Künstlerhaus Dortmund öffnet wieder - mit Kunst aus Beatmungsgeräten

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Das Künstlerhaus präsentiert nach langer Schließung eine neue Ausstellung zum Thema "Raumerweiterung" – inklusive Klangkunst aus Beatmungsmaschinen und einer neuen Online-Plattform.

Hafen

, 28.05.2020, 05:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das größte freie Ausstellungs- und Atelierhaus der Stadt, das „Künstlerhaus“, hat seit dem 16. Mai nach genau zwei Monaten wieder geöffnet.

Mit speziellen Maßnahmen zur Sicherung der Hygienevorschriften und zur Besichtigung des Hauses präsentiert das Haus in der ehemaligen Zeche Westphalia die Ausstellung "add-on, Raumerweiterung im weitesten Sinne" - mit einer Überraschung im Keller.

"Wir hatten die aktuelle Ausstellung bereits fertig stehen und wollten sie am 20. März eröffnen. Dann kam am 16. März der Lockdown und wir sind gefühlt in ein Loch gefallen, inklusive einer Geisterausstellung", erinnert sich Geschäftsführer Dr. Peter Schmieder.

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Das Künstlerhaus bietet Ateliers für aktuell 20 Künstler, die sich ehrenamtlich bei Ausstellungen und als Kuratoren engagieren. Ziel ist neben der Förderung der Künstler und der bildenden Kunst auch die Sichtbarmachung von internationaler Kunst im Haus.

Große, weitläufige Ausstellungsräume

Dafür stehen 450 Quadratmeter Ausstellungsfläche in mehreren Räumen des Erdgeschosses zur Verfügung. Und diese Größe kommt dem Haus nun zugute. In den zwei Monaten der Schließung konnte sich das Künstlerhaus gut auf die Wiedereröffnung vorbereiten.

Das Hygienekonzept war bereits im April fertig und wurde immer wieder aktualisiert und angepasst. "Wir hätten auch schon eine Woche früher öffnen können, aber es gab keine Wandspender mehr", sagt Schmieder.

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Doch ihm war es lieber alles in Ruhe und vor allem verantwortungsvoll vorzubereiten. Dazu gehört auch ein gesonderter Besuchertag nur für Risikogruppen. Während zu den normalen Besuchszeiten maximal zwölf Personen mit Maskenpflicht gleichzeitig ins Haus dürfen, sind es Mittwochnachmittag nur sechs bis acht, die sich alle zuvor anmelden müssen.

Die neue Ausstellung "add-on, Raumerweiterung im weitesten Sinne" bringt dabei unerwartet das Thema "Abstand" mit sich. Ein Zufall, der mit einer Klanginstallation im Keller die Corona-Krise direkt aufgreift – ohne dass man dies hätte ahnen können.

In den Erdgeschossräumen trifft man zunächst auf Raumkunst. Die "add-on"-Künstler Nikola Hamacher, Vanessa Henn, Raymund Kaiser, Jörg Kratz, Sali Muller, Ekkehard Neumann und David Semper befassen sich mit räumlichen Wahrnehmungen und divergierenden Raumvorstellungen.

Eierschalen in der Wand und Geräusche von Beatmungsgeräten

In Wände eingelassene Blätter und Eierschalen überraschen genauso wie Spiegelungen, Handläufe oder ein eingemauertes Stempelkissen, das nach und nach mit Farbe zum Vorschein kommt.

Im Totenraum, im Keller der früheren Zeche, ist die 4-Kanal-Klanginstallation "Pneuma" von Denise Ritter zu erleben: eine elektroakustische Komposition aus Audioaufnahmen von Beatmungsgeräten.

Die 4-Kanal-Klanginstallation "Pneuma" von Denise Ritter im Totenraum mit einer elektroakustischen Komposition aus Audioaufnahmen von Beatmungsgeräten.

Die 4-Kanal-Klanginstallation "Pneuma" von Denise Ritter im Totenraum mit einer elektroakustischen Komposition aus Audioaufnahmen von Beatmungsgeräten. © Didi Stahlschmidt

Um den von der Corona-Krise stark betroffenen Künstlern zu helfen, hat das Künstlerhaus zusammen mit den Dortmunder Kulturschaffenden und dem Kulturbüro die Plattform "StayHomeBuyArt" ins Leben gerufen. Die Homepage bietet die Möglichkeit, Kunst online zu kaufen, wobei die Erlöse aus dem Verkauf der Kunstwerke zu 100 Prozent den jeweiligen Künstler zugehen.

  • Die Ausstellung „add-on-Raumerweiterung im weitesten Sinne“ läuft bis zum 28.6. im Künstlerhaus Dortmund, Sunderweg 1, Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag, 16-19 Uhr
  • Für Risikogruppen öffnet das Haus gesondert mittwochnachmittags, bitte vorher per E-Mail oder Telefon anmelden
  • Alle Infos unter www.kuenstlerhaus-dortmund.de und www.stayhome-buyart.de
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