Kultkiosk in neuer Hand: Kaffee, Brötchen – und ne Kiste Bier für 7,99

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Seit fast 50 Jahren steht an der Solmstraße eine regelrechte Kult-Bude. Nun hat der Inhaber gewechselt. Doch das Angebot bleibt und die Nachfrage der Kunden ist offenbar ungebrochen riesig.

Mengede

, 09.10.2020, 12:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Bude „anne Ecke“ gehört zum Kulturgut des Ruhrgebiets. An der Solmstraße 32, knapp zwei Kilometer vor der Stadtgrenze nach Castrop, gibt es ein solches Kultobjekt seit fast fünfzig Jahren. Am 1. Oktober hat der Inhaber gewechselt. Der neue Besitzer, Janan Annarajah (37), möchte die alte Tradition pflegen, aber gleichzeitig auch neue Impulse setzen.

Annarajah betrieb bisher einen Kiosk im Zentrum von Wuppertal, den er jetzt verpachten will. Was hat ihn bewogen, sich in Richtung Mengede zu orientieren? „Weil ich dort meine Jugend verbracht habe und 20 Jahre in unmittelbarer Nähe an der Goslarstraße gewohnt habe“, erklärt er.

Neuer Besitzer „mit Emscherwasser getauft“

Schon für den anfangs 8-Jährigen war der Kiosk ein magischer Anziehungspunkt. Schon allein die Betrachtung der gefüllten Bonbongläser sei für ihn ein Riesenerlebnis gewesen. Annarajah Eltern kamen aus Sri Lanka nach Dortmund, er selbst wurde in Hörde geboren, ist im wahrsten Sinne des Wortes mit Emscherwasser getauft: „Als Kind bin ich beim Spielen mal auf dem Damm ausgerutscht, ein Freund hat mich mit einem langen Stock vor dem Ertrinken gerettet.“

Der vorherige Besitzer, Armin Kwiotek, war mit seiner Ehefrau Marita mehr als 21 Jahre lang Betreiber des Kiosks. Sie wollten sich schon seit Längerem aus Altersgründen zurückziehen. „Wir haben lange gesucht, weil wir nach jemandem Ausschau hielten, der auch unsere Verkaufskräfte übernahm“, so Kwiotek.

Der Kiosk an der Solmstraße/Ecke Strünkedestr. gnießt in Mengede und Umgebung Kultstatus.

Der Kiosk an der Solmstraße/Ecke Strünkedestraße genießt in Mengede und Umgebung Kultstatus. © Diethelm Textoris

Doch unter dieser Bedingung war das Suchen vergeblich. „Das wichtigste Kriterium war dann die Freundlichkeit.“ Da erhielt Annarajah die volle Punktzahl. Man wurde sich handelseinig, der Nachfolger übernahm die Waren und das Geschäft, Kwiotek vermietet die Räume.

Vorstellung beim Bäcker und beim Kartoffel-Bauern

Auch sein Wissen über die günstigen Einkaufsquellen gab er weiter. „Er nahm mich mit zu dem Kartoffel-Bauern und stellte mich beim Inhaber der Bäckerei Kortmann vor. Der schätzte meinen Bedarf genau richtig ein“, berichtet Annarajah. Jedenfalls für die ersten Tage. Denn in kürzester Zeit sei der Brötchenbedarf von täglich 30 auf 50 gestiegen.

Das mag mit den niedrigen Preisen zu tun haben, die Janan Annarajah beibehalten möchte: „An welchem Kiosk gibt es belegte Brötchen zum Einheitspreis von 1,29 Euro und die Kiste Bier für 7,99 Euro?“ Natürlich müsse er neu kalkulieren, wenn die Zulieferer teurer werden. „Alles soll so bleiben, wie es ist, vor allem die Frische der Waren. Mit dem Ohr am Kunden will ich auch neue Produkte aufnehmen und Neuerungen einführen.“

Während es corona-bedingt bei Kwiotek verkürzte Öffnungszeiten gab, steht Annarajah für seine Kunden von werktags 5.30 bis 20.30 Uhr und am Wochenende ab 9 Uhr bereit. Entlastet wird er zwischendurch von seiner Frau Hamsha, die aber noch voll berufstätig ist.

Kurze Schlange wegen der vielen Sonderwünsche

Wie gut es wieder läuft, zeigt eine Momentaufnahme am Donnerstag (8.10.) um 8.15 Uhr, nur eine Woche nach dem Inhaberwechsel. Es hat sich eine kurze Schlange gebildet, weil eine Frau mit drei Kindern Sonderwünsche wie geteilte Croissants für die Kleinen erfüllt bekommt.

Ein Lkw-Fahrer aus Castrop-Rauxel ordert Brötchen und Kaffee; ebenso Roland, der in der Nähe arbeitet und sich freut, dass er jetzt wieder täglich sein Frühstück hat. Abends verlagert sich das Geschäft auf Getränke, Zigaretten und Chips, sonntags wird das gekauft, was für Frühstück und Mittagessen noch fehlt.

„Ich glaube, das geht gut. Ich kann mir jedenfalls keinen geeigneteren Nachfolger vorstellen“, urteilt Vorbesitzer Armin Kwiotek und seine Frau Marita schließt sich an.

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