Stalking-Opfer Uwe Kisker erlebt „furchtbaren Tag“

hzLandgericht fällt Urteil

Seit 30 Jahren wird der Dortmunder Moderator Uwe Kisker von einem Telefon-Stalker tyrannisiert. Das endgültige Urteil gegen seinen Belästiger lässt ihn nicht aufatmen.

Dortmund

, 04.12.2019, 12:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Ich fühle mich furchtbar“, sagte Uwe Kisker nach dem Abschluss des Verfahrens am Landgericht.

Kurz zuvor hatten sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft ihre Berufungen gegen die erstinstanzliche Entscheidung vom Sommer 2018 zurückgenommen. Damit ist die Verurteilung des Stalkers zu drei Monaten Haft auf Bewährung rechtskräftig. Kisker fühlte sich trotzdem wie ein Verlierer.

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Zum einen, weil er zwar als Zeuge geladen worden war, dann aber nicht vernommen werden musste. Zum anderen, weil er wieder einmal dem Mann in die Augen blicken musste, der ihm seit 30 Jahren das Leben zur Hölle macht.

Carl B. wohnt in Recklinghausen. Wie es heißt, hat er sich in grauer Vorzeit mal in die heutige Ehefrau Kiskers verknallt. Seitdem redet sich B. offenbar ein, er sei der einzig wahre Mann im Leben der Frau.

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Anrufe im Sekundentakt

Deshalb ruft er Uwe Kisker an. Immer und immer wieder. Manchmal im Sekundentakt, manchmal nachts, immer mit unterdrückter Nummer.

Als Moderator ist Uwe Kisker eine Frohnatur. Ein typischer Ruhrpottler, ein Kumpeltyp von der ganz besonders sympathischen Sorte. Doch wenn die Sprache auf seinen Stalkingfall kommt, verengen sich seine die Augen und er wird schmallippig und still.

„Mein Herz pocht, das kann ich gar nicht beschreiben“, sagte er am Mittwoch schon vor Beginn der Verhandlung. Und nachher ging es ihm auch nicht besser. Denn ständig stellt er sich dieselbe Frage: „Warum macht der Typ das?“

Kisker glaubt, dass Carl B. ihn nicht nur ärgern und verängstigen, sondern gezielt verletzen möchte. Und das habe er erneut geschafft, indem er diesen Berufungsprozess nötig machte. Wieder einmal konnte Uwe Kisker schlecht schlafen, und auch jetzt weiß er noch nicht, wie er die kommenden Tage überstehen soll. „Das braucht kein Mensch“, sagt der Moderator.

Neue Taten seit Mai?

Und es hört ja offenbar auch nicht auf. Seit Mai bekommt Kisker wieder anonyme Anrufe. Den letzten erst vor einigen Wochen. „Ich weiß genau, dass er es wieder ist“, sagte er am Mittwoch am Rande des Prozesses. „Die Taktung stimmt und auch, dass er meistens nur einmal klingeln lässt und sofort wieder auflegt.“

Aus diesem Grund hat Uwe Kisker nun erneut Strafanzeige gegen Carl B. erstattet. Ob daraus eine neue Anklage der Staatsanwaltschaft entstehen wird, steht aber natürlich noch nicht fest.

Klar ist nur: Sollte Carl B. in den kommenden vier Jahren noch einmal erwischt werden, droht ihm nicht nur eine neue Strafe, sondern auch der Widerruf der seit Mittwoch rechtskräftigen Bewährungsstrafe. „Ich kann nur hoffen, dass ihn das abhält“, sagte Uwe Kisker im Landgericht. „Ich glaube es aber nicht.“

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