Mädchen aus ganz Dortmund finden Zuflucht in der Nordstadt - neue Schutzstelle eröffnet

hzMädchenschutzstelle

Eine neue Schutzstelle nur für Mädchen ist eröffnet worden. Sie ist gedacht für Jugendliche aus der ganzen Stadt. Wir haben uns umgesehen und klären, warum die Nordstadt der ideale Ort ist.

Dortmund

, 28.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Sieben Schlafplätze für Jugendliche in schwierigen Situationen reichen in Dortmund nicht aus - deshalb hat der SkF nun eine zweite Schutzstelle eröffnet. Die richtet sich ausschließlich an Mädchen.

Missbrauch, Gewalt, familiäre Spannungen, pubertäre Krisen - es gibt viele Gründe für junge Menschen, um sich in die Obhut einer Schutzstelle zu begeben. Dort sollen sie zur Ruhe kommen, bis es eine feste Lösung für sie gibt. Da Mädchen zu einem Drittel häufiger betroffen sind als Jungs, wurde eine Schutzstelle extra für sie eröffnet. Die steht in der Nordstadt - ein idealer Ort, findet der Geschäftsführer Alwin Buddenkotte.

Mädchen aus ganz Dortmund finden Zuflucht in der Nordstadt - neue Schutzstelle eröffnet

Der Vorstand freut sich auf die Eröffnung des Mädchenschutzhauses am 1. Juli. © Sylva Witzig

„Uns war es wichtig, ein Gebäude zu finden, das eine gute Nahverkehrsanbindung hat. Die Mädchen gehen zum Teil weiter entfernt zur Schule. Sie sollen nicht aus ihrer Umgebung gerissen werden, sondern all das machen, was ihnen Spaß macht.“ Freizeitaktivitäten werden den Jugendlichen finanziert.

Keine Auffangstelle für Missbrauchsopfer

Bis zu 21 Tage bleiben die jungen Frauen in der Inobhutnahmestelle. Spätestens dann entscheidet sich, ob die Mädchen wieder in ihre Familien zurückkehren können oder längerfristig vom Jugendamt betreut werden sollen. Dabei haben die Mädchen ganz verschiedene Probleme.

Mädchen aus ganz Dortmund finden Zuflucht in der Nordstadt - neue Schutzstelle eröffnet

Nicole Wolf (Vorstand): „Der Segen Gottes steht über diesem Haus.“ © Sylva Witzig

„Wir sind keine explizite Anlaufstelle für Missbrauchsopfer“, betont der Geschäftsführer. Manchmal melden sich die Jugendlichen selbst bei der Schutzstelle, manche werden von der Polizei gebracht und manche werden direkt vom Jugendamt zugewiesen. Bereits seit 1998 führt die kirchliche Organisation SkF eine Schutzstelle für alle Geschlechter in der Münsterstraße. In Dortmund gibt es noch eine weitere Schutzstelle und eine Kinderschutzstelle.

In der neuen Mädchenschutzstelle werden ab dem 1. Juli sieben Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren untergebracht. Rund um die Uhr sind sieben Mitarbeiter vor Ort. „Die Krise kennt keine Uhrzeit“, so Buddenkotte. Für den Nachtdienst gibt es im Büro ein Klappbett. Die Mädchen sollen immer einen Ansprechpartner haben, wenn der Schuh drückt.

Mädchen aus ganz Dortmund finden Zuflucht in der Nordstadt - neue Schutzstelle eröffnet

Die Mädchen bekommen in der Schutzstelle ein eigenes Zimmer - mit Türknauf. So können sie selber entscheiden, wen sie reinlassen. © Sylva Witzig

Dabei handelt es sich um pädagogisches, nicht psychologisches Personal. „Es hat in meinen 1,5 Jahren in der Münsterstraße zum Glück nur zwei Fälle gegeben, in denen wir Kinder an die Psychiatrie verweisen mussten“, so die Leiterin Maria Daniel. Sie kümmert sich nun auch um die neue Mädchenschutzstelle.

Es war ein langer Weg, bis ein guter Ort für die Unterkunft gefunden wurde. „Baulich mussten wir vor allem auf Fluchtwege und Brandschutz achten. Auch die Fenster durften nicht zu tief angebracht sein. Allerdings werden die Fenster nur abgeschlossen, wenn akute Suizidgefahr besteht“, so Daniel.

Privatsphäre für die Mädchen

Wer das Zimmer betreten darf, entscheiden die Mädchen selbst. Alle Schlafzimmer haben einen Türknauf von außen. Drei Mädchen teilen sich ein Bad. „Um das Badezimmer streiten die Mädchen eigentlich nie“, schmunzelt Daniel. „Die Mädchen haben alle Schminkspiegel in ihren Zimmern und machen sich dort hübsch.“ Und selbst wenn es Streit unter ihnen gebe, dann sei der ganz schnell wieder vergessen.

Nach durchschnittlich acht Tagen verlassen die Jugendlichen die Schutzstelle wieder. „Wir kontrollieren nicht, wie es den Jugendlichen später geht. Viele besuchen uns aber oder empfehlen uns an andere Jugendliche, die ähnliche Probleme haben. Mir fällt es nicht schwer, die Jugendlichen gehen zu lassen. Wir freuen uns über jede, die wieder ausziehen kann, denn dann hat sich ihre Situation ja gebessert“, erzählt Daniel.

Mädchen aus ganz Dortmund finden Zuflucht in der Nordstadt - neue Schutzstelle eröffnet

Der SkF betreibt bereits eine Schutzstelle für alle Geschlechter in der Münsterstraße. © Sylva Witzig

Das Personal besteht auch hauptsächlich aus Frauen. Eine der Sozialarbeiterinnen freut sich schon sehr auf ihren neuen Job in der Mädchenschutzstelle: „Die Arbeit mit Mädchen macht mir besonders Spaß. Man kann sich viel vertrauter unterhalten, sich Geheimnisse erzählen und die Probleme der jungen Frauen richtig nachvollziehen.“ Trotzdem wünscht man natürlich keinem Mädchen, die Zuflucht einer Schutzstelle suchen zu müssen.

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