Mengede soll schöner werden - und dafür pflanzten Flüchtlinge Sommerblumen

hzIntegration vor Ort

In den Blumenkübeln hinter der Eisdiele auf dem Mengeder Markt wuchs nur noch Unkraut zwischen viel Unrat. Das hat sich geändert. Dank des Miteinanders von Mengedern und Flüchtlingen.

Mengede

, 07.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Es ist ein kleines Trüppchen, das sich aufgemacht hat, den Mengeder Ortskern zu verschönern. Wenigstens ein bisschen. Denn die Blumenkübel auf dem Markt waren keine Augenweide, Wildkräuter kämpften gegen Unrat ums Überleben. Kein schöner Anblick.

Initiative vom Helferkreis

Das ging so lange, bis Betty und Helmut Steeger sich der Sache annahmen. Sie arbeiten schon lange ehrenamtlich in der Seniorenbegegnungsstätte, helfen hier, unterstützen dort. Und eben auch seit einigen Jahren Flüchtlinge, die aus Syrien in den Nordwesten Dortmunds gekommen sind.

Zu Fuß durch die Türkei

Flüchtlinge wie Alfudel Almhamid Munazh. Der 34-Jährige floh vor dreieinhalb Jahren aus Daraa in Südsyrien, allein. Über Land führte seine Route, er kam über die Türkei nach einem Monat in Deutschland an. Seitdem hat sich für ihn viel getan. Seine Familie - seine Frau und eine Tochter - kamen nach, inzwischen ist noch ein Baby dazugekommen. Munazh ist Maschinenbauingenieur, sein Abschluss wurde anerkannt, er hat eine Aufenthaltsgenehmigung und er spricht sehr gut Deutsch: „Noch nicht gut genug“, korrigiert er und lächelt. Einen festen Job hätte er gerne, das hat bisher aber noch nicht geklappt

Schwierig ist die Lage auch für Alhaj Abdullah Abdullah. Er ist 40 Jahre alt, kommt aus Aleppo und hat dort als Taxifahrer gearbeitet. Er kam mit Frau und drei Kindern nach Deutschland. Auch er hat eine Aufenthaltsgenehmigung, Arbeit hat er nicht.

Blumen für gute Nachbarschaft

Zusammen mit Betty und Helmut Steeger wollten sie ein Zeichen setzen. Und bepflanzten die Blumenkübel mit Begonien: „Die können Schatten vertragen“, sagt Betty Steeger. Sie weiß, wie es ist, wenn man irgendwo neu anfängt. Allerdings hatte die fast 85-Jährige liebevolle Unterstützung bei ihrem Neuanfang vor 30 Jahren. Denn sie kam, weil sie sich in Helmut Steeger verliebt hatte. Und der sich in sie. Gefunkt hatte es bei einem Besuch des Bodelschwingher Gesangsvereins in Milwaukee. Betty betreute die Gäste. Und einen Gast besonders gern: Helmut Steeger.

Unterstützer gesucht

Nun kümmern sich die beiden um syrische Familien. Etwas mehr Hilfe würde sie freuen, aber „die Besucher in der Seniorenbegegnungsstätte sind da nicht so offen“, sagt Betty Steeger.

Alfudel Almhamid Munazh fühlt sich dennoch wohl in Deutschland. Bis auf die Bürokratie: „So viele Formulare“, seufzt er. Und die Wartezeiten in der Notaufnahme im Krankenhaus findet er schrecklich. Stundenlang habe er mit seiner kleinen Tochter, die sich einen Arm gebrochen hatte, auf einen Arzt gewartet. Das - wie vieles andere auch - , so erinnert er sich mit Wehmut, war in Syrien anders: „Da hat es höchstens zwei Stunden gedauert, bis ein Arzt kam.“

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