Matthias Stec (38) bemerkt zufällig Überfall von Schalkern auf BVB-Ultras - und beendet ihn

hzMassenschlägerei in Dortmund

Rund 50 Schalker Hooligans haben BVB-Ultras in Dortmund überfallen. Der Lüner Matthias Stec geriet aus Zufall beinahe zwischen die Fronten – und spielte dann eine entscheidende Rolle.

Dortmund

, 06.02.2020, 17:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Matthias Stec (38) wollte in der Nacht zu Mittwoch eigentlich nur Zeit totschlagen. In einer Dortmunder Kneipe hatte er am Abend das BVB-Spiel geguckt und seinen letzten Zug nach Lünen verpasst. Also ging er spazieren – und beobachtete einen heftigen Überfall von Schalker Hooligans auf BVB-Ultras. Durch seinen Einsatz verhinderte er offenbar schlimmere Folgen.

Der Lüner schlenderte gerade am Wall entlang, als eine BVB-Ultragruppe dort gegenüber der Thier-Galerie aus einem Bus stieg. „Seelenruhig haben sie Flaschen in Kisten gepackt“, sagt der 38-Jährige. Dann sei die Gruppe die Johannesstraße „gemütlich hochmarschiert“, wie der Zeuge sagt.

Schreie und splitterndes Glas waren zu hören

Stec wollte weiter in Richtung Hauptbahnhof gehen, als es hinter ihm plötzlich schepperte. Schreie und zersplitterndes Glas seien zu hören gewesen. Eine riesige Menschenmenge lief die Johannesstraße erst in Richtung City entlang, um wenige Sekunden danach im Sprint in die andere Richtung zu rennen. Alle Personen trugen weiße T-Shirts über ihren Jacken, fast 50 solcher Gestalten sind auf Videoaufnahmen zu sehen, die es von dem Vorfall gibt.

Unter anderem ist zu sehen, wie ein Mann im weißen T-Shirt zwei andere Personen in einen Hauseingang drängt und auf sie einprügelt. Zwei Tage nach der Tat ist in der Haustür dort eine zerbrochene Scheibe zu sehen. Die Videos veröffentlichen die Urheber aus rechtlichen Gründen nicht.

Die Meute in den weißen T-Shirts hatte die BVB-Ultras offensichtlich überrascht. „Ich bin zehn Minuten vorher diese Straße entlanggegangen“, sagt Stec: „Da habe ich niemanden gesehen.“ Die Gruppe, die sich als Anhänger des FC Schalke entpuppte, habe sich offenbar gut versteckt.

Der Überfall war wohl nur deshalb relativ schnell vorbei, weil zufällig gerade eine Polizeistreife über den Wall fuhr. Matthias Stec sprang auf die Straße und berichtete den Beamten von der Massenschlägerei. Kurz danach sei schon ein Polizeiwagen nach dem anderen angekommen, sagt er. Die Schalker flüchteten in Richtung Klinikum und stiegen teilweise in wartende Transporter.

Polizei richtet Ermittlungskommission ein

Auf der Flucht hätten viele von ihnen die weißen T-Shirts ausgezogen und auf die Straße geschmissen, sagt Stec. Offenbar dienten sie dazu, dass die Schalker sich im Getümmel nicht untereinander angreifen.

Die Polizei berichtet am Donnerstag, dass eine Ermittlungskommission eingerichtet wurde. Die „EK Johannes“ ist nach der Johannesstraße und dem gleichnamigen Hospital am Tatort benannt. „Alle bislang namentlich bekannten Tatverdächtigen haben einen Bezug zur Ultraszene von S04 oder BVB“, heißt es.

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Szenekundige Beamte in Dortmund und Gelsenkirchen arbeiten zusammen an der Aufklärung. Die Tatvorwürfe lauten Landfriedensbruch, versuchte gefährliche Körperverletzung, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, Sachbeschädigung, schwerer Raub und tätlicher Angriff auf Polizeibeamte.

Auf der Flucht war ein 23-Jähriger aus Korschenbroich am Niederrhein auf zwei Polizisten zugefahren und hatte einen mit seinem Auto getroffen. Verletzt wurde der Beamte dabei aber nicht. „Es ist nicht hinnehmbar, dass Einsatzkräfte angegriffen und auf diese Art und Weise zur Zielscheibe werden“, sagt Polizeipräsident Gregor Lange. Der Fahrer wurde festgenommen, ihn erwartet ein Strafverfahren „wegen mehrerer schwerwiegender Delikte“, so die Polizei.

Zeugen der Vorfälle oder Personen, die Angaben zu den Beteiligten machen können, sollen sich bei der Dortmunder Polizei melden unter Tel. (0231) 1 32 74 41.

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