Lütgendortmund hat die wenigsten Corona-Fälle: „Bloß nicht leichtsinnig werden“

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Der Stadtbezirk Lütgendortmund hat sich ans Ende der stadtweiten Corona-Rangliste vorgearbeitet. Hier sind die Infizierten-Zahlen aktuell am niedrigsten. Bekannte Bürger äußern sich dazu.

Lütgendortmund

, 22.10.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wer auf einem letzten Platz landet, ist in der Regel nicht glücklich damit. Anders verhält es sich, wenn es sich um die „Corona-Rangliste“ handelt. In diesem Fall sind die Letzten nämlich die Besten. Soll heißen: Der Stadtbezirk, der sich am unteren Ende der Tabelle wiederfindet, hat stadtweit die wenigsten Corona-Infizierten.

Diesen „Titel“ hat sich nun der Stadtbezirk Lütgendortmund geholt. Zwischen dem 15. September und 14. Oktober 2020 gab es hier 29 neue Corona-Fälle, weniger hatte keiner der anderen elf Stadtbezirke. Zum Vergleich: Die Innenstadt-Nord als Spitzenreiter hat im selben Zeitraum einen Zuwachs von 136 Fällen.

„Wir halten uns hier einfach an die Regeln“

Einmal monatlich veröffentlicht die Stadt die Entwicklung der Corona-Zahlen auf Stadtbezirks-Ebene. Im Zeitraum vom 15. August bis 14. September konnte Lütgendortmund sogar mit einer „17“ glänzen.

Entsprechend hat dieser Stadtbezirk im Dortmunder Westen, anders als sein direkter Nachbar, der Stadtbezirk Huckarde, auch bei der Gesamt-Inzidenz „die Nase hinten“. Beim Zuwachs der Infizierten-Zahlen pro 100.000 Einwohner liegt der Wert in Lütgendortmund in diesem Zeitraum (15.9.-14.10.) bei 59,9, in Huckarde bei 142,9 (Rang 3) und in der Nordstadt bei 228,2 (Rang 1).

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Für Reinhard Sack, Chef der Interessengemeinschaft Lütgendortmunder Vereine und Verbände, kommt die Entwicklung nicht überraschend. „Wir halten uns hier einfach an die Regeln und haben viele Aktivitäten zurückgefahren“, sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion.

Die Chöre hätten beispielsweise ihre Proben eingestellt, überhaupt ruhe das Leben im Kulturhaus, wo sich sonst die Vereine treffen. Damit die Zahlen auch weiterhin so niedrig bleiben, habe man zudem große Veranstaltungen wie Dellwig im Advent und den Martinsmarkt abgesagt.

Vereinschef Reinhard Sack freut sich über die gute Corona-Entwicklung im Stadtbezirk Lügendortmund.

Vereinschef Reinhard Sack freut sich über die gute Corona-Entwicklung im Stadtbezirk Lügendortmund und hat sie auch erwartet. © Uwe von Schirp (Archiv)

Ein großes Lob spricht Sack den örtlichen Gaststätten aus. „Die nehmen die Vorschriften sehr ernst und setzen sie mit großer Sorgfalt um.“

„Sonderrechte haben wir deshalb nicht“

Die guten Zahlen erfreuen den IGLVV-Chef. „Sonderrechte haben wir deshalb gegenüber den anderen Stadtbezirken aber keine“, betont Sack. Vor allem dürfe man angesichts der niedrigen Fallzahlen nicht leichtsinnig werden, appelliert er.

Derselben Meinung ist der Lütgendortmunder Bezirksbürgermeister Heiko Brankamp. „Natürlich freuen wir uns über die guten Werte in unserem Stadtbezirk und wir hoffen, dass sie bleiben.“ Maske tragen, ausreichend Abstand halten und strenge Hygienemaßnahmen seien aber weiterhin wichtig.

Bezirksbürgermeister Heiko Brankamp  hofft, dass die die niedrigen Corona-Zahlen im Stadtbezirk Lütgendortmund bleiben werden.

Bezirksbürgermeister Heiko Brankamp hofft, dass die die niedrigen Corona-Zahlen im Stadtbezirk Lütgendortmund bleiben werden. © vom Büchel (Archiv)

„Leichtsinnige Leute beobachte ich leider auch bei uns noch genug. Die in Supermärkten nicht die Abstände einhalten und sich zwischen die Wartenden an der Kasse drängeln zum Beispiel.“ Eine Erklärung, warum Lütgendortmund bei den Infektionszahlen gerade so gut dasteht, habe er deshalb nicht. „Wahrscheinlich ist es Zufall.“

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Er bleibe auch weiterhin vorsichtig, so Brankamp. Die kommunalpolitische Arbeit laufe in der kalten Jahreszeit vorwiegend über Videokonferenzen, um möglichen Ansteckungen aus dem Weg zu gehen. „Meine Frau und ich haben jetzt zwei Urlaube abgesagt, wir nehmen das Thema sehr ernst.“

„Selbst kleinste Feiern sind gerade nicht angesagt“

Der bekannte Einzelhändler Wilhelm Mohrenstecher hat wegen der Corona-Krise auf seine Geburtstagsfeier verzichtet. „Natürlich hätte ich gerne meinen Enkel gesehen, aber selbst kleinste Feiern sind gerade nicht angesagt.“

Einzelhändler Wilhelm Mohrenstecher hält es für sehr wichtig, sich auch weiterhin streng an die Corona-Regeln zu halten. Dieses Bild entstand vor Ausbruch der Pandemie.

Einzelhändler Wilhelm Mohrenstecher hält es für sehr wichtig, sich auch weiterhin streng an die Corona-Regeln zu halten. Dieses Bild entstand vor Ausbruch der Pandemie. © (A) Beate Dönnewald

Der Stadtbezirk Lütgendortmund sei schließlich nicht coronafrei, wegen der guten Zahlen werde er die Vorsichtsmaßnahmen keinesfalls außer Acht lassen, so Mohrenstecher. In seinem Geschäft trage er auch weiterhin ganztägig eine Atemschutz-Maske.

Warum Lütgendortmund weniger Infizierte hat als der Stadtbezirk Huckarde, dafür habe er keine Erklärung, so Mohrenstecher. „Die sind doch dasselbe Völkchen wie wir hier.“

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