Wer falsche Daten in der Gastronomie hinterlässt, soll künftig 250 Euro Bußgeld bezahlen. Die Gastronomen fragen sich allerdings, wie sie Namens-Fälschern auf die Schliche kommen sollen.

Dortmund

, 01.10.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zumindest eines steht seit Mittwochmorgen fest: Wer sich mit falschen Angaben in einer Kneipe oder einem Café in die - aufgrund der Corona-Pandemie vorgeschriebene - Gästeliste einträgt, soll in Nordrhein-Westfalen künftig ein saftiges Bußgeld in Höhe von 250 Euro zahlen. Fraglich ist bislang nur, wie man dem Namens-Fälschern auf die Schliche kommen soll.

Jetzt lesen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte noch am Dienstag angeregt, Gastronomen sollten sich im Zweifelsfall den Ausweis oder Führerschein zeigen lassen, NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann sprach einen Tag später von Kontrollen durch behördliche Stichproben. Und auch die Pressestelle der Stadt Dortmund bringt bislang wenig Licht ins Dunkel: „Aussagen können erst getroffen werden, wenn die neue Corona-Schutzverordnung vorliegt.“

„Wenn es die Gesetze gibt, dann muss man sich auch dran halten“

„Bei uns standen schon mal falsche Namen auf der Liste“, sagt Jalal Benomar, Geschäftsführer der „Eis Factory“ an der Kleppingstraße. „Es war sogar schon Micky Maus dabei.“ Nur seien ihm oder seinen Mitarbeitern diese offensichtlichen Pseudonyme erst aufgefallen, als der Gast die Eisdiele bereits verlassen hatte. Denn all die Angaben wie Name, Adresse oder Telefonnummer zusätzlich zum Bedienen zu kontrollieren, sei fast unmöglich: „Da sind die Mitarbeiter sowieso schon im Stress.“

Jalal Benomar, Geschäftsführer