Kultur vor fast leeren Rängen: Theatermacher klagt gegen Corona-Auflage

hzKultur und Corona

Die Kultur leidet besonders unter der Corona-Krise. Die Grenzen für Veranstalter sind eng gezogen. Ein Dortmunder Theatermacher zieht deswegen jetzt vor Gericht.

Dortmund

, 28.10.2020, 16:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die großen Literaten von Kästner über Tucholsky bis Fontane habe im Roto-Theater in der Dortmunder Nordstadt eine Bühne. Mit literarischen und musikalischen Programmen hat das Privat-Theater ein kulturinteressiertes Publikum gefunden. Doch das kann nur noch sehr dosiert kommen: Gerade einmal zwölf Zuschauer sind unter Corona-Bedingungen im Theater erlaubt.

Drei Monate war das Roto-Theater wie viele andere Bühnen wegen der Corona-Krise ganz geschlossen. Erst seit Mitte August finden wieder Vorstellungen statt. Doch der Rahmen ist dabei durch Verfügungen der Stadt Dortmund eng gesteckt. Sie begrenzte die zulässige Zuschauerzahl bei Kulturveranstaltungen in geschlossenen Räumen zunächst auf ein Drittel der üblichen Kapazität. Inzwischen sind nur noch 20 Prozent erlaubt. Für das Roto-Theater bedeutet dass, dass maximal vor zwölf Zuschauern gespielt werden kann.

Klage im Eilverfahren

Vollkommen unverständlich findet das Roto-Theater-Intendant Rüdiger Trappmann. Er will deshalb gegen die städtische Verfügung im Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht eine Einstweilige erreichen.

Der vorbereiteten Klageschrift beigefügt sind 30 Fotos, die dokumentieren, was im Roto-Theater alles unternommen wird, um den Corona-Schutz zu gewährleisten. Die Zuschauer sitzen in eineinhalb Metern Abstand, auf jedem Platz liegt ein Kontaktbogen, jeder wird ohne Begegnung mit anderen zu seinem Platz geleitet, listet Trappmann auf. Er hat sogar eine Spuckschutzwand, eine Gläser-Spülmaschine und für 3000 Euro eine Belüftungsanlage angeschafft, die die Raumluft in jede halbe Stunde komplett austauscht.

Mit solchen Fotos hat Rüdiger Trappmann für die Klage die Coronaschutz-Maßnahmen im Roto-Theater dokumentiert.

Mit solchen Fotos hat Rüdiger Trappmann für die Klage die Coronaschutz-Maßnahmen im Roto-Theater dokumentiert. © Trappmann

„Und sogar während der Vorstellungen tragen die Zuschauer Maske“, erklärt der Theatermann. „Wie sollen sich denn schweigende Maskenträger unter diesen Bedingungen anstecken?“ Er zweifelt an der Verhältnismäßigkeit der städtischen Vorgabe und ärgert sich vor allem um die Pauschalität, die die Lage vor Ort gar nicht berücksichtigt.

Vorübergehende Schließung droht

Jetzt sollen die Verwaltungsrichter in Gelsenkirchen das Wort haben. Mit einer Entscheidung rechnet Trappmann in einigen Wochen. Bis dahin könnte das Theaterleben nicht nur im Roto-Theater allerdings wieder ganz ruhen, wenn die aktuellen Plänen von Bund und Land zum Verbot aller Kulturveranstaltungen umgesetzt werden. Dafür hat Trappmann angesichts der Bemühungen um den Corona-Schutz in vielen Kulturbetrieben nur ein Wort übrig: „Unglaublich.“

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt