 21.03.2020, 17:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Allmählich werden die Corona-Erkrankungen auch in Dortmund schwerer. Inzwischen gibt es unter den 140 bestätigten Infizierten (Stand 20.3., 15 Uhr) drei Patienten, die stationär im Krankenhaus behandelt werden müssen, berichtete der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Frank Renken, am Freitag (20.3.) bei einer Pressekonferenz: „Jetzt sind offenbar Menschen mit Infektionen erreicht, die etwas gefährdeter sind.“

Nach der statistischen Erwartung sind 20 von 100 bestätigten Infizierungen ein Fall für die Intensivstation. Dortmund liege mit drei Patienten darunter, so Renken. Doch bereits seit Wochen laufen die Vorbereitungen in den Dortmunder Kliniken, um für einen weiteren Anstieg gewappnet zu sein.

So habe man das Diagnostiksystem weiterentwickelt, berichtete der Gesundheitsamtsleiter. Am Klinikum Nord werde nun ein neues Behandlungszentrum eingerichtet. Im „Corona Therapiezentum“, so der offizielle Name, werden nicht nur Abstriche genommen, sondern im Gegensatz zu der zentralen Diagnostikstelle können hier auch Verdachtsfälle direkt von Ärzten behandelt werden.

Niedergelassene Ärzte wollen helfen

Betrieben wird das Corona Therapiezentrum von der Kassenärztlichen Vereinigung (KVWL). Nach Auskunft von KVWL-Sprecherin Vanessa Pudlo sei eine ganze Reihe von niedergelassenen Ärzten dem Aufruf der KVWL gefolgt und habe ihre Unterstützung in dem Therapiezentrum angeboten.

Erreichbar ist das neue Zentrum am Klinikum Nord über die Beethovenstraße, geöffnet ist es am Wochenende von 10 bis 16 Uhr, bald wochentags von 8 bis 20 Uhr. Mittelfristig soll dort auch eine Zwischenaufnahme für stationär zu behandelnde Patienten aufgebaut werden. Dort wird dann entschieden, in welchen Kliniken diese Patienten aufgenommen werden können.

Schon seit Wochen arbeiten die Kliniken in Dortmund daran, die Zahl ihrer Intensivbetten aufzustocken. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hat in dieser Woche angekündigt, dass die Zahl verdoppelt werden soll. In Dortmund gibt es regulär 180 Intensivbetten, davon zwei Drittel mit Beatmungsplätzen. Die sind auch ohne Corona-Patienten bis auf nur wenige Plätze belegt.

Aufschiebbare Fälle wurden abgestellt

Allein am Klinikum Dortmund sind es inzwischen 120 Intensivbetten, davon 98 mit Beatmung. „Und natürlich versuchen wir weiter, nach Kräften aufzustocken“, berichtet Klinikumsprecher Marc Raschke. Etliche Patienten, die nicht dringend operiert werden müssten, würden erst mal wieder abgestellt. So könne man Stationen für Intensivbetten frei ziehen.

Das Klinikum Westfalen (Knappschaftskrankenhaus Brackel) schult bereits seit einigen Tagen geeignete Mitarbeiter aus anderen Bereichen intern für einen Einsatz in intensivmedizinischen Bereichen, teilt Kliniksprecher Klaus-Peter Wolter auf Anfrage mit. „Wir definieren außerdem andere Krankenhausbereiche, die für intensivmedizinische Zwecke genutzt werden könnten und bemühen uns darum, diese Bereiche, so weit erforderlich, technisch aufzurüsten.“

Weitere Intensivbetten

Zudem, so Wolter, erweitere man auch Beatmungskapazitäten und sei dabei, zusätzliche Geräte zu beschaffen. Aktuell verfügen die beiden Dortmunder Knappschaftskrankenhäusern in Brackel und Lütgendortmund zusammen über 37 Intensivbetten. Wolters: „Wir bemühen uns mit Hochdruck, diese Zahl gemäß der Empfehlungen des Gesundheitsministers zu steigern.“

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Das St. Johannes-Hospital verfügt über 42 Intensivbetten, davon derzeit 34 mit Beatmung. In Kürze sollen es 39 mit Beatmung sein, kündigt Hospital-Sprecherin Gudula Stroetzel an. Und damit ist nicht Ende der Fahnenstange. Stroetzel: „Unter der Voraussetzung, dass wir weitere Beatmungsgeräte geliefert bekommen, werden auf einer voll ausgestatteten ‚Intermediate Care‘-Station noch weitere 26 Intensivbetten mit Beatmungsplätzen dazukommen.“

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