Kurzarbeit: Die ersten Haushalte können ihre Miete nicht mehr zahlen

hzMietrückstände durch Corona

Immer mehr Mietern geht die Puste aus. Sie bitten um Ratenzahlungen und Stundungen. Noch ist das verkraftbar, sagen Wohnungsunternehmen. Ihre Befürchtung: Das kann sich ganz schnell ändern.

Dortmund

, 12.05.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bei der LEG in Dortmund haben bislang rund 70 Mieter angeklopft, die akute Zahlungsprobleme haben oder auf sich zukommen sehen. Verglichen mit einem Bestand von 13.700 Wohnungen sei der Anteil aber gering, sagt ein LEG-Sprecher. „Wir erwarten allerdings, dass die Anfragen und der Beratungsbedarf in den kommenden Wochen zunehmen.“ Daher biete die LEG ihren Mietern an, die Zahlungen notfalls gleich für sechs Monate (bis Ende September 2020) zu stunden – doppelt so lange wie vom Gesetzgeber vorgesehen.

Hintergrund: Haushalte und Gewerbetreibende, die wegen der Corona-Krise in Geldnot geraten sind und ihre Miete für die Monate April, Mai und Juni nicht überweisen können, dürfen nicht auf die Straße gesetzt werden. Ihre Zahlungsverpflichtung bleibt zwar bestehen. Aber sie können ihre Miete stunden lassen oder Ratenzahlungen vereinbaren. Sie haben dann zwei Jahre Zeit, die Rückstände wettzumachen.

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Vivawest zieht die Zügel straffer und fordert Belege

Davon machen auch Mieter bei Vivawest (9171 Wohnungen) Gebrauch: 24 Dortmunder Haushalte haben ihre Mieten stunden lassen. Weitere 19 stottern die Rückstände in Raten ab. Noch im April hatte es gereicht, wenn Mieter mündlich „glaubhaft versichern“ konnten, dass ihre Geldnöte auf den Lockdown zurückzuführen waren. Inzwischen aber fordert Vivawest „geeignete Nachweise“ an. „Wir rechnen damit, dass sich in Kürze weitere Kunden an uns wenden“, sagt Sprecherin Katrin Lamprecht.

Erleichterung herrscht erst einmal beim Spar- und Bauverein. Auch bei der Genossenschaft halten sich die Mietausfälle in Grenzen. „Wir hatten Schlimmeres befürchtet“, sagt Sprecher Björn Malcharczyk. Vom 26. März bis Ende April habe es in gut 40 Fällen offene Mietforderungen in Höhe von rund 45.000 Euro gegeben.

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Für einen Teil des Geldes seien inzwischen individuelle Lösungen mit den Mietern vereinbart worden. Wer konnte, hat zumindest teilweise bezahlt. Aktuell stünden noch 28.000 Euro im Feuer, über die verhandelt werden müsse, erläutert Malcharczyk. „Die Mietausfälle machen zurzeit weniger als ein Prozent unserer Gesamteinnahmen aus.“ Betroffen seien gerade mal 0,3 Prozent aller 13.600 Mietverträge (Wohnungen, Gewerbemieter, Garagen.)

Kleine Gewerbetreibende machen die größten Sorgen

Ohnehin sind es weniger die Wohnungsmieter, die dem Spar- und Bauverein zurzeit die größten Sorgen bereiten. Es sind eher die Gewerbemieter. Viele mussten ihr Geschäft wochenlang dicht machen, auf Einnahmen verzichten. Trotz der Soforthilfen türmen sich für manche Gewerbetreibende bzw. Solo-Selbstständige mitunter Mietrückstände von mehreren tausend Euro auf.

Dennoch hätten sich die Spareinlagen der Genossenschaft (rund 90 Millionen Euro) nicht verringert, betont Malcharczyk. „Unsere Mitglieder haben keine Mittel abgezogen.“ Im Gegenteil: Das Sparvolumen habe sich im April sogar leicht erhöht.

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Entwarnung gibt man beim Spar- und Bauverein aber noch lange nicht: Müssen vielleicht noch mehr Menschen in Kurzarbeit? Kommt es in Dortmund irgendwann zu einem neuen Lockdown? „Wir haben die Sorge, dass eine zweite Welle an Zahlungsausfällen auf uns zurollen könnte“, sagt Malcharczyk.

Ähnlich schätzt das Andreas Laske ein, Prokurist bei Dogewo21. Aktuell verhandelt das kommunale Wohnungsunternehmen mit 80 seiner insgesamt 16.300 Wohnungs- und Gewerbemieter über Ratenzahlungen und Stundungen. Dabei geht es um rund 35 000 Euro.

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Darüber hinaus gibt es Haushalte, die ihre Zahlungen ohne jede Ankündigung einstellen - und sich auch im Nachhinein nicht melden. „Wer in eine Notlage gerät, sollte uns umgehend informieren“, appelliert Laske. „Das ist wichtig. Wir suchen dann nach Lösungen.“

Haus & Grund: "Die kritische Phase kommt erst noch"

Und wie sieht die Lage bei privaten Vermieterin aus? „Die schlimmsten Befürchtungen sind erst einmal ausgeblieben“, räumt Michael Mönig ein. Als Hauptgeschäftsführer des Eigentümerverbandes Haus & Grund in Dortmund sieht Mönig die vom Bundestag ermöglichte Stundungsregelung für Mieter kritisch.

„Wir haben es mit sehr vielen privaten Hausbesitzern zu tun", sagt Mönig. "Für die wiegen Mietausfälle schwerer als für Wohnungsgesellschaften.“ Rund 300 Beratungsgespräche hätten seine Mitarbeiter inzwischen geführt.

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1500 Wohnungen verwaltetet Haus & Grund im Auftrag seiner Mitglieder. Nach Angaben von Mönig sei mit 140 in Geldnot geratenen Mietern verhandelt worden. „Wir haben das nahezu einhellig hinbekommen.“

Auch bei Haus & Grund gilt: Die Gewerbemieter hat es am härtesten getroffen. Für 80 von 105 Gewerbeeinheiten seien erstmal Lösungen gefunden worden. „Vorerst“, betont Mönig. „Die kritische Phase kommt aber erst noch.“ Werden alle Ladenlokale wieder geöffnet? Läuft das Geschäft dann tatsächlich wieder an? Wie entwickeln sich die Einnahmen? Mönig: „Wir sind längst nicht über den Berg.“

Rückgriff auf Ersparnisse

Davon geht auch der Mieterverein aus. Bislang seien erstaunlich viele Haushalte in der Lage, die durch Kurzarbeit entstandene Einkommenslücke zu decken, sagt Geschäftsführer Rainer Stücker. Seine Vermutung: "Die Betroffenen wollen möglichen Ärger mit ihrem Vermieter vermeiden und greifen zur Überbrückung auf ihre privaten Ersparnisse zurück."

Solo-Selbstständige treffe es am härtesten. „Ganz gleich, was da noch auf uns zukommt“, sagt Stücker, „die Politik steht in der Verantwortung." Sie habe dafür zu sorgen, dass niemand, der unverschuldet in Zahlungsverzug komme, seine Wohnung verliere.

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