Im anhaltenden Lockdown hat Dirk Kunigk eine Entscheidung getroffen: er schließt nun sein Geschäft Man-Store an der Hansastraße für immer. Es läuft ein Schaufensterverkauf. © Oliver Schaper
City-Einzelhandel

Man-Store ist das nächste Corona-Opfer: „Muss die Reißleine ziehen“

Es geht nicht mehr: Dirk Kunigk wird sein Geschäft „Man-Store“ an der Hansastraße schließen. Nach 32 Jahren ist Schluss. Er spricht offen darüber, warum er den Lockdown nicht übersteht.

Der Man-Store an der Hansastraße 72 steht in Dortmund für exklusive Männerwäsche von Schuhen über Unterwäsche und Badehosen bis hin zu Hosen, T-Shirts und Pullis.

32 Jahre nach der Eröffnung seines Geschäfts am Bissenkamp, mit dem er danach innerhalb der City ein paar mal umzog, kündigt Inhaber Dirk Kunigk nun das Aus an: „Auch, wenn das Herz sagt, dass ich weitermachen sollte, sagt der Kopf nein. Ich muss die Reißleine ziehen. Jetzt kann ich es noch selbstbestimmt tun, bevor später Dritte darüber entscheiden.“

Ende März ist Schluss. Zuvor würde er gerne für einen Räumungsverkauf noch einmal öffnen. „Aber, es kann keiner sagen, ob und wie der Einzelhandel im März öffnen darf“, sagt Dirk Kunigk. Die von NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart im Live-Talk unserer Redaktion am Dienstagabend angedeutete Öffnungsperspektive kommt für ihn zu spät.

Man-Store-Chef: „Wir haben ein Warenproblem“

„Wir haben“, sagt der Geschäftsinhaber, „unsere Entscheidung getroffen, als der Lockdown Anfang Februar erneut verlängert wurde. Da haben wir gesagt: Wir sind nicht bereit, weiter Geld in den Laden rein zuschießen.“ Dirk Kunigk betreibt den Man-Store zusammen mit einem Geschäftspartner als Zwei-Mann-Betrieb.

Sind denn die Überbrückungshilfen des Staates keine Hilfe? „Nein“, sagt Dirk Kunigk, „wir könnten zwar jetzt Hilfen für Januar beantragen, aber die sind nur für die Abdeckung der Fixkosten gedacht. Die sind bei uns allerdings überschaubar. Wir haben kein Problem mit den Fixkosten, wir haben ein Warenproblem.“

Zuletzt war der Man-Store am 15. Dezember geöffnet. Das Weihnachtsgeschäft fiel damit aus, Dirk Kunigk blieb auf einem Warenberg sitzen. Jetzt müsste er die Sommerware ordern. Aber gibt es in diesem Sommer eine Ferien- und Badesaison? „Anders als die großen Ketten haben wir kleinen Geschäfte nicht die Möglichkeit, Ware zurückzugeben“, so Kunigk.

Schaufensterverkauf mit reduzierter Ware

„Der zweite Lockdown wird rappeln“, hatte Wolfgang Scharf von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Phoenix-See schon im November befürchtet. Jetzt zeichnet sich ab, dass eine Welle an Geschäftsaufgaben im Handel droht. „Ich fürchte“, sagte Thomas Schäfer, Geschäftsführer des Handelsverbands Westfalen-Münsterland, am Dienstag im Live-Talk mit Minister Pinkwart, „dass wir uns von 10 bis 20 Prozent der Geschäfte verabschieden müssen.“

Dirk Kunigk bietet jetzt einen Schaufensterverkauf mit reduzierter Ware an. Von 11 bis 15 Uhr bekommen Kunden Waren aus dem Schaufenster nach draußen gereicht. Was in Sachen Lockdown beim nächsten Corona-Gipfel am 5. März diskutiert und beschlossen wird, interessiert ihn nicht mehr so sehr. Er hat längst einen anderen Lebensplan für sich entworfen.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
Zur Autorenseite
Avatar
Lesen Sie jetzt