Wird 2020 besser als 2019? Gehen geplatzte Projekte endlich an den Start? Müssen Anlieger wirklich eine Million Euro für den Straßenumbau zahlen? Unser Zukunftscheck für Lütgendortmund.

Lütgendortmund

, 25.12.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Keine Frage, das Jahr 2019 hielt für den Stadtbezirk gute Nachrichten bereit. Zu den Gewinnern zählen zweifelsohne die Lütgendortmunder Einzelhändler. Denn es haben sich gleich zwei Investoren gefunden, die in der wichtigsten Einkaufsstraße des Stadtteils schädlichen Leerstand beseitigen werden.

Das ehemalige Kaufhaus Konze wird zur Galerie Konze Dortmund, einem großen multifunktionalen Geschäftshaus, und mehrere, zum größten Teil leer stehende Immobilien machen Platz für Seniorenwohnungen mit Ladenlokalen im Erdgeschoss.

Lütgendortmund: Albtraum Anliegerkosten – diese Bürger wollen nicht vergessen werden

Nach dem Abriss werden hier Seniorenwohnungen und Ladenlokale gebaut. © (A) Beate Dönnewald

Beide Projekte sollen 2020 beginnen und werden für eine deutliche Belebung des Ortskerns sorgen. Vielleicht schafft es der Stadtteil dann ja doch noch, sich aus dem Würgegriff von Indupark und Ruhrpark zu befreien. „Auch der Wochenmarkt wird davon profitieren“, freut sich Bezirksbürgermeister Heiko Brankamp.

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Stolz kann der Stadtbezirk Lütgendortmund auf sein bürgerliches Engagement sein, und zwar in jedem Stadtteil. Ob Gemeinden, Vereine, Institutionen, Schulen – Ehrenamtler und Freiwillige waren 2019 wieder unermüdlich im Einsatz. Sie erfreuten die Bürger mit Sommerfesten, Kirmestreiben oder Weihnachtsmärkten, sie beeindruckten mit sozialen Projekten und Nächstenliebe.

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Doch leider lief 2019 nicht alles rund im Stadtbezirk Lütgendortmund. Wichtige Projekte hat die Stadt nicht umgesetzt, sondern immer wieder verschoben und schließlich fürs nächste Jahr in Aussicht gestellt. Projekte, die lange beschlossen sind, auf die die Bürger im Stadtbezirk sehnsüchtig warten.

Provinzialstraße soll ab Sommer 2020 umgebaut werden

Ab Sommer 2020 soll in zwei Abschnitten endlich der dritte Teil der Provinzialstraße in Lütgendortmund, von der Kaubomstraße bis zur Stadtgrenze Bochum, umgebaut werden. Angesichts der massiven Straßenschäden und vielen Schlaglöcher ist die Ungeduld der Anwohner mehr als verständlich.

Doch zu den guten Nachrichten gesellen sich auch schockierende. Denn die Anlieger sollen über das Kommunale Abgabengesetz (KAG) mit fast einer Million Euro zur Kasse gebeten werden.

Die Schäden auf der viel befahrenen Straße hat vor allem der ständige Lkw-Verkehr verursacht. Zusätzlich ungerecht: Anlieger „nebenan“ mussten für die vorherigen Umbauten inklusive Rad- und Gehwege sowie Parkbuchten nichts beziehungsweise deutlich geringere Beiträge zahlen.

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„Die Vorgehensweise wird Leben kosten, das scheint mir sicher“, sagt Thomas Otto, Sohn eines betroffenen Ehepaars. Bezirksbürgermeister Heiko Brankamp versteht die Sorgen der Anlieger und ihre großen Existenzängste. Mit einer Flyeraktion machte die örtliche SPD im November 2019 auf die Problematik aufmerksam.

