Meistens geht es ohne OP

Wie ein Stoßdämpfer sitzt die Bandscheibe zwischen den einzelnen Wirbelkörpern und federt die Kräfte ab, die auf die Wirbelsäule einwirken.

07.01.2008, 18:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Meistens geht es ohne OP

<p>Injektionsbehandlung eines Bandscheibenpatienten. Foto privat</p>

Sie besteht aus einem gelartigen Polster, das von Bindegewebsfasern eingefasst ist. Wenn das gelartige Material nach außen dringt und Nerven reizt oder drückt, dann entstehen Schmerzen, die vom Rücken bis zu den Füßen ziehen können. "In den allermeisten Fällen kann den Betroffenen ohne einen operativen Eingriff geholfen werden", erklärt Privatdozent Dr. Klaus Schmidt.

800 bis 1000 Patienten mit Rückenbeschwerden werden Jahr für Jahr unter der Leitung des Chefarztes in der orthopädischen Klinik am Katholischen Krankenhaus Dortmund-West behandelt. Etwa die Hälfte davon hat einen Bandscheibenvorfall, doch nur einer von hundert Bandscheibenpatienten muss operiert werden.

Fast flüssig

Die Bandscheibe unterliegt Alterungsprozessen. Während sie beim Säugling noch fast flüssig ist, trocknet sie im Laufe des Lebens ein, so dass es mit zunehmendem Alter zu einer Versteifung kommt. Allerdings altern auch die Bindegewebsfasern, von denen das gelartige Bandscheibenmaterial umschlossen wird. Zwischen 20 und 40 Jahren können sie brüchig werden, und es entstehen Mikrorisse, durch die das Innere nach außen vordringen kann. Je nach Verlauf kommt es zu mehr oder weniger starken Schmerzen, die in 90 % der Fälle von alleine abheilen.

Nur etwa 0,5 Prozent aller Betroffenen benötigen eine intensivere Therapie unter stationärer Kontrolle. Erst wenn der Bandscheibenvorfall soweit fortgeschritten ist, dass nach Schmerzen auch Gefühllosigkeit oder gar Lähmungserscheinungen auftreten, besteht dringender Handlungsbedarf. Wenn Nerven betroffen sind, die für die Kontrolle der Blasen- und Schließmuskulatur zuständig sind, besteht ein Notfall, der sofort operiert werden muss.

Seltene Fälle

"Aber das sind ganz seltene Fälle", betont PD Dr. Schmidt. Die meisten seiner Patienten sind ältere Menschen, die nicht mit einem frischen Bandscheibenvorfall kommen. Ihre Beschwerden entstehen, weil ein längst vergessener Bandscheibenschaden auf einmal zum Problem werden kann. Der Körper hat sich bei diesen Patienten zunächst selbst geholfen, indem er das austretende Bandscheibenmaterial teilweise abgebaut und narbig verfestigt hat. Doch mit zunehmendem Alter und austrocknender Bandscheibe rutschen die Wirbel dichter zusammen. So entsteht nach und nach eine Verengung im Bereich der Nervenwurzeln.

"Wenn man dann eine unglückliche Bewegung macht oder beim Heben falsch belastet, kommt es zu einer Nervenreizung, der Nerv schwillt an und hat nicht mehr genügend Platz. Diesen Patienten kann gezielt mit einer minimal-invasiven Therapie geholfen werden", erklärt Chefarzt Dr. Schmidt.

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