Lässt Dortmund das Fußballmuseum pleitegehen? Kämmerer sieht drei Optionen

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Die Finanzpolitiker im Rat sind nicht bereit, die erwarteten Verluste beim Fußballmuseum mit fast 1 Mio. Euro jährlich widerspruchslos auszugleichen. Der Kämmerer spielt drei Szenarien durch.

Dortmund

, 08.12.2019, 06:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

900.000 Euro soll die Stadt künftig jedes Jahr vorhalten, um Verluste des Deutschen Fußballmuseums auszugleichen. Und das als Vorschuss in Abschlägen statt als nachträglichen Verlustausgleich, damit das Fußballmuseum den laufenden Betrieb aufrechterhalten kann. Eine bittere Pille für die Finanzpolitiker im Rathaus, die diese nicht so einfach schlucken wollen.

Allerdings ist der Rat aus haushaltsrechtlichen Gründen gezwungen, das Geld zumindest im Doppelhaushalt für die Jahre 2020 und 2021 als Sollposten einzustellen, um „die wahrscheinlichen Risiken“ im Etat abzubilden. Das stellte Kämmerer Jörg Stüdemann im Finanzausschuss klar.

Sollte der Rat mit der Verabschiedung des Haushalts am 12. Dezember anders entscheiden, könne es sein, „dass die Bezirksregierung deshalb den Haushalt nicht genehmigt.“ Die Folge: Die Stadt hinge am Gängelband der Kommunalaufsicht und könnte nicht mehr eigenständig handeln.

Drei Optionen

Die Stiftung Deutsches Fußballmuseum hat zwei Gesellschafter: die Stadt und den Deutschen Fußballbund (DFB). Der Verlust wird laut Konsortialvertrag bis 500.000 Euro pro Jahr von beiden Gesellschaftern zu gleichen Teilen ausgeglichen. Alles, was an Verlusten darüberhinausgeht, zahlt die Stadt allein.

Kämmerer Stüdemann führte den Mitgliedern im Finanzausschuss mit einer „Denkübung“ drei Optionen vor Augen:

1. Die Verluste ausgleichen, entweder als Zuschuss oder als Verlustausgleich im Nachhinein, „eine politische Entscheidung“. Dabei müsse es laut Stüdemann nicht bei 900.000 Euro bleiben, sondern es könnten auch 1,1 Millionen Euro werden.

2. Das operative, sprich das gewöhnliche Geschäft, komplett stilllegen. Stüdemann: „Sie haben dann das leer stehende Haus und zahlen trotzdem weiter.“

3. Das Museum in die Insolvenz führen. „Das wäre das Teuerste“, so Stüdemann; denn die Stadt müsste auch noch Fördermittel in zweistelliger Millionenhöhe zurückzahlen. „Der Schaden wäre größer als die Betreibung.“

Für den Kämmerer ist klar: „Wir müssen einen Modus entwickeln, der eine erfolgreiche Weiterbetreibung des Museums ermöglicht.“

„Wir sind nicht verpflichtet, 900.000 Euro auszuzahlen“

Alle drei Optionen sind auch für die Politik keine Lösung. Der Rat wird voraussichtlich die 900.000 Euro jährlich als Rückstellung in den Haushalt einstellen, zumal der Kämmerer erklärt hat:. „Wir haben bisher nur Vorkehrungen getroffen. Wir sind nicht verpflichtet, 900.000 Euro auszuzahlen.“ Spätere Entscheidungen seien nicht gefährdet.

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Denn für die Finanzpolitiker ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Der Finanzausschuss will sich in seiner Februar-Sitzung ausführlich mit dem Thema befassen. Ein Antrag von Linken & Piraten zum Haushalt fand eine breite Mehrheit mit dem Auftrag an die Verwaltung, sich mit Nachdruck in Verhandlungen mit dem DFB dafür einzusetzen, dass die Verluste des Museums von DFB und Stadt zu gleichen Teilen auszugleichen sind.

Warten auf den Wirtschaftsplan

Grünen-Sprecher Ulrich Langhorst stellte noch mal klar, dass man das Museum zum Erfolg führen wolle, doch er betonte auch: „Wir wollen eine realistische Einschätzung unserer politischen Handlungsmöglichkeiten.“ Man wolle sich auf keinen Fall auf die 900.000 Euro jährlich bis zum St. Nimmerleinstag festlegen.

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Was das Minimum sei, das man in den Haushalt einstellen müsse, um die Bezirksregierung ruhigzustellen, wollte Langhorst wissen. Man sehe klarer, wenn es nach dem kürzlich vollzogenen Wechsel an der DFB-Spitze endlich einen Wirtschaftsplan für das Fußballmuseum gebe, antwortete Kämmerer Stüdemann.

Erst mit einem zwischen Stadt und DFB abgestimmten Wirtschaftsplan mit mittelfristiger Finanzplanung werde es eine Entscheidungsgrundlage geben.

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