Anliegerbeiträge – Politik muss hartnäckig am Thema dranbleiben

Bleibt zu hoffen, dass die Politik hartnäckig am Thema dranbleibt und den Menschen wirklich helfen wird. Thomas Ottos Appell ist eindringlich: „Man kann sicherlich nicht von einem Kommunalabgabengesetz eine ethisch-moralische Lösung erwarten, aber von Euch Menschen, die ihr Politik macht und Verwaltung für das Gemeinwohl verantwortet.“

Ebenfalls für Sommer 2020 stellt die Verwaltung die Entschärfung der gefährlichen Kreuzung an der Ausfahrt der A40 in Lütgendortmund in Aussicht: Es sollen eine Ampelanlage installiert und zusätzliche Abbiegespuren eingerichtet werden. Die Arbeiten werden bis Anfang 2021 dauern.

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In den Augen vieler Bürger handelt die Stadt an diesem unfallträchtigen Kreuzungsbereich viel zu spät. Man werde genaustens darauf achten, dass der Zeitplan diesmal eingehalten wird, verspricht Heiko Brankamp.

Sperrung der Kesselborn-Brücke nervt die Anwohner

Frustriert sind auch die Bürger in Marten. Seit 2013 ist die Brücke über dem Schmechtingsbach an der Straße Kesselborn für Lkw über 16 Tonnen gesperrt und damit die direkte Verbindung zur B1-Auffahrt. Die Konsequenz: Die Schwerlaster müssen sich Umwege suchen und sorgen deshalb auf der Schulte-Heuthaus-Straße, auf dem Bärenbruch oder der Germaniastraße für zusätzliche Verkehrsbelastungen.

Lütgendortmund: Albtraum Anliegerkosten – diese Bürger wollen nicht vergessen werden

Seit 2013 ist die Brücke über den Schmechtingsbach an der Straße Kesselborn für Lkw über 16 Tonnen gesperrt. Im ersten Quartal 2020 soll sie endlich fit gemacht werden für den Schwerlastverkehr. © (A) Matthias vom Büchel

„Der Lkw-Verkehr im Martener Dorf ist unhaltbar“, sagt Heiko Brankamp. Eigentlich sollte die Brücke schon im letzten Quartal 2019 für den Schwerlastverkehr fit gemacht werden. „Wenn wir Glück haben, wird im ersten Quartal 2020 mit den Arbeiten begonnen“, so Brankamp. Er sei froh, dass auf Druck der Bezirksvertretung die Fahrbahnsanierung der Schulte-Heuthaus-Straße vorgezogen worden sei, um so den Lkw-Lärm zu reduzieren.

Jüngstes Sorgenkind im Stadtbezirk ist der Schulhof der Freiligrath-Grundschule in Bövinghausen. Über nächtliche Ruhestörung und Hinterlassenschaften wie Glasscherben und Essensreste, die Ratten anlocken würden, beschwerte sich ein Anwohner im Dezember während der Einwohnerfragestunde der Bezirksvertretung. Laut Facebook-Kommentaren soll das Problem seit Jahren bekannt sein, einige Anwohner seien deshalb bereits weggezogen.

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Schließung des Schultors könnten Studenten übernehmen

Die Lösung des Problems ist eigentlich gar nicht schwer. Nachts müsste einfach nur das Schultor geschlossen werden. An den Wochentagen könnten das Mitarbeiter des benachbarten Jugendtreffs übernehmen, für das Wochenende gibt es bislang keine Idee. So schwierig dürfte das doch nicht sein: Mini-Jobber oder Studenten lassen sich im neuen Jahr für diese Aufgabe sicherlich finden – und bezahlbar ist das ganze auch.

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Das Foto zeigt einen Teil der Talaue im Ölbachtal, die total zugewachsen und verbuscht sind. © Felix Ostermann

2020 will man sich zudem verstärkt um die Aufwertung des Naturschutzgebiets Ölbachtal kümmern, so Heiko Brankamp. Vogelkundler Felix Ostermann hatte kürzlich auf die besorgniserregenden Zustände wie ausgetrocknete Feuchtwiesen, Tümpel und Teiche sowie zugewucherte Talaue und Wanderwege hingewiesen.

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