Mehr Journalisten als Fans: Wenn das Derby zum „El Gespenstico“ wird

hzSignal Iduna Park

Die Bundesliga ist wieder gestartet, doch das Stadion des BVB war eine verbotene Zone. Deshalb herrschte rund um das Stadion eine sonderbare Atmosphäre. Eindrücke vom „El Gespenstico“.

Dortmund

, 16.05.2020, 20:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Stell dir vor, es ist Borussia und du merkst nichts davon. Rund um den Bundesliga-Neustart am Samstag mit dem Revierderby zwischen dem BVB und Schalke 04 war in Dortmund alles anders als sonst. Das war umso stärker spürbar, je näher man dem Stadion kam.

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Denn da war einfach nur nichts. Obwohl dieser Spieltag unter anderen Voraussetzungen große Emotionen hervorgerufen hätte. Auf dem Weg zum „El Gespenstico“ sind so gut wie keine Menschen zu sehen, die irgendetwas mit Fußball zu tun haben. Dafür viele, die normalen Samstagsgeschäften nachgehen – was einem nach den langen Lockdown-Wochen schon wie ein Ereignis vorkommt.

Ein Hauch von Schwarzgelb im Kreuzviertel

Im Kreuzviertel ist nur ein Hauch von schwarzgelb zu sehen. Leute stehen im Trikot am Kiosk an, um sich für das Spiel zu Hause einzudecken. Oder sie gehen in die vereinzelten geöffneten Fußballkneipen wie das „Mit Schmackes“ oder das „Briefkästchen“.

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Hier sitzen die Gäste auf reservierten Plätzen, in einer Anzahl, die keinen Vergleich zum normalen Fußballgeschehen für die Gastronomen zulässt.

14 Uhr: Auf der Brücke über die B 1 an der Messe wären sonst zu dieser Zeit bei einem BVB-Spiel Tausende unterwegs. Jetzt ist sie fast menschenleer.

Polizei kontrolliert alle Zugangswege zum Stadion

Die Polizei kontrolliert alle Zugangswege zum Stadion. Die Atmosphäre rund um den Signal Iduna Park ist mit dem Wort „seltsam“ nur unzureichend beschrieben.

Vor dem Stadion bilden internationalen Medienvertreter so etwas wie eine Menschenmenge. Dabei passiert lange Zeit nichts. Fangruppen lassen sich nicht in Stadionnähe blicken. Offenbar haben viele die Aufrufe von Oberbürgermeister und Polizei ernst genommen. Auch die Polizei berichtet am Samstagabend, dass sie im Zusammenhang mit dem Revierderby in keiner Situation einschreiten musste.

Einzelne sind im BVB-Trikot vor Ort. So wie Tobias aus Schwelm, der mit seinen Kindern „einfach mal gucken wollte, was hier los ist“ und plötzlich viele Interviews geben muss. Immer wieder kommen Radfahrer, Spaziergänger und Jogger vorbei und blicken verwundert bis amüsiert auf die Szenerie.

Aus dem leeren BVB-Bus schallt „Deutscher Meister wird nur der BVB“

Irgendwann fährt ein Tross mit zwei Mannschaftsbussen und mehreren kleineren Autos vor – der BVB reist 45 Minuten vor dem Anstoß an. Etwas später verlassen die Busse das Stadion wieder – aus einem von ihnen lässt der Fahrer in großer Lautstärke „Deutscher Meister wird nur der BVB“ laufen.

Drinnen rollt irgendwann im Innern des abgeriegelten Stadions der Ball. Und statt des monotonen Surrens, unterbrochen von lauten Schreien, das sonst die Geräuschkulisse von außen darstellt, ist es diesmal einfach nur gespenstisch ruhig.

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