Gänseköppen wegen Corona abgesagt: „Bisher nur im Krieg ausgefallen“

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Termin wäre der 3. bis 6. September gewesen. Doch die Organisatoren wollen kein Risiko eingehen und haben das Kurler „Gänseköppen“ für 2020 abgesagt. Das Volksfest gibt es seit 1923.

Kurl

, 20.05.2020, 14:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auch das traditionsreiche und beliebte Kurler Gänseköppen fällt in diesem Jahr dem Coronavirus zum Opfer. Das teilen Mark Oelmüller und André Wellmann von der Kolpingsfamilie Kurl mit. „Für uns ist das äußerst schmerzlich“, sagt Wellmann, „die Veranstaltung gibt’s seit 1923, und sie ist bisher nur im Krieg ausgefallen, sonst nie.“

„Organisation braucht monatelangen Vorlauf“

Termin wäre der 3. bis 6. September gewesen. Zwar gilt das Verbot für Großveranstaltungen (bislang) nur bis zum 31. August. Aber erstens wisse niemand, ob es dabei bleibe; zweitens würden dann wohl strenge Hygiene- und Abstandsregeln gelten, die auf einem Fest wie dem Gänseköppen nur schwer einzuhalten seien. Mark Oelmüller: „Man kann so etwas nicht kurzfristig planen. Die Organisation hat immer einen monatelangen Vorlauf.“

Die beiden Kurler, die das Fest gemeinsam mit Jan Zimmermann planen, sind den bereits gebuchten Bands Amiris und Royal Flash dankbar, dass sie nicht auf Erfüllung ihrer Verträge und einen finanziellen Ausgleich bestehen. Beide Bands hätten ihre Zusage bereits jetzt für das nächste Kurler Gänseköppen 2022 gegeben.

Beim Kurler Gänseköppen verwandelt sich der kleine Stadtteil in Dortmunds äußerstem Nordosten in eine Feiermeile – in diesem Jahr leider nicht.

Beim Kurler Gänseköppen verwandelt sich der kleine Stadtteil in Dortmunds äußerstem Nordosten in eine Feiermeile – in diesem Jahr leider nicht. © Oliver Schaper (Archiv)

Denn dieses Volksfest auf der Festwiese an der Greveler Straße findet nur alle zwei Jahre in geraden Jahren statt. In den ungeraden Jahren richtet die Husener Kolpingsfamilie das Husener Dorffest aus. Eine Verschiebung dieses Rhythmus sei nicht infrage gekommen, so Oelmüller, weil die Kurler 2022 zugleich das 100-jährige Bestehen ihrer Gemeinschaft feiern möchten.

Einen Vorteil habe der Ausfall aber doch, sagt Oelmüller scherzhaft: Der amtierende Gänsekönig Axel I. (Westermann) darf mit Steffi I. (Oelmüller) nun gleich vier Jahre im Amt bleiben.

Schon seit 20 Jahren keine echte Gans mehr

Ein Wort zur Tradition des „Gänseköppens“ – ein Begriff, der heute auf viele Menschen zunächst abschreckend wirkt: Schon seit rund 20 Jahren wird dafür keine echte (tote) Gans mehr verwendet.

Ein Fachmann in der Kolpingsfamilie habe sich darauf spezialisiert, eine Kunstgans zu bauen, die mit robusten Hanfseilen so konstruiert sei, dass der „Hals“ nicht gleich beim ersten Schlag durchtrennt werden könne. Das Gänseköppen sei ein Volksfest, bei der der Spaß und das Aufrechthalten der Tradition im Vordergrund stehe.

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Obwohl Kurl nur ein vergleichsweise kleiner Stadtteil ist, ist die dortige Kolpingsfamilie mit 217 Mitgliedern – darunter viele junge Familien – eine der größten in Dortmund. Zu den Angeboten gehören unter anderem der Fahrradsommer in den Sommerferien, Bildungsveranstaltungen, der Familienkreis mit Bastelangeboten, ein Zeltwochenende und Ausflüge.

Im zweiten Halbjahr 2020 soll dieses Programm wieder aufgenommen werden.

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