Lüner Entsorger Remondis drängt in den Dortmunder Energiemarkt

hz"Westfälische Energie und Wasser"

Der Lüner Entsorger Remondis sorgt in Dortmund für Irritationen: Remondis wirbt für den Aufbau eines neuen Energie- und Wasserversorgers mit Sitz in Dortmund. Doch der Vorschlag hat Haken.

Dortmund

, 21.08.2019, 17:08 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit Lobbyarbeit kennt sich Remondis bestens aus: Der zur Lüner Rethmann-Gruppe gehörende, weltweit tätige Entsorger sucht bei den Dortmunder Stadtwerken (DSW21) und in der Lokalpolitik nach Verbündeten für den Aufbau eines neuen Energie- und Wasserversorgers, der das Ruhrgebiet, Sauerland und Münsterland versorgt.

Das Papier, das Remondis in Dortmund kursieren lässt, sieht die Gründung einer „Westfälischen Energie und Wasser“ (WEW) vor, die stark an die frühere VEW (Vereinigte Elektrizitätswerke Westfalen) erinnert. Die WEW könne „einer der führenden Player in der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft“ werden.

Politik und Stadtwerke winken ab

Als Gesellschafter des Unternehmens, für das Remondis einen Jahresumsatz von bis zu 10 Milliarden Euro in Aussicht stellt, sind DSW21 und die „Remondis Wasser & Energie“ vorgesehen. Die Erfolgsaussichten sind aber schlecht. Sowohl DSW21 als auch die Spitzen der Ratsfraktionen winken ab.

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Grund: Remondis schlägt vor, die Stadtwerke mögen ihre kommunalen Energie-Töchter Steag, DEW und Gelsenwasser als Mitgift in die Gesellschaft einbringen. Remondis selbst, so das Papier, steuert lediglich seine Anteile am Hagener Versorger Enervie und den Stadtwerken Selm bei. „Keine Chance“, heißt es bei DSW21. Eine private Beteiligung an den kommunalen Betrieben sei mit der SPD nicht zu machen, winkt SPD-Fraktionschef Norbert Schilff ab. „Eine politische Mehrheit ist dafür nicht zu erkennen“, sagt auch CDU-Fraktionschef Ullrich Monegel.

Steag als Türöffner zu Kommunal-Unternehmen?

Die Bedenken haben eine lange Tradition: Die Politik sieht in dem Modell einen erneuten Vorstoß von Remondis, den Fuß in die Tür zu Dortmunds kommunalen Betrieben zu bekommen. Die eigentliche Eintrittskarte indes könnte ganz woanders liegen: Remondis, so wird kolportiert, habe Interesse, sich auch beim Essener Energieversorger Steag einzukaufen.

Der Lüner Entsorger könnte Anteile jener fünf Kommunen übernehmen, die sich im Gegensatz zu DSW21 aus Steag verabschieden wollen. Ein Gedanke, der bei DSW21 durchaus Gefallen findet: Der finanzstarke Entsorger Remondis neben DSW21 als neuer Miteigentümer von Steag – eine Lösung, der sich DSW21 wohl nicht verschließen würde.

Das Problem dabei: Remondis lässt durchblicken, dass man für eine Beteiligung an Steag einen Preis haben möchte: den Einstieg bei den Dortmunder Kommunalunternehmen. Das zumindest ist die Erkenntnis der CDU-Fraktionsspitzen aus einem Gespräch mit Remondis Ende Juli: „Ja, wir hatten sehr wohl den Eindruck, dass da ein Junktim hergestellt wird“, heißt es. Schon gibt es erste Stimmen in der CDU-Fraktion, die fragen, ob es für DSW21 sinnvoll sei, angesichts einer solchen Gemengelage weiter an der 36 Prozent-Beteiligung bei Steag festzuhalten. Die Befürchtung: Mit Remondis komme ein Partner an Bord, der ungleich mehr Finanzkraft habe als DSW21. Bei Investitionsentscheidungen könne DSW21 nicht mithalten, heißt es.

Tatsächlich kann Remondis als Teil der Lüner Rethmann-Gruppe aus dem Vollen schöpfen: Der Familienbetrieb Remondis gilt offiziell als mittelständisches Unternehmen, hat sich aber längst zu einem „Global Player“ entwickelt. Mit rund 33.000 Mitarbeitern zählt Remondis zu einem der weltweit größten Unternehmen in der Wasser- und Abfallwirtschaft. Aufmerksam wird in Dortmund registriert, dass die gesamte Rethmann-Gruppe über ein nahezu märchenhaftes Eigenkapital jenseits von drei Milliarden Euro verfügt.

Remondis arbeitet sich in Steag-Bilanzen ein

Remondis hält sich auf Anfrage bedeckt. „Zu Marktgerüchten äußern wir uns grundsätzlich nicht“, ließ Sprecher Michael Schneider wissen. Gefragt, wie Remondis die Realisierungschancen für den Vorschlag zur Gründung einer „Westfälischen Energie und Wasser“ bewertet, hieß es, das könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Tatsächlich sind die Lüner über den Zustand von Steag bestens im Bilde: Remondis hat sämtliche Kennzahlen über Steag gesammelt, ausgewertet und eine Stärken-Schwächen-Analyse erstellt.

Das Interesse kommt nicht von ungefähr: Schon 2010, beim ersten Teilverkauf der Steag, hatten die Lüner mitgeboten und gingen leer aus. Den Zuschlag bekamen die kommunalen Bieter. Ähnlich lief es 2003 mit der Übernahme der Gelsenwasser AG: Die Stadtwerke Dortmund und Bochum machten den Deal – Remondis blieb zweiter Sieger. Die Kommunalen ließen die Sektkorken knallen: Der Versorger Gelsenwasser gilt als sichere Bank, die Jahr für Jahr zweistellige Millionengewinne schickt, mit denen DSW21 unter anderem die Verluste aus dem Verkehrsgeschäft ausgleicht.

Sorge in der Lokalpolitik

Die Befürchtung der Lokalpolitik, Remondis könne ein Engagement bei Steag als Schlüssel für den Einstieg bei DEW, Gelsenwasser und später auch für die Entsorgung Dortmund (EDG) nutzen, ist nicht unbegründet. Diese Überlegung hatte die Rethmann-Gruppe bereits 2010 veranlasst, für Steag mitzubieten. Das geht aus einem Papier für die damalige Aufsichtsratssitzung hervor. Darin heißt es klipp und klar: Einer der Gründe für den Einstieg von Rethmann sei der „Anknüpfungspunkt (...) im Bereich Geschäfte und Kooperationen mit Stadtwerken."

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