H-Bahn-Ausbau, Ring-Buslinien? Experte bewertet FDP-Verkehrskonzept

hzKommunalwahl 2020

Die FDP in Dortmund hat ihr Verkehrskonzept zur Kommunalwahl vorgelegt - einige Vorschläge sind sehr ambitioniert und kostspielig. Halten sie dem Urteil eines Verkehrsexperten der TU stand?

Dortmund

, 05.05.2020, 17:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie die Verkehrswende in Dortmund nach Ansicht des FDP-Kreisverbandes aussehen soll, haben die Dortmunder Liberalen am Montag (4.5.) mit ihrem Verkehrskonzept zur Kommunalwahl vorgelegt.

Wir haben sechs Punkte näher unter die Lupe genommen und Prof. Dr. Joachim Scheiner vom Lehrstuhl für Verkehrswesen und Verkehrsplanung der TU Dortmund gebeten, die Sinnhaftigkeit dieser Vorschläge kurz zu beleuchten.

Prof. Dr. Joachim Scheiner vom Lehrstuhl für Verkehrswesen und Verkehrsplanung der TU Dortmund

Prof. Dr. Joachim Scheiner vom Lehrstuhl für Verkehrswesen und Verkehrsplanung der TU Dortmund © privat

Vorschlag: ein Investitionsprogramm für die Stadtbahn, das die notwendige Leittechnik im Tunnel und mehr Wagen beschafft – für engere Taktfolgen und längere Züge, wo immer dies machbar ist.

Das sagt der Experte: Ein Taktausbau ist auf jeden Fall sinnvoll. Mehr als jede andere Metropolregion ist das Ruhrgebiet vom Autoverkehr geprägt. Früher gab es in Dortmund ein sehr viel dichteres Straßenbahnnetz als heute. Durch die Verlegung unter die Erde ist der Schienenverkehr zwar störungsfreier geworden, gleichzeitig aber ging Netzdichte verloren.

Vorschlag: Die Anbindung des ehemaligen Hoesch-Spundwandgeländes („Smart Rhino“) mit einer Gabelung der U43/U44. Die Technologieparks an der Universität und auf dem neuen Gelände sollen mit einer Verlängerung der H-Bahn verbunden werden.

Das sagt der Experte: Eine Wahnsinns-Investition, doch die Idee des H-Bahn-Anschlusses erschließt sich sofort mit Blick auf die Nähe zur TU Dortmund, der Fachhochschule und dem Technologiepark. Denkbar wäre auch ein Anschluss an die S-Bahn in Dorstfeld.

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Vorschlag: Zwei Ringbuslinien sollen die Vororte untereinander verbinden.

Das sagt der Experte: Das macht auf jeden Fall Sinn. Man sollte mit den Vororten anfangen, in denen man Nachfrage erwarten kann.

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Vorschlag: Eine digitale Version des Anrufsammeltaxis gerade in den Außenbezirken und nicht vorrangig in der Innenstadt, wie von DSW21 derzeit geplant.

Das sagt der Experte: Der Gedanke ist nicht verkehrt. DSW21 geht davon aus, dass sie in der Innenstadt eine kleinteilige Nachfrage für ein Anrufsammeltaxi finden von Leuten, die sich nach dem Einkauf oder nach der Arbeit nach Hause fahren lassen wollen. Doch aus der Stadt heraus könnten sie sich auch konventionell gut bewegen. Verkehrsplaner kritisieren immer wieder, dass neue Mobilitätsangebote immer dort anfangen, wo öffentliche Verkehrsmittel ohnehin sind.

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Vorschlag: Eine Förderung des Park & Ride-Systems. Seine Nutzer sollen mit einem Parkticket für die Park & Ride-Plätze der DSW21 den ÖPNV in die City nutzen können. Parken im Wallring soll teurer werden, dafür in den Vorort-Zentren kostenfrei.

Das sagt der Experte: Ich kenne das aus den Niederlanden. Das ist ein Anreiz, der funktioniert, wenn man weiß, dass die Alternative bestraft wird, da man eine hohe Parkgebühr zahlen muss. In Gegenden wie dem Kreuzviertel, der Saarlandstraße und der Kaiserstraße mit dem dortigen Parksuchverkehr wäre etwas gewonnen, wenn die Autos weiter weg abgestellt würden.

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Vorschlag: Mehr Sicherheit für den Fahrradverkehr durch eine sichere Radverkehrsinfrastruktur.

Das sagt der Experte:
Der Radverkehr ist in Dortmund deutlich gewachsen. Das kann man auch ohne Wissenschaft sehen. Um dem Rechnung zu tragen, gehen die Bemühungen dahin, den Straßenraum umzubauen. Doch man könnte den Aufwand sparen, indem man flächendeckend Tempo 30 im Innenstadtbereich einführt.

Das mag zunächst wie ein Affront klingen, doch auch die Reisegeschwindigkeit von Autos in der City beträgt kaum mehr als 30 km/h, weil man ohnehin immer wieder an Ampeln halten muss. Das Unfallrisiko wäre dezimiert und man bräuchte die Investitionen für den Umbau des Straßenraums nicht mehr. Am besten müssten die Städte hier einheitlich agieren.

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