Mega-Streik am Dienstag – In Dortmund droht der Verkehrsinfarkt

hzWarnstreiks

Dortmund droht am Dienstag der Verkehrsinfarkt: Ein Streik legt den öffentlichen Nahverkehr lahm. Auch bei der EDG ruhen große Teile des Betriebs. Die Aktionen sind Auftakt einer Streikwelle.

Dortmund

, 28.09.2020, 18:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dortmunds Straßennetz blüht am Dienstag (29.9.) ein Verkehrschaos: Es rollt kein einziger Bus und keine einzige Stadtbahn durch die Stadt. Für einen Tag fallen die über 320.000 Fahrten aus, die Nahverkehrs-Betreiber DSW21 momentan durchschnittlich pro Tag verzeichnet. Entsprechend voll dürfte es auf den Straßen werden.

Verantwortlich für den Ausfall dieses zentralen Bestandteils des öffentlichen Lebens ist die Gewerkschaft Verdi. Sie ringt gerade mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) um einen bundeseinheitlichen Tarifvertrag für den öffentlichen Nahverkehr. Da diese weiterhin auf Tarifen beharren, die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind, hat die Gewerkschaft zu einem bundesweiten Streik aufgerufen.

Über 90 Prozent der rund 1900 Mitarbeiter in der DSW21-Verkehrssparte sind gewerkschaftlich organisiert - zu viele, um einen Betrieb des Bus- und Bahnnetzes aufrechtzuerhalten. „Den Fahrgästen würden vereinzelte Fahrten keinen Vorteil bringen“, erklärt DSW21-Sprecherin Britta Heydenbluth. „Sie hätten keine verlässlichen Fahrten und planbaren Anschlüsse.“

Die grauen Restmülltonnen werden heute in Dortmund wegen des Streiks nicht abgeholt.

Die grauen Restmülltonnen werden heute in Dortmund wegen des Streiks nicht abgeholt. © Oliver Schaper (Archivbild)

Es ist nicht der einzige Teil der städtischen Infrastruktur, der am Dienstag still steht: Die EDG warnt, dass die Restmüll- und Biotonnen nicht geleert werden können. Darüber hinaus fällt die Straßenreinigung aus, ebenso die Grünpflege entlang der Straßen. Die Recyclinghöfe und die Möbelbörse bleiben ebenfalls geschlossen.

Auch hier lässt Verdi die Muskeln spielen. Doch da bei der EDG nur rund 60 Prozent der Belegschaft in der Gewerkschaft sind, können immerhin die Gelben und Blauen Tonnen sowie die Container-Standorte geleert werden.

Hinter dem EDG-Warnstreik steckt ein noch grundsätzlicherer Tarifkonflikt: Der um einen neuen Tarifvertrag für alle Angestellten im öffentlichen Dienst - in ganz Deutschland sind das 2,3 Millionen Menschen, in Dortmund nach Angaben von Verdi immerhin noch mehr als 15.000.

Verdi will für sie 4,8 Prozent mehr Lohn, mindestens 150 Euro. Viel zu viel, hält die VKA dagegen, das würde insgesamt 5,7 Milliarden Euro kosten - Geld, das die kommunalen Arbeitgeber in der Rezession nicht hätten. Die Fronten sind verhärtet.

Warnstreiks sind in solchen Fällen die nächste Eskalationsstufe - ohne sie als Druckmittel wären Verhandlungen vonseiten der Arbeitnehmer „nicht mehr als kollektives Betteln“, wie es Michael Kötzing, der Bezirksgeschäftsführer von Verdi Westfalen, beschreibt.

Und so trifft Dortmund in den nächsten Tagen eine kleine Streikwelle. Nach dem Doppelstreik am Dienstag geht es am Mittwoch im Gesundheitssektor weiter: Dort sind Warnstreiks am Klinikum Dortmund und an den Knappschaftskrankenhäusern Brackel und Lütgendortmund geplant, ebenso in den Städtischen Seniorenheimen.

Danach droht Ärger bei der Sparkasse Dortmund. Die mitgliederstärkste Sparkasse des Ruhrgebiets werde in den nächsten Tagen sicher von Arbeitsniederlegungen betroffen sein, heißt es aus Verdi-Kreisen.

„Schnauze voll!“

Andere wichtige Sektoren des öffentlichen Lebens wie die Stadtverwaltung oder die Kitas könnten demnächst folgen. Ihn erreichten Anfragen von Mitgliedern, wann denn endlich der Streikaufruf für sie käme, sagt Gewerkschafter Kötzing: „Wir erleben eine deutlich höhere Streikbereitschaft. Die haben die Schnauze gestrichen voll!“

Es gibt aber auch Dortmunder, die sich zumindest auf den ersten Streiktag freuen: die Taxifahrer der Stadt. „Wir werden wohl einige hundert Fahrten mehr machen als an einem normalen Tag“, schätzt Tahir Akbas von der Dortmunder Taxi-Genossenschaft.

Dortmunds geschäftigstem Taxistand am Hauptbahnhof dürften die Kunden so schnell nicht ausgehen: S- und Regionalbahnen fahren ganz normal, der überregionale Verkehr ebenso.

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