Beim Lichterfest ist in der Organisation und Kommunikation vieles schief gelaufen. Es hagelt Kritik. Die ist berechtigt. Aber Irgendwann sollte auch Schluss sein, findet unser Autor.

Dortmund

, 08.09.2019, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Stadt Dortmund hat einige Tage gebraucht, um nach einer Antwort auf die vielen Fragen empörter Gäste des Lichterfestes zu suchen. Wegen Gewitters hieß es, das Fest werde abgebrochen. Viele folgten der Aufforderung, den Park zu verlassen. Jedoch ging das Fest nach einer Unterbrechung weiter. Mit Freikarten für das Winterleuchten Anfang Dezember glaubt die Eigentümerin des Westfalenparks, eine Lösung gefunden zu haben.

Vielen reicht das nicht. Es gibt eine Facebook-Gruppe mit „Geschädigten“, die nicht nur 6 Euro (das ist der Eintrittspreis zum Winterleuchten), sondern die vollen 12,50 Euro ersetzt haben wollen. Denen es nicht passt, dass die Ersatzveranstaltung im Winter stattfindet. Die sich „verarscht“ fühlen und eine „Sammelklage“ anstrengen.

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Sammelklagen und Petitionen sind übertrieben

Es gibt zum Thema Lichterfest Online-Petitionen. Jenes Internet-Instrument, das andere nutzen, um auf Menschenrechtsverstöße oder Ungerechtigkeiten hinzuweisen, wird zum Ventil für den Ärger über ein entgangenes Feuerwerk und ein DJ-Set.

Man brauch nicht alles zu schlucken, was einem gereicht wird. Aber das ist übertrieben. Wer eine Open-Air-Veranstaltung besucht, der muss das Risiko einer wetterbedingten Absage mit einkalkulieren. Und darf sich natürlich aufregen, wenn es dann trotzdem weitergeht. Aber er sollte bitte nicht so tun, als sei er vom Veranstalter persönlich bestohlen worden.

Dabei ist eines zu beachten: Das Lichterfest bringt traditionell Menschen aus allen Schichten im Westfalenpark zusammen. Für viele Dortmunder sind 12,50 Euro Eintritt pro Person viel Geld. Das erklärt die große Aufregung.

Der Vergleich des Oberbürgermeisters mit dem BVB-Bus-Anschlag ist unangemessen

In Aufarbeitung bei der Stadt Dortmund fehlt die Selbstkritik. Im Gegenteil: Mit großen Worten versuchte Oberbürgermeister Ullrich Sierau zuletzt, die Sache kleinzureden.

Sierau sprach von einer „Abwägung für Leib und Seele“ und zog für die Situation einen Vergleich zum Anschlag auf den BVB-Mannschaftsbus im April 2017 heran, er zitierte Jürgen Klopp. Ein reichlich unangemessener Vergleich zwischen versuchtem Mord und einer halben Stunde Starkregen.

Zur Erinnerung: Die meisten Besucher hätten einen Abbruch wegen des Wetters akzeptiert. Schließlich haben die meisten den Park verlassen. Der Ärger richtete sich gegen die Entscheidung, die Veranstaltung dann weiterlaufen zu lassen.

Der Westfalenpark muss seine Abläufe überprüfen

Der Park, der für sich selbst den Anspruch hat, der herausragende Ort für Open-Air-Großveranstaltungen und andere Vorzeige-Events in Dortmund zu sein, muss mit einer solchen Situation besser umgehen. Tagelanges Hin und Her ist sicher kein guter Wetter-Schutz im Shitstorm.

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Am Ende steht die Frage: Wohin steuert der Westfalenpark nach 60 Jahren? Der Park lebt von seinem guten Ruf. Und er ist nach wie vor einer der beliebtesten Freizeitorte der Dortmunder.

Aber es gibt viele Baustellen. Tatsächliche, wie Sonnensegel und Teehaus, wo es zumindest aktuell Fortschritte gibt. Und konzeptionelle, wie die unklare Zukunft der beliebten Gastronomie. Zuletzt hatten die Betreiber des Daddy Blatzheim und des Schürmanns einen Rückzug für Ende 2020 angekündigt. Die Stadt Dortmund eröffnet ein neues Bieterverfahren, zu dem auch ein Konzept für das seit Jahren verwaiste Restaurant im Florianturm gehört. Findet sich kein geeigneter Bieter, stünde der Park vor einem Problem.

Was bleibt nach dieser diskussionsreichen Woche? Die Organisation der nächsten Großveranstaltungen im Westfalenpark wird unter besonderer Beobachtung stehen. Schließlich gab es neben der Geld-zurück-Fraktion auch viele Menschen, die Kritik an der Evakuierungsdurchsage, am Sicherheitspersonal und den Fluchtwegen geübt haben. Diese Kritik muss ernst genommen werden.

Warum sind 15.000 Menschen trotz der Warnung im Park geblieben?

Vielleicht sollte der Ärger aber auch Anlass für jeden Open-Air-Besucher sein, über sein eigenes Verhalten im Ernstfall nachzudenken. Unabhängig davon, wie die Bedrohungslage wirklich war.

Wenn 15.000 Besucher eine Sicherheitsdurchsage ignorieren, spricht das nicht für ein großes Bewusstsein der eigenen Sicherheit. Dabei hat jede Massenveranstaltung diesen Widerspruch in sich, dass sich die Ekstase innerhalb kurzer Zeit in eine Bedrohung verwandeln kann. Die Toten der Duisburger Loveparade oder die Verletzten vom Essener Baldeneysee sind dramatische Beispiele dafür, was passiert, wenn man das nicht ernst nimmt.

Ein positives Beispiel für den Umgang mit höherer Gewalt hat ausgerechnet eine Veranstaltung im Westfalenpark vor einigen Jahren geliefert. Als für den zweiten Tag des Juicy-Beats-Festivals 2015 eine Sturmwarnung ausgesprochen wurde, fiel schnell eine klare Entscheidung zur Absage. Dabei blieb es damals auch, obwohl der Wind am Ende des Tages gefühlt durchaus Konzerte zugelassen hätte.

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