Kultkneipe schließt im Dortmunder Süden

hzKneipensterben

Das Logo der Kneipe im Dortmunder Süden sagt alles über ihren Kultstatus: ein Bergmann mit Grubenlampe vor einem Förderturm. Trotz des Traditionsstandortes der Kneipe ist bald Schluss.

Berghofen

, 07.02.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anderswo wäre die Arbeit von Wolfgang Quednau vielleicht groß als „Wir-Projekt“ gefeiert worden. Denn am Tresen der urigen Gaststätte im Dortmunder Süden treffen sich Jung und Alt zum Pläuschchen, Skatspielen und Schocken.

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Doch in Berghofen steht das Aus bevor – und das liegt nicht an den Geschäftszahlen. „Ich habe die Gaststätte ‚Zum Steigerturm’ vor sechs Jahren übernommen und wieder etwas daraus gemacht“, sagt der 53-Jährige. „Der Zustand der Gaststätte war damals katastrophal, jetzt hat sie sich im Dorf etabliert.“

Moderne Kicker und Dartscheiben

Die Kneipe „Zum Steigerturm“ liegt ein wenig versteckt an der Kneebuschstraße. Hier liegt das alte Zentrum Berghofens. Die kleine Kneipe um die Ecke besuchen einige Menschen. Denn sie bietet moderne Sportkicker und E-Dart-Automaten. Daneben gibt’s einen großen Raum, in dem Chöre proben können.

Kultkneipe schließt im Dortmunder Süden

Bis zum 1. Mai 2020 ist die Gaststätte „Zum Steigerturm“ noch geöffnet. © Jörg Bauerfeld

Trotzdem wird am 1. Mai Schluss sein für den Steigerturm. Wie ist es dazu gekommen? „Durch den Verkauf an einen Investor muss die Gaststätte nun einem Neubau weichen“, sagt Quednau. „Natürlich wussten wir, dass so etwas passieren könnte, schließlich ist das hier ein altes Haus. Aber die Nachricht kam schon sehr plötzlich.“ Anfang Februar kam die Nachricht, dass in drei Monaten das Ende der Kneipe bevorsteht.

Kultkneipe schließt im Dortmunder Süden

In diesem Saal trifft sich seit 20 Jahren die Arbeiterwohlfahrt. © Jörg Bauerfeld

„Ich weiß jetzt noch nicht, wie es mit mir im Mai weitergeht“, sagt Quednau, der ein gutes Händchen für seine Gäste zu haben scheint. „Ich nehme sie alle so, wie sie sind. Und sie sind alle willkommen.“

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So sitzt der Inhaber oft neben einem Jungspund am Tresen und knallt den Würfelbecher auf die alte Holzplatte. Und es wird noch Skat gespielt, in den Kneipenräumen, die irgendwann in der Zeit stehen geblieben sind. Beim Betreten des recht kargen Schankraums werden Erinnerungen an den ersten Kneipenbesuch in der Jugend wach.

Kultkneipe schließt im Dortmunder Süden

Die Kicker sind vom Allerfeinsten. © Jörg Bauerfeld

Ein paar Tische, ein Wandbild, das auf die Dortmunder Borussia hinweist, und ein kleiner Tresen. In der Küche werden kleine Speisen zubereitet. Kein Schnickschnack, aber Speisen mit Herzblut.

Im Hinterhaus gibt es noch größere Räume zum Feiern und den Awo-Treff 1, den es seit 20 Jahren hier gibt. Auch der muss sich ab Mai 2020 ein neues Zuhause suchen.

Hier wurden früher Gottesdienste abgehalten

160 Jahre war an dieser Stelle eine Kneipe. Es ist ein Stück Berghofer Geschichte, das zu Ende geht. Und das ausgerechnet in dem Jahr, in dem das Dorf seinen 800. Geburtstag feiert.

Es soll groß gebaut werden. Von 18 Wohneinheiten ist die Rede, die auf der Fläche der Kneipe „Am Steigerturm“ und des daneben befindlichen alten Bauernhofs entstehen sollen.

Kultkneipe schließt im Dortmunder Süden

Auch der benachbarte Bauernhof wird abgerissen. © Jörg Bauerfeld

„Dieses Haus hat Geschichte. Denn, als es in Berghofen noch keine katholische Kirche gab, wurde hier die Messe gelesen“, sagt Winfried Liebig vom Verein „Unsere Mitte Steigerturm“. Wobei dieser Steigerturm der Name des alten Feuerwehrgerätehauses ist, das nur einen Steinwurf von der Gaststätte „Zum Steigerturm“ entfernt ist.

Es sei sehr schade, dass die Kneipe weichen muss, da sich mit dem Verschwinden der alten Gebäude das Ortsbild doch extrem ändere. „Wir müssen uns fragen, was man tun kann, um eine historische Dorfmitte zu erhalten“, sagt Liebig.

Denn schon im Jahr 2015 hat die Bezirksvertretung Aplerbeck die Stadt Dortmund gebeten, ein Konzept zu entwickeln, um solche gewachsenen Strukturen zu erhalten.

Wirt verabschiedet sich mit einer Party

„Wir werden noch eine zünftige Abbruchparty machen, wenn es so weit ist“, sagt Quednau. Bis dahin wird noch der eine oder andere Würfelbecher auf den Tresen geknallt und ein Bierchen dazu getrunken.

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