Mengedes Angsträume: Das mulmige Gefühl kennt kein Alter

hzSicherheit im Stadtbezirk

Gerade in der dunklen Jahreszeit fühlen sich Bürger oft unsicher. Dutzende Angsträume im Stadtbezirk Mengede haben nun die örtlichen Politiker beschäftigt.

Mengede

, 10.12.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fahl beleuchtete Wege, menschenleere Grünanlagen, unbebaute Verbindungen, kaputte Glasscheiben an Bushaltestellen, abgetretene Mülleimer, Ecken, die nach Rauschgift oder Urin stinken. Angsträume.

Sauberkeit und Sicherheit beschäftigten jetzt die Mengeder Bezirksvertreter. Die Statistiken von Polizei und Ordnungsamt sind unauffällig. Die Kriminalität ist rückläufig. Auch was die Zahlen der Verwarnungen, Platzverweise und Ordnungswidrigkeiten angeht, gibt es keine Besonderheiten.

Und dennoch: Viele Bürger, die im Herbst oder Winter im Dunkeln unterwegs sind, beschleicht ein ungutes Gefühl. Die Diskrepanz zwischen Statistik und empfundener Sicherheit dokumentierten vor Jahresfrist unsere Stadtteilchecks für Bodelschwingh, Nette/Oestrich und Westerfilde. In Mengede markierten sie zumindest Defizite in Sachen Sauberkeit.

Lange Liste der Angsträume

33 Angsträume im Stadtbezirk haben die Mengeder Bezirksvertreter im Oktober bei einer Abfrage zum Masterplan Sicherheit der Stadtverwaltung genannt, zusammengetragen aus Ortskenntnis und aus Hinweisen aus der Bevölkerung. Konkrete Beispiele kennt auch diese Redaktion aus Leserhinweisen. Das beschriebene „mulmige Gefühl“ ist unabhängig von Geschlecht oder Alter.

Leserin W. etwa wohnt auf der Oestricher Seite des Mengeder Bahnhofs. Will sie zur Seniorenbegegnungsstätte in der Bürenstraße oder zum Einkaufen in den Mengeder Ortskern, führt der Weg mit dem Rollator unweigerlich durch den Bahnhofs-Tunnel. „Da habe ich immer Angst und bleibe im Winter lieber zuhause“, sagt sie. Die Alternative über die Brücke Königshalt ist weiter – und ebenfalls unbeleuchtet.

Mengedes Angsträume: Das mulmige Gefühl kennt kein Alter

Einer von fünf Angsträumen rund um den Mengeder Bahnhof: der Park-and-Ride-Parkplatz an der Molkereistraße © Uwe von Schirp

Gerade das Bahnhofsumfeld hat auf beiden Seiten des Tunnels gleich mehrere Angsträume: die Treppenanlage und der Park-and-Ride-Parkplatz auf Oesricher Seite, sein Pendant unter der Brücke und der Fußweg an der Molkereistraße und die Kreuzung Königshalt/Strünkedestraße auf Mengeder Seite.

Vermummte Person am Schulzentrum

Ortswechsel. A. ist Schüler des Netter Schulzentrums. Als er eines Morgens vor Frühstück und Schulbeginn eine Runde joggt, blendet auf der Karl-Schurz-Straße in Höhe des Sportplatzes ein schwarzer SUV auf. Aus der Anlage des Schulzentrums kommt eine schwarz vermummte Person.

Parkplatz und Sportplatz neben dem Heinrich-Heine-Gymnasium sind ebenfalls Angsträume. Fußballer von Osmanlispor und Anwohner beobachten regelmäßig den abendlichen Alkohol- und Drogenkonsum. Die Liste lässt sich fortsetzen: der S-Bahnhof Westerflde und der benachbarte Fußweg zwischen Westerfilder Straße und Bodelschwingher Straße, der Mengeder Markt und, und, und... In ihrer Zusammenstellung erneuern die Fraktionen der Bezirksvertretung darum ihren abgelehnten Antrag von 2017, einen Revierdienst einzurichten.

Ordnungsdienst spricht 156 Verwarnungen aus

Im November berichtete Jürgen Walther vom Ordnungsamt in der Bezirksvertretung über die Arbeit des Kommunalen Ordnungsdienstes. Die drei für Mengede vorgesehen Mitarbeiter im Streifendienst können Personen anhalten, ihre Identität feststellen oder gegebenenfalls Platzverweise aussprechen.

156 Verwarnungen habe der Ordnungsdienst bislang in diesem Jahr ausgesprochen, 38 Ordnungswidrigkeiten angezeigt. Im Fokus stehen dabei in Mengede der Amtshauspark und der Schulhof der Jeanette-Wolff-Schule, in Nette und Oestrich der Hansemannpark, die Oestricher Seite des Mengeder Bahnhofs, der Bereich um das Hallenbad und das Schulzentrum sowie in Bodelschwingh/Westerfilde der Kinderspielplatz Im Odemsloh, die Westhausenschule, der Westerfilder Markt und die Grünanlage zum Luftschacht.

Jürgen Walther räumte ein, dass von den stadtweit 58 Planstellen nur 48 besetzt sind, der Rat allerdings 10 weitere Planstellen bewilligt habe. Es sei eigentlich noch zu wenig, aber: „Die Haushaltslage ist, wie sie ist.“

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