Lehrer-Gewerkschaft geht von weiterem Unterrichtsausfall aus

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Laut Umfrage sind 15,3 Prozent der Lehrer in NRW vom Unterricht vor Ort befreit. Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe reicht nicht: Wer nicht vor der Klasse stehen möchte, braucht ein Attest.

Dortmund

, 11.08.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Kinder und Jugendliche drücken in Dortmund ab Mittwoch (12. August) wieder die Schulbank - wenn auch unter strengen Auflagen wie der generellen Maskenpflicht für alle Schüler ab der 5. Klasse. Aber nicht nur deshalb steht ein ungewöhnliches Schuljahr bevor, in dem trotz des Präsenzunterrichtes wohl so manche Stunde ausfallen dürfte.

Eine unbequeme Botschaft

Laut einer Umfrage des ZDF sind in Nordrhein-Westfalen zum Beginn des neuen Schuljahres 15,3 Prozent der Lehrkräfte vom Präsenzunterricht befreit. „In normalen Zeiten fehlen sechs bis sieben Prozent“, sagt Stefan Behlau,

NRW-Landesvorsitzender der Fachgewerkschaft „Verband Bildung und Erziehung“ (VBE) mit Sitz in Dortmund.

Und nicht zuletzt aufgrund dieser Zahlen geht Behlau schon vor dem Schulstart davon aus, dass auch in Dortmund nicht jede Stunde stattfinden kann: „Es ist eine unbequeme Botschaft; aber ja, wir erwarten, dass es trotz des möglichen Distanzunterrichts zu einem maßvollen Unterrichtsausfall kommen wird.“

Stefan Behlau, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung in NRW, blickt mit gemischten Gefühlen auf den Schulstart. Er sorgt sich nach wie vor über mögliche Neuinfektionen.

Stefan Behlau, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung in NRW, blickt mit gemischten Gefühlen auf den Schulstart. Er sorgt sich nach wie vor über mögliche Neuinfektionen. © Frauke Schumann

Um guten Gewissens vor die Schüler zu treten, können sich Lehrer seit dem 10. August alle 14 Tage kostenlos auf das Coronavirus testen lassen. Inwieweit seine Kolleginnen und Kollegen dieses Angebot in Anspruch nehmen werden, vermag der VBE-Vorsitzende noch nicht zu sagen, „aber dass es angeboten wird, ist ein gutes Signal.“

Ärztliches Attest ist vorgeschrieben

Lehrer, die den direkten Kontakt zu den Schülern vermeiden möchten, weil sie ihrer Meinung nach einer Risikogruppe angehören oder über 60 Jahre alt sind, benötigen indes ein ärztliches Attest. Diese Vorschrift gilt in Nordrhein-Westfalen zwar bereits seit dem 3. Juni, doch ein regulärer Betrieb fand in vielen Schulen vor den Sommerferien ohnehin nicht statt. Doch genau dieser Präsenzunterricht ist das Ziel des Schulministeriums - und zwar mit allen Lehrern, die kein plausibles Attest vorlegen können.

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Besagte Atteste sorgten bundesweit allerdings schon für viel Ärger: So wurden die ärztlichen Schreiben in Schleswig-Holstein von einer Betriebsärztin massenhaft nicht anerkannt. Derartige Fälle in NRW sind Stefan Behlau persönlich nicht bekannt, und auch in der Dortmunder Geschäftsstelle seien solche Vorgänge nicht eingegangen. „Aber sollte es tatsächlich mal ein zweifelhaftes Attest geben, muss eben eine betriebsärztliche Untersuchung festgelegt werden.“

Manche Lehrer haben große Angst

Dass es aber Lehrer gibt, denen der Schulstart aus gesundheitlicher Sicht Sorgen bereitet, weiß Behlau nur zu gut: „Wir haben Kolleginnen und Kollegen mit großen Ängsten, andere hingegen sind frohen Mutes, dass es wieder losgeht. Ich denke, diesbezüglich sind die Lehrkräfte ein Spiegelbild der Gesellschaft.“

Sorge vor möglichen Neuinfektionen

Insgesamt blickt der VBE-Vorsitzende mit gemischten Gefühlen auf den Schulbeginn: „Natürlich sorgt man sich wegen möglicher Infektionen. Fälle wie in Mecklenburg-Vorpommern sind nicht von der Hand zu weisen.“ Dort waren zwei Schulen nur wenige Tage nach dem Neustart aufgrund von Corona-Fällen wieder geschlossen worden.

Sicher ist sich Behlau, dass das Lernen auf Distanz Schüler wie Lehrer noch eine ganze Zeit begleiten wird - auch in den Zeiten nach Corona. Zumal gerade das digitale Equipment zuletzt einen enormen Schub erhalten habe: „Unter der Lupe wurden Schwachstellen wie die Ausstattung vieler Schulen, zu große Lerngruppen oder der Zustand zahlreicher Gebäude sichtbar. Die Weichen zu einer Besserung sind gestellt.“

Die Schule ist ein sozialer Raum

Ersetzen könne die digitale Technik die Präsenz vor Ort auf Dauer jedoch nicht: „Die Schule ist schließlich ein sozialer Raum. Und eines steht außer Frage: Die Lehrkräfte wollen unterrichten.“

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