Kult-Café ohne Pächter: „Wir sind immer noch in einer Schockstarre“

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Die Corona-Krise schlägt unbarmherzig zu: Ein Kult-Café steht leer, die Ex-Pächterin sucht händeringend Arbeit, und der Vermieter steht in Sachen Neu-Verpachtung wieder am Anfang.

Lütgendortmund

, 06.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Exakt vor einem Jahr haben sich Joanna Smolka und Kai Schmitt ihren Traum vom eigenen Café erfüllt. Schon wenige Monate nach der Eröffnung folgte das böse Erwachen: Wegen der Corona-Krise mussten sie ihr „Café Blickpunkt bei Joanna“ in Lütgendortmund Anfang Mai schweren Herzens wieder schließen. Zu groß waren die finanziellen Einbußen während des wochenlangen Lockdowns.

„Wir sind immer noch in einer Schockstarre“, sagt Kai Schmitt am Dienstag (4.8.), wenige Tage nach der vorzeitigen Auflösung des Pachtvertrags zum 31. Juli 2020. Darauf hatten sich die beiden Ex-Gastronomen, die auch privat ein Paar sind, und Vermieter Wilhelm Mohrenstecher geeinigt.

„Wir sind immer noch in einer Schockstarre“, sagen Joanna Smolka und Kai Schmitt, die ihr Café wegen der Corona-Krise dauerhaft schließen mussten.

„Wir sind immer noch in einer Schockstarre“, sagen Joanna Smolka und Kai Schmitt, die ihr Café wegen der Corona-Krise dauerhaft schließen mussten. © Uwe von Schirp

Alle drei sind Verlierer der Pandemie. Joanna Smolka und Kai Schmitt müssen ihr Leben neu organisieren und Kredite abzahlen, auf Hauseigentümer Wilhelm Mohrenstecher wartet die erneute Suche nach einem adäquatem Mieter. Trotz Corona bleibt er aber optimistisch und geht von einer Neu-Verpachtung noch im Laufe des Jahres 2020 aus. „Es soll auf jeden Fall ein Tages-Café mit Kultur und Lütgendortmund-Bezug bleiben“, sagt er in Richtung Bewerber.

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Joanna Smolka sucht händeringend Arbeit

Am härtesten hat es wohl Joanna Smolka getroffen. Sie war die eigentliche Chefin des Cafés Blickpunkt, deshalb wurde es auch unter dem Beinamen „Bei Joanna“ eröffnet. Mit viel Herzblut und Enthusiasmus hatte sich die gebürtige Polin auf ihre neue Aufgabe als Gastronomin gestürzt.

Seit der Corona-bedingten Schließung ihres Cafés steht die 39-Jährige nun ohne Job da. Während ihr Partner nach der Café-Eröffnung weiter als Koch in Festanstellung gearbeitet hat, muss sich Joanna Smolka beruflich neu aufstellen. „Sie sucht händeringend Arbeit“, berichtet Kai Schmitt. Zuletzt habe sie in der Buchhaltung gearbeitet. „Das würde sie gerne wieder in Vollzeit machen. Mittlerweile hat sie schon 30 bis 40 Bewerbungen geschrieben. Doch die meisten halten es noch nicht einmal für nötig zu antworten.“

Wilhelm Mohrenstecher hofft, dass das Café Blickpunkt schon bald wieder mit Leben gefüllt wird.

Wilhelm Mohrenstecher hofft, dass das Café Blickpunkt schon bald wieder mit Leben gefüllt wird. © privat

Café hat aktuell 23 statt 40 Plätze

Interessenten für das Café Blickpunkt können sich bei Wilhelm Mohrenstecher in der Drogerie Zimmermann, Limbecker Straße 13, melden. „Am besten wäre es, wenn die Bewerber direkt ein Konzept mitbringen“, so Wilhelm Mohrenstecher. Aufgrund der aktuellen Coronaschutz-Verordnung bietet das Café aktuell 23 statt 40 Plätze. Auf der Außenterrasse stehen weitere acht zur Verfügung.

Jobangebote für Joanna Smolka leitet Wilhelm Mohrenstecher weiter.

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