Sanierung für IGA: Kokerei erinnert an Christos verhüllten Reichstag

hzInternationale Gartenausstellung

Die Kokerei Hansa ähnelt derzeit einer eingepackten Stadt, denn mehrere Gebäudekomplexe der historischen Großkokerei werden für die Internationale Gartenausstellung 2027 schick gemacht.

Huckarde

, 23.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Hinter dem Werkstor der Kokerei Hansa ist es trotz der Schließung im Zuge der Corona-Krise nicht still: Bauarbeiter, Dachdecker, Stahlbauer und Handwerker verschiedenster Gewerke arbeiten auf dem Denkmal-Gelände.

Spätestens in sieben Jahren muss alles fertig sein: Denn mehrere Gebäudekomplexe der historischen Großkokerei werden für die Internationale Gartenausstellung (IGA) Metropole Ruhr aufwändig und denkmalgerecht saniert. Der Sortenturm, die Sieberei und die Salzfabrik mit Abtreiberbühne sind mit Planen eingerüstet.

Sanierung Kokerei Hansa: Zeitachse bis zur IGA ausgerichtet

Auch die Sanierung der Ofendecken der Koksofenbatterien 0 und I und der ehemaligen Kohlenbandbrücke stehen an. Die Kokerei gleicht einer eingepackten Stadt. Erinnerung an Christos verhüllten Reichstag werden wach.

„Wir haben unsere gesamten Planungen ausdrücklich auf die Zeitachse bis zur IGA ausgerichtet“ sagt Ursula Mehrfeld, Geschäftsführerin der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur als Eigentümerin. Man begreife die IGA mit ihrem Augenmerk auf die Industriekultur des Ruhrgebiets als große Chance.

„Wir haben die Möglichkeit, bis heute nur teilsanierte Bauten und Anlagen zusammen mit unseren Kooperationspartnern – vorne weg die Stadt Dortmund – weiterzuentwickeln und so eine wirtschaftliche und nachhaltige Grundlage für den künftigen Betrieb der Kokerei Hansa zu schaffen“, so Mehrfeld.

Beeindruckend: Diese Aufnahme aus der Luft zeigt auf einen Blick alle stillgelegten technischen Anlagen auf dem Gelände der ehemaligen Kokerei Hansa.

Beeindruckend: Diese Aufnahme aus der Luft zeigt auf einen Blick alle stillgelegten technischen Anlagen auf dem Gelände der ehemaligen Kokerei Hansa. © euroluftbild.de/Hans Blossey

Das IGA-Projekt „Zukunftsgarten Emscher Nordwärts“ biete langfristig die Aussicht, über das Ausstellungsjahr hinaus das Denkmal als `Vitales Areal´ für Green Economy, Tourismus, Kultur und Freizeit aufzuwerten und auch in das Quartier Huckarde und darüber hinaus weiter zu öffnen.

Sortenturm prägt markant die Silhouette der Kokerei Hansa

Der Sortenturm der Kokerei Hansa prägt markant die Silhouette des Industriedenkmals. Auf dem Kokereigelände stellt er mit seinen fast 40 Metern Höhe, 75 Metern Länge und 15 Metern Tiefe das vom Volumen her größte Gebäude im Kreis des Ensembles dar.

Schon von weitem gut sichtbar: Der eingerüstete Sortenturm von der Ostseite.

Schon von weitem gut sichtbar: Der eingerüstete Sortenturm von der Ostseite. © Markus Bollen

Komplett eingerüstet und teilweise mit einer Plane versehen, wirkt er mit den insgesamt 7200 Quadratmetern Sanierungsfläche und 6500 Quadratmetern Gerüstfläche momentan geradezu wie echter Koloss.

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„Der Sortenturm samt Becherwerk ist zusammen mit der Bandbrücke und dem Kohlenturm ein kokereitypisches Denkmalensemble. Durch den Erhalt dieser Bauten als Bestandteile des Besucher-Erlebnispfades ‚Natur und Technik‘ wird der Produktionsweg von Kohle zu Koks nachvollziehbar und verständlich“, betont Geschäftsführerin Ursula Mehrfeld.

Der Sortenturm ist in einem sehr schlechten Zustand. Betonsockel und Verblendmauerwerk müssen aufwendig saniert werden.

Der Sortenturm ist in einem sehr schlechten Zustand. Betonsockel und Verblendmauerwerk müssen aufwendig saniert werden. © Markus Bollen

Die Sanierungsmaßnahme wurde durch Mittel der Städtebauförderung des Bundes und des Landes NRW ermöglicht. Dabei war der Stiftung und dem beauftragten Architekturbüro Zetcon Ingenieure aus Bochum zu Beginn nicht klar, dass die Maßnahmen wesentlich komplexer ausfallen würden als geplant, berichtet Architekt Kim Troldner.

Waren die Experten zunächst von einer Schädigung von 25 bis 75 Prozent ausgegangen, zeigte sich während der bereits dreijährigen Baumaßnahme eine höhere Schädigung, nämlich zwischen 50 und 75 Prozent.

Auch im Innern des Sortenturms bereitet der Beton Sorgen und muss erneuert werden.

Auch im Innern des Sortenturms bereitet der Beton Sorgen und muss erneuert werden. © Photo: Markus Bollen

Aufgrund der großflächigen Schädigung des Betons hinter dem Außenputz wurde in Abstimmung mit der Denkmalbehörde entschieden, die Betonsanierung mittels Spritzbeton durchzuführen.

„Das ist eine sehr anstrengende und zeitintensive Handarbeit“, so Kim Troldner. Neue Steine, die extra für die Kokerei Hansa gebrannt werden, mussten zudem so gemischt werden, dass sie sich gut in die Fassade einfügen.

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Beton bereitet auch im Inneren des Turms Sorgen

Aber nicht nur die Außenfassade wird saniert, auch im Inneren des Turms bereitet der Beton Sorgen: Die Überdeckung ist großflächig gelockert oder schon abgesprengt. An zahlreichen Stellen zeigt sich korrodierter Stahl.

Das Tragwerk des Becherwerkaufzugs muss ertüchtigt werden.

Das Tragwerk des Becherwerkaufzugs muss ertüchtigt werden. © Markus Bollen

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