An der Kaiserstraße stehen viele Kunstwerke. Sie sollen das Viertel attraktiver machen. Allerdings sind die Objekte selbst teilweise nicht gerade in Top-Zustand. Warum ist das so?

Kaiserstraßenviertel

, 14.08.2019, 10:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Entlang der Kaiserstraße hat Dr. Rosemarie Pahlke, in Dortmund zuständig für die Kunst im öffentlichen Raum, eine Reihe von Sorgenkindern. Viele Objekte hätten eine Sanierung nötig. Das ist allerdings kompliziert.

Denn zwischen den „Verbaustreben“ am Eingang der Kaiserstraße und der „Menschengruppe“ von Kuno Lange an der Hamburger Straße gibt es höchst unterschiedliche Kunstobjekte, darunter Werke des Dortmunder Künstlers Artur Schulze-Engels, Industrieobjekte und der denkmalgeschützte Kaiserbrunnen. Diese Vielfalt macht es so schwierig, die Kunst zu pflegen und zu erhalten, wie Rosemarie Pahlke erklärt. Außerdem stehen nur begrenzt Mittel zur Verfügung.

Denkmalschutz muss beachtet werden

Vor jeder Restaurierung oder Säuberung müssen Besitzverhältnisse und Zuständigkeit geklärt werden. Dann spielen Material, Verankerung, Denkmalrecht und Interessenslage eine Rolle. Und natürlich Art und Grad der Zerstörung oder Verschmutzung. Steht ein Kunstwerk unter Denkmalschutz, so muss die Behörde mit ins Boot geholt werden. Bei machen Objekten sind Gebrauchsspuren oder Witterungseinflüsse aber auch erwünscht. „Wenn der Künstler noch lebt, versuchen wir das vorab zu klären“, sagt Rosemarie Pahlke.

Und für Industrierelikte, wie die beiden skurrilen Bohrmeißel der Ruhrkohle AG, müssen Experten zu Rate gezogen werden, die sich mit den Exponaten auskennen. Von diesen Fachleuten gibt es nicht mehr viele.

Sie komme mit der Bestandsaufnahme kaum hinterher, so Rosemarie Pahlke, und sei mit den dringenden Fällen ausgelastet, bei denen es etwa um die Standsicherheit geht. Wenn also nicht gerade ein Denkmal vom Sockel segelt, wie der historische Adler in Mengede, dann erfolgt der Anstoß für eine Sanierung der öffentlichen Kunstwerke in der Regel über die Bezirksvertretung, die dann meist auch einen Teil der Kosten übernimmt.

Über diesen Weg könnten auch für die Kaiserstraßen-Kunst bessere Zeiten anbrechen. Allerdings könnten die Arbeiten frühestens im kommenden Jahr starten, so Pahlke. „Die Restauratoren haben gut zu tun.“

Die Werbegemeinschaft Kaiserstraße sähe es gern, wenn die Kunstwerke gewürdigt und neu erstrahlen würden. „Der jetzige Zustand ist uns ein Dorn im Auge“, sagt Vorsitzende Nicole Laubert.

Das sind die größten Kunst-Schandflecken
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Auf einer Seite des Kaiserbrunnens fehlt das Relief. Deutlich sind Einschusslöcher zu erkennen. © Susanne Riese

1. Der Kaiserbrunnen

Das von Wilhelm Fassbinder aus Köln gestaltete Aushängeschild des Viertels wurde der Stadt 1903 übergeben. Ausblutungen der Bronzeverzierungen haben grüne Spuren auf dem weißen Marmor hinterlassen. Auf einer Seite fehlt ein Relief, der Blick fällt auf die nackte Verankerung. Drumherum sind Risse und fünfmarkstückgroße Stellen aus dem Granit gesprengt – Einschusslöcher aus Kriegszeiten.

Auf der Frontseite stören quaderförmige Klebereste auf dem Obelisken die Optik, und das seit vielen Jahren, wie Kulturvermittler Uwe Schrader bei seinen Führungen anmerkt. Die unschönen Klebespuren sind groteskerweise Überreste eine Kunstaktion, bei der Unbekannte überall in Dortmund kleine Bilder aufgeklebt haben.

So traurig der Zustand des Wahrzeichens an der Kaiserstraße auch sein mag, es steht nicht oben auf der Prioritätenliste der Kunst-Beauftragten. „Es geht keine Gefährdung von dem Brunnen aus, gefragt sind reine Schönheitsreparaturen.“

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Der bronzene „Pfennigroller". © Susanne Riese

2. Der Pfennigroller

Der eigens für den Standort entworfene Pfennigroller von Artur Schulze-Engels ist 1986 entstanden. Mittlerweile überziehen Patina und Spinnweben die Bronzefigur, sie ist mit Vogelkot beschmutzt und trägt seit Langem ein kleines aber auffälliges Graffito. „Das muss professionell gereinigt werden“, sagt die Expertin. Je nach Größe koste eine solche Reinigung zwischen 800 und 2000 Euro. Lackfarbe zu entfernen sei aufwendig. Ein Sockel wie der des Pfennigrollers aus Sandstein bedeutet zusätzlichen Aufwand. „Der ist porös und sehr empfindlich.“

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Der „Straßenkehrer" von Artur Schulze-Engels leidet unter Frostschäden. © Susanne Riese

3. Der Straßenkehrer

Moos, Pilze und Frostschäden quälen den „Straßenkehrer“ von Arthur Schulze Engels. Auf seiner Schulter droht das aufgesprungene Material abzuplatzen. Die 1983 entstandene Figur kam bereits mit Frostschäden nach Dortmund, als eines der ersten Objekte der Kunstmeile Kaiserstraße. Sie hatte zunächst in Schwerte gestanden. Vor ihrem Umzug erhielt sie eine neue braune Schutzschicht. Problematisch für eine Restaurierung ist das Material. Denn es handelt sich nicht um einen Bronzeguss, wie viele meinen. „Das wäre einfacher“, sagt Rosemarie Pahlke. Der große Figur ist aber aus Polyester, nur der Besenstiel aus Metall.

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Den „ Wettersteiger" haben Schmierfinke verunstaltet. © Susanne Riese

4. Der Wettersteiger

Den Wettersteiger am Kaiserbrunnenplatz hat es ziemlich schwer erwischt. Jemand hat sich mit Farbe an speziellen Körperpartien der überlebensgroßen Figur mit der Grubenlampe einen vermeintlichen Scherz erlaubt. Zudem hat sich Grünspan auf ihr abgesetzt und weiße Zeichen sind auf seinen Rücken gesprüht. Dem Mann mit der Grubenlampe kann nur eine gründliche Reinigung helfen. Das dreieinhalb Meter hohe Arbeiterdenkmal aus Bronze schuf der Bildhauer Wilhelm Wulff 1957 zum 100-jährigen Bestehen der Harpener Bergbau AG.

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Moos macht sich auf der „Zeitreise mit Menschen" von Harald K. Müller breit. © Susanne Riese

5. Zeitreise mit Menschen

Die große Kopf-Silhouette von Harald K. Müller vor dem Landgericht wird regelmäßig von wucherndem Strauchwerk freigeschnitten. Die in verschiedene Richtung blickenden Köpfe aber sind deutlich von Moos und Flechten überzogen. Vor einer Reinigung wäre zu klären, ob die Witterungsspuren gewollt sind.

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