OPs möglich: Krankenhäuser schaffen Platz für Nicht-Corona-Patienten

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Wenn es nach Jens Spahn geht, sollen die strengen Corona-Regeln für Krankenhäuser gelockert werden. Dortmunds Kliniken öffnen ihre Stationen und OP-Säle jetzt wieder schrittweise.

Dortmund

, 30.04.2020, 13:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der Schulbetrieb soll langsam wieder anrollen, der Einzelhandel darf wieder öffnen und auch für Friseure soll der Betrieb bald wieder losgehen. Geht es nach Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, sollen ab Mai - also ab Freitag - auch die Krankenhäuser wieder zu mehr Normalität zurückkehren.

Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland zuerst berichtet hatte, habe er die Länder am Montag (27.4.) dazu aufgefordert, die Beschränkungen für Kliniken ab Mai zu lockern.

Dortmunds Covid-Schwerpunkt-Krankenhäuser – das Klinikum, das St.-Johannes-Hospital und das Knappschaftskrankenhaus Brackel – sind teilweise bereits jetzt dabei, erste Maßnahmen zu treffen.

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Operationen werden im Klinikum ab kommender Woche nachgeholt

Seit Montag (27.4.) seien die ambulanten Stationen im Klinikum Dortmund bereits wieder geöffnet, sagt Geschäftsführer Rudolf Mintrop auf Anfrage. In der kommenden Woche werden auch wieder elektive, also verschiebbare, Behandlungen stattfinden, sagt er.

Seit Mitte März werden in den Krankenhäusern wegen der Corona-Pandemie nur noch zwingend notwendige Operationen durchgeführt. Zudem sollten stets Intensivbetten für eventuelle Covid-19-Erkrankte freigehalten werden. Diese Auflagen will Gesundheitsminister Spahn angesichts des abgeschwächten Verlaufs der Pandemie in Deutschland nun lockern.

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Gerade bei den verschiebbaren Eingriffen gebe es im Klinikum Dortmund eine lange Warteliste, sagt Mintrop. „Nur weil etwas verschiebbar ist, heißt das ja nicht, dass es beliebig lange verschiebbar ist.“

Wie Patienten mit bereits verschobenen OP-Terminen an neue Termine kommen, könne er nicht beantworten, da das auf die individuellen Gegebenheiten vor Ort ankäme. Mintrop empfiehlt Patienten, die auf der Warteschlange stehen, daher jeweils selbst nachzuhaken.

Ein Covid-Krankenhaus im Krankenhaus

Das Klinikum werde man jedoch weiterhin „in zwei Häuser aufteilen“, sagt Rudolf Mintrop. Damit seien nicht die zwei Zentren Mitte und Nord gemeint, sondern ein vom normalen Betrieb abgetrennter „Covid-Betrieb“. Mintrop sagt: „Der Covid-Betrieb ist wie ein eigenes kleines Krankenhaus im Krankenhaus.“

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„Eine Rückkehr zu einem Teil Normalbetrieb wäre sowohl für die Patienten als auch das Personal gut“, meint er aber auch.

„Wir haben uns mit Blick auf Italien auf eine große Katastrophe eingestellt. Diese ist hier bislang ausgeblieben“, sagt der Klinikums-Chef. Die allgemeine Situation sei auch für das Personal eine „hohe nervliche Herausforderung“, sagt er. „Der teilweise leerstehende Krankenhausbetrieb und dabei das Warten auf die Katastrophe – das macht die Leute wuschig.“

Man habe in Dortmund „bislang eine sehr moderate Entwicklung“, sagt er am Mittwoch (29.4.). Derzeit könne man in Dortmund ohne Probleme die doppelte Zahl an Patienten behandeln.

Erste Lockerungen auch im JoHo

Auch im St.-Johannes-Hospital gibt es bereits erste Lockerungen. „Nach und nach werden mehr Patienten in allen Fachbereichen wieder einbestellt. Familienzimmer auf der Entbindungsstation sind wieder geöffnet“, teilt Krankenhaus-Sprecherin Gudula Stroetzel auf Anfrage mit.

Ähnlich wie im Klinikum werden seit der Einführung der Maskenpflicht am Montag (27.4.) alle stationären Patienten zwei Tage vor Aufnahme auf das Coronavirus getestet. Aufgenommene Notfallpatienten werden zunächst isoliert, bis ein Ergebnis vorliegt. Das Besuchsverbot gelte jedoch weiterhin.

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Derzeit könne man nur eine Normalität schaffen, „die sich den Schutzmaßnahmen unterordnet“, teilt Stroetzel schriftlich mit. Durch die Unterstützung von Patienten und Mitarbeitern werde dieses Vorgehen „mit der Zeit immer selbstverständlicher.“

Eine Intensivstation mit Beatmungsmöglichkeiten stehe auch bei Lockerungen weiterhin zur Versorgung von Corona-Patienten zur Verfügung. Die Normalstationen im JoHo werden ebenfalls wieder belegt - eine Station bleibe dagegen Corona-Verdachtsfällen vorbehalten.

Jederzeit bereit für „den akuten Pandemie-Modus“

„Eine Aufnahme eines uneingeschränkten Betriebes wie in der Zeit vor der Pandemie“ sei für das Knappschaftskrankenhaus Dortmund „aktuell nicht das Ziel“, teilt Sprecher Klaus-Peter Wolter mit.

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Angesichts der offenbar beabsichtigten Lockerungen seitens der Politik gelte weiterhin die Leitlinie, „dass wir jederzeit kurzfristig wieder in einen akuten Pandemie-Modus zurückkehren können, wenn dies erforderlich ist“.

Sollte es zur Lockerung der Corona-Vorgaben kommen, sei eine Ausweitung ambulanter Behandlungen eine erste Maßnahme. Weiteres werde man nur schrittweise unter strenger Beobachtung der Pandemie vornehmen.

„Aktuell halten wir weiter Betten in einem separierten Abschnitt unserer Intensivstation frei und betreiben eine Station ausschließlich als Covid-Station.“ Diese Covid-Station im Knappschaftskrankenhaus sei bislang zu keinem Zeitpunkt ausgelastet gewesen. Derzeit aufgeschobene Behandlungen, so Wolter, würden erst nach und nach unter der Berücksichtigung ihrer medizinischen Dringlichkeit nachgeholt werden.

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