Marco Bülow will als Einzelkämpfer antreten - fragt aber erst seinen "Chef"

hzBundestagswahl 2021

Ende 2018 ist er aus der SPD ausgetreten. Bei der Bundestagswahl 2021 will Marco Bülow erneut um ein Mandat kämpfen. Dann aber als Einzelkämpfer, ohne Parteibuch. Doch die Hürden sind hoch.

Dortmund

, 13.10.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als er der SPD 2018 den Rücken kehrte, habe er gedacht, seine politische Karriere sei beendet, sagt Bülow. Sein Mandat hat er nach dem Austritt behalten. Seitdem fährt Bülow, der noch immer als SPD-Urgestein gilt, als parteiloser Einzelkämpfer aus Dortmund nach Berlin. Lange stand er vor der Frage, wie's weitergehen soll, wenn sein Mandat nach der Wahl im Herbst 2021 endet. In einen anderen Job wechseln – oder sein Glück als Einzelkämpfer versuchen? Ohne Parteibuch und ohne Parteiapparat im Rücken?

Bülow traut sich das zu. „Ja, ich möchte kandidieren“, sagt er. „Ich glaube, dass ich eine Chance habe.“ Ob er tatsächlich in den Ring steigt, will er am Jahresende entscheiden. Zunächst sondiert er das Feld nach Unterstützern. „Die Resonanz der Bürger ist mir am wichtigsten“, sagt Bülow. Sie ist der Gradmesser, von dem er seine endgültige Kandidatur abhängig macht. Die Entscheidung, sagt Bülow, treffe der Wahlkreis - und damit die Bevölkerung. „Die Bevölkerung ist mein Chef.“

Vom SPD-Parteiapparat gibt es keine Unterstützung mehr

Er bekomme schon jetzt viele positive Rückmeldungen, sagt er. Das mache Mut. Bislang hat Bülow seinen Wahlkreis 142 (Stadtbezirke Mengede, Huckarde, Innenstadt-Ost und -West sowie Lütgendortmund und Hombruch) direkt geholt. Zuletzt 2017 mit 38,8 Prozent der Stimmen. Aber damals tingelte Bülow eben als SPD-Abgeordneter durchs Revier.

So unzufrieden er über den Kurs seiner Partei auch war: Auf die organisatorische Hilfe des „Apparats“ konnte er sich verlassen. Damit ist es vorbei. Die Arbeit, die nun vor ihm liegt, muss er mit eigenen Kräften stemmen. „Ich brauche ein paar Dutzend aktive Unterstützer, die bereit sind mit anzupacken“, sagt Bülow. Die 200 Unterschriften, die er für einen Kandidatur benötigt, seien nicht das Problem. Die hat er längst zusammen. Vor Kurzem seien es schon weit über 300 gewesen, sagt er.

"Vernünftiger Wahlkampf unter 40.000 Euro kaum zu machen"

Die Hürden stehen woanders. Wer macht mit ihm den praktischen Wahlkampf und spricht, soweit in Coronazeiten möglich, die Bürger an? Wer ist bereit, Plakate zu kleben und aufzuhängen? Wer macht die Kandidatenfotos? Einen teuren Fotografen für tausende von Euro werde er sich eher nicht leisten können, ahnt Bülow. Schließlich muss auch Geld für die Plakatgestaltung, für das Design, da sein. Wer macht die Öffentlichkeitsarbeit? Und, vor allem: Woher sollen die Mittel kommen?

„Ich glaube, dass man einen vernünftigen Wahlkampf kaum unter 40.000 Euro machen kann“, sagt Bülow. „Ich bin bereit, auch einen eigenen, signifikanten Beitrag zu leisten“, kündigt er an. Ansonsten sei er auf Spenden angewiesen. Als Kämpfer wider alle Lobbyisten lehnt er Großspenden ab.

Spenden sind auf Beträge zwischen 5 und 250 Euro gedeckelt

Deshalb hat er die Spenden auf Beträge „zwischen 5 und 250 Euro“ gedeckelt. Alles, was darüber hinaus geht, will er nicht annehmen. „Da mach' ich zu“, stellt Bülow klar. Also wird er in den nächsten Wochen durch Verbände und Vereine tingeln, Organisationen anschreiben und die Bereitschaft zur Unterstützung ausloten.

Klimawende und soziale Gerechtigkeit. Kampf gegen ausufernden Lobbyismus und mehr Beteiligung der Bürger zwischen den Wahlen: Das ist, in Kurzform, Bülows Programm. Dafür stehe er seit Langem, dafür wolle er sich auch im nächsten Bundestag einsetzen, sagt er. Und wenn es nicht klappt mit seinem Mandat?

„Dann muss ich mich umschauen“, sagt Bülow. Generell könne er sich eine Tätigkeit in einer unabhängigen nicht-staatlichen Organisation (NGO) vorstellen. Denkbar seien auch „Beraterfunktionen“ oder Öffentlichkeitsarbeit. Viel lieber aber will er im Bundestag bleiben. Darüber will er sich als parteiloser Einzelkämpfer in den nächsten Wochen abstimmen – mit seinem mutmaßlich neuen Chef: der Bevölkerung.

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