Wie das Video-Netzwerk Tik Tok hilft, Mitarbeiter zu finden

hzKlinikum Dortmund

Überall fehlt es an Pflegekräften. Kliniken und Krankenhäuser wetteifern zum Teil mit Prämien um neue Mitarbeiter. Beim Klinikum Dortmund läuft das anders.

Dortmund

, 22.12.2019, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Krankenhäuser und Soziale Medien – passt das zusammen? Ja. Tut es. Beim Klinikum Dortmund wird die Öffentlichkeitsarbeit in den Online-Netzwerken ernst genommen. Zum Beispiel auf der Plattform Tik Tok ist das Klinikum sehr aktiv.

Auf Tik Tok werden lustige Videoclips hochgeladen, gespickt mit Effekten und Filtern – typisch Internet und Social Media eben.

Mit Social Media Mitarbeiter anwerben

Anscheinend passt das sehr gut: 72.200 Follower, mehr als 1,1 Millionen Likes – das sind die Zahlen, die das Klinikum Dortmund bei der Social-Media-Plattform Tik Tok aufweist.

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Die Videos, die das Klinikum dort hochlädt, bieten einen etwas anderes Blick auf das Krankenhaus-Personal: Man kann dort tanzende Ärzte und singende Pfleger sehen. Aber auch Einblicke in den Krankenhaus-Alltag werden geboten: Es wird gezeigt, wie es beim Kinder-MRT aussieht oder wie ein steriles OP-Geschirr im Zeitraffer zusammengepackt wird.

Was zunächst abstrakt oder seltsam klingen mag, hat einen Sinn. Dem Klinikum geht es in den Sozialen Netzwerken um weit mehr als nur Likes und Follower-Zahlen.

Mit den lustigen Kurz-Videos möchte das Klinikum für sich als Arbeitgeber werben. Laut Marsch Raschke, Leiter der Unternehmenskommunikation, scheint das zu funktionieren: „Social Media ist unser einziges Mittel, um aktiv neue Mitarbeiter anzuwerben.“

Gerade Tik Tok sei ein gutes Mittel, da sich die Plattform an eine jüngere Zielgruppe richte – also an potentielle Berufseinsteiger. „Generell wollen wir vermitteln, wie es ist, bei uns zu arbeiten“, erklärt Raschke die Strategie.

Andere Werbe-Mittel gebe es nicht. Bei Job-Messen sei das Klinikum auch nicht mehr vertreten. Das sei laut Raschke auch nicht mehr zeitgemäß: „Man muss dahin, wo die Leute sind“ – zum Beispiel in die Sozialen Medien eben.

Auf anderen Plattformen wie Instagram, Twitter oder Facebook ist das Klinikum auch aktiv. 80 bis 90 Prozent aller Bewerber würden laut Raschke ihren Weg zum Klinikum durch die sozialen Kanäle finden.

Pflegenotstand trifft Klinikum nicht so stark

Das ist eine kreative Möglichkeit, mit dem Personalmangel im Pflegebereich umzugehen. Der ist so akut, dass manche Kliniken Bewerber mit Startprämien zu sich locken. Im Münsterland etwa bietet eine Klinik 2.500 Euro Startgeld für neue Mitarbeiter. Ein Berliner Klinikbetreiber wirbt sogar mit bis zu 9.000 Euro.

Von diesen Prämien hält das Klinikum in Dortmund nichts. Die „Wer wechselt, bekommt Geld“-Mentalität schade eher der Branche, findet Raschke. Er befürchte, dass dadurch keine dauerhaften Belegschaften aufgebaut werden können, sondern immer nur hin und her gewechselt wird.

Trotz aller Prämien bleibt der Pflegenotstand problematisch. Eine Krankenhausstudie der Unternehmensberatung Roland Berger besagt, dass im Jahr 2018 zwar 11.000 Fachkräfte eine Stelle suchten. Bei 30.000 offenen Stellen blieben aber trotzdem viele Stellen unbesetzt.

Das Klinikum Dortmund scheint insgesamt ganz gut aufgestellt zu sein: Alle Ausbildungsstellen in der eigenen Schule für Gesundheitsberufe seien momentan besetzt – 500 an der Zahl. Die offensive Social-Media-Strategie scheint zu wirken. Zumindest wird das laut Raschke in Bewerbungsgesprächen so zurückgemeldet.

Jedoch erzählt Raschke auch, dass die Schierigkeiten, Personal zu finden, nicht ganz spurlos am Klinikum vorbeigehen. Es gebe zum Beispiel noch viele offene Stellen in der Geriatrie. Aber vielleicht kann das nächste Tik-Tok-Video da ja helfen - und womöglich Bewerber aufmerksam machen.

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