Mehr los trotz hoher Corona-Zahlen: Widersprüche müssen wir aushalten

hzKolumne Klare Kante

Die Zahl der aktiven Corona-Fälle ist so hoch wie im April. Damals war fast alles geschlossen. Heute sprechen wir über Weihnachtsmarkt und Fußball mit Fans. Mit dem Widerspruch müssen wir leben.

Dortmund

, 05.10.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dortmund am 10. April 2020: Die Stadt geht auf Ostern unter den neuen Corona-Bedingungen zu. Der Westenhellweg ist menschenleer und die Polizei kontrolliert, ob sich niemand in größeren Gruppen trifft.

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So menschenverlassen sieht der Westenhellweg selten aus

Das Coronavirus fegt Dortmunds Innenstadt leer. Unser Fotograf hat auf dem Westenhellweg ungewöhnliche Eindrücke gesammelt.
26.03.2020
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Die Dortmunder City ist zurzeit wegen des Coronavirus fast menschenleer. Das Dortmunder U ermahnt Abstand zu halten.© Dieter Menne
Die Dortmunder City ist zurzeit wegen des Coronavirus fast menschenleer - hier der Alte Markt. Das Dortmunder U ermahnt Abstand zu halten.© Thomas Thiel
Die Dortmunder City ist zurzeit wegen des Coronavirus fast menschenleer. Das Dortmunder U ermahnt Abstand zu halten.© Dieter Menne
Die Dortmunder City ist zurzeit wegen des Coronavirus fast menschenleer. Das Dortmunder U ermahnt Abstand zu halten.© Dieter Menne
Die Dortmunder City ist zurzeit wegen des Coronavirus fast menschenleer. Das Dortmunder U ermahnt Abstand zu halten.© Dieter Menne
Die Dortmunder City ist zurzeit wegen des Coronavirus fast menschenleer. Das Dortmunder U ermahnt Abstand zu halten.© Dieter Menne
Die Dortmunder City ist zurzeit wegen des Coronavirus fast menschenleer - hier der Westenhellweg. Das Dortmunder U ermahnt Abstand zu halten.© Thomas Thiel
Die Dortmunder City ist zurzeit wegen des Coronavirus fast menschenleer - hier der Hansaplatz. Das Dortmunder U ermahnt Abstand zu halten.© Thomas Thiel

Eine Maskenpflicht gibt es noch nicht. Und niemand weiß, wie sich die Infektionszahlen entwickeln werden.

Das Leben in der Stadt ist ein völlig anderes

Dortmund im Oktober 2020: Die geschätzte Zahl der aktuell mit dem Coronavirus infizierten Dortmunder ist zeitweise höher als im April.

Das Leben in der Stadt ist aber ein völlig anderes. Es erinnert sogar in Teilen an das alte Leben, zumindest im Menschen-Gewirr der Dortmunder Innenstadt.

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Die Menschen planen Feste und feiern sie auch. Sie gehen wieder in Büros und in die Schulen. Sie reisen.

Dortmund plant die Zukunft so gut es geht

Die Dortmunder machen das, was Menschen tun müssen, um sich besser zu fühlen: Sie planen ihre Zukunft. Deshalb reden sie über riesengroße Weihnachtsbäume und Bundesliga-Spiele als wären es Grundnahrungsmittel.

Wir brauchen unsere Freiheit und sie steht uns zu. Doch sie hat ihren Preis. Wenn mehr Menschen durch mehr Länder reisen, gibt es auch mehr Ansteckungen. Wenn sie in Schulen in großen Gruppen zusammenkommen, sind auch mehr Personen auf einmal betroffen, wenn es einen Fall gibt.

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Wenn Feiern nach bestimmten Regeln erlaubt sind, wird es auch Menschen geben, die nicht auf diese Regeln achten. Diese Logik, die sich jetzt vielerorts in den Fallzahlen niederschlägt, ist von vielen politisch Verantwortlichen auf allen Ebenen nicht deutlich genug betont worden.

Deshalb braucht es jetzt offenbar einen erneuten Appell an die Eigenverantwortung jedes einzelnen Dortmunders.

Die Stadt hält die Situation im April für nicht mit der heutigen vergleichbar

Die Stadt Dortmund betont in einer Stellungnahme des Corona-Krisenstabs am Freitag (2.10.) ausdrücklich: Die aktuelle Situation entspreche nicht der im April.

Es gebe weniger schwere Verläufe, weil sich im Moment hauptsächlich jüngere Menschen anstecken.

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Es bleibt auch für die Stadtverwaltung eine komplexe Situation. Beispiel Quarantäne-Regelungen: Agiert die Stadt zu hart und schickt mehr Menschen in Quarantäne als infektiologisch eigentlich notwendig, schränkt sie Freiheitsrechte in erheblichem Maß ein. Aber sie verhindert damit vielleicht auch mehr Infektionen.

Agiert die Verwaltung zu nachlässig, wenn etwa Testergebnisse erst verspätet mitgeteilt werden oder grundsätzlich Kapazitäten im Gesundheitsamt fehlen, wie zuletzt beim Warnstreik, ist das ebenso kritikwürdig.

Sollte die Verwaltung bei steigender Inzidenz bald gezwungen sein, wieder strengere Regeln umzusetzen, wäre das auch mit (noch mehr) Kritik an ihrem Handeln verbunden.

Es ist im Moment schwierig, das Richtige zu tun

Das alles zeigt, wie schwierig es gerade ist, „das Richtige“ zu tun. Das gilt für jeden und es gilt in vielen Lebenslagen. Alles, was vorher normal war, fühlt sich auf einmal zerbrechlich an. Das ist anstrengend.

Ich hoffe, dass die Dortmunder die Geduld haben, das „Richtige“ auch in Zukunft immer wieder neu miteinander aushandeln zu können.

Es geht dabei nicht um die Frage, ob man sich von einer „Hysterie“ anstecken lässt oder an die Gefährlichkeit des Virus „glaubt“. Sondern um das Anerkennen der Realität, in der wir noch eine ganze Weile mit dem täglichen Blick auf Infektionszahlen und Verordnungen zurechtkommen müssen - und auf neue Situationen werden reagieren müssen. Ob es uns gefällt oder nicht.

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