Wichtige Straße in der Dortmunder Innenstadt bekommt Tempo-20-Zone

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Jahrelange Proteste zeigen Wirkung: Anwohner des Kreuzviertels fordern eine Veränderung der Verkehrssituation. OB-Sierau stimmte jetzt mehreren Maßnahmen zu – zumindest vorübergehend.

Dortmund

, 10.09.2020, 15:07 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit mehreren Jahren machen schwer beladene Lkw den Anwohnern im Dortmunder Kreuzviertel zu schaffen. Die Brücke an der Langen Straße wurde wegen Zweifeln an ihrer Tragfähigkeit im Dezember 2017 für Lkw mit mehr als 16 Tonnen gesperrt – der Schwerlastverkehr wird dadurch umgeleitet durch das Kreuzviertel.

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Eine Situation, die die dortigen Anwohner nicht länger ertragen wollten und die sie in einem Gespräch Oberbürgermeister Sierau nun darlegen konnten.


Maßnahmenkatalog nach Unterschriftenaktion

278 unterschriebene Solidaritätserklärungen überreichten die Anwohnerinitiative dem Dortmunder Oberbürgermeister bei einem Ortstermin zusammen mit Fotos, die die derzeitige Situation veranschaulichen.

Sierau zeigte sich nach dem Gespräch verständnisvoll für die Anliegen der Anwohner: „Wir können das nachvollziehen“, sagte er und kündigte an, nun auch entsprechend zu handeln:

  • Da „die Straßenverkehrssicherung gefährdet ist“, sei es möglich, kurzfristig ein temporäres Tempolimit von 20 km/h für die Kreuzstraße und die Kuithanstraße anzuordnen. Und das werde er auch tun, sagte Sierau. Der OB und die Bürgerinitiative, die für die Maßnahmen gekämpft hatte, sehen in dem Beschluss die einzige Möglichkeit, um für „weniger Schadstoffe, weniger Lärm und weniger Erschütterungen“ zu sorgen.
  • Des Weiteren soll die Sicherheit insbesondere von Fahrradfahrern verbessert werden, indem ein temporärer, gesonderter Fahrweg für Radfahrer in engen Straßensituationen markiert wird. Trotzdem würde der OB „persönlich davon abraten“, dort mit dem Fahrrad zu fahren.

  • Eine weitere gute Nachricht für die Anwohner: Es soll Flüsterasphalt in der zum Teil stark beschädigten Kreuz- und Kuithanstraße verlegt werden.
    Rolf Jägel, Jutta Falke, Oberbürgermeister Sierau und Olaf Greve (v.l.) bei der Unterschriften-Übergabe im Rathaus

    Rolf Jägel, Jutta Falke, Oberbürgermeister Sierau und Olaf Greve (v.l.) bei der Unterschriften-Übergabe im Rathaus © Beat Linde

Wann diese Maßnahmen in Kraft treten, konnte die Stadt auf Nachfrage noch nicht genauer präzisieren, entsprechende Prozesse würden aber eingeleitet werden.


Das Hauptproblem bleibt bestehen

Mit den Maßnahmen folgt Sierau in weiten Teilen den Forderungen der Initiative. Allerdings bleibt das Hauptproblem, die gesperrte Brücke, weiter bestehen. Hier hatten die Vertreter der Anwohner - Jutta Falk, Rolf Jägel, Olaf Greve und Joachim Scheiner - gehofft, die Brücke werde für Leerfahrten von Lkw bis 18 Tonnen geöffnet.

Die Hoffnung hinter dem Vorschlag war, die leichteren Lkw aus den dicht bewohnten Straßen des Kreuzviertels zu verbannen, denn die leeren Laster „rappeln deutlich lauter“ als die vollen, wie Greve sagte.

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Ohnehin scheint der schleichende Prozess bezüglich der Brückensperrung bei den Anwohnern Spuren zu hinterlassen. Jutta Falke zeigte sich „demoralisiert“, sie hätte sich hinsichtlich der Sperrung mehr von dem Gespräch erhofft.

Das Warten geht nämlich erst einmal weiter. Bis voraussichtlich Ende Oktober soll ein Gutachten fertiggestellt werden, das das weitere Verfahren dann klären soll. Bis dahin werden auch die angekündigten Maßnahmen mindestens gelten.

Verschiedene Interessen stehen sich im Weg

Sierau erklärte bezüglich der Brücke, „man kann das Unmögliche nicht möglich machen“. Erst nach dem Gutachten könne die Situation neu bewertet werden. Insgesamt wünsche er sich auch ein „bisschen Pragmatismus“ und erklärte, dass unterschiedliche Interessen zu berücksichtigen seien.

So sei beispielsweise ein Teil des Schwerlastverkehrs von Thyssen-Krupp nötig, um den Ausbau erneuerbarer Energien, insbesondere der Windkraft, voranzutreiben. Man müsse also immer unterschiedliche Standpunkte abwägen.

Insgesamt zeigten sich die Vertreter der Bürgerinitiative aber erfreut. Olaf Greve sagte nach der Übergabe der Unterschriften: „Es war ein kooperatives Gespräch“ – sie hätten in all der Zeit mit der Bezirksregierung „nie so viel erreicht wie heute“.

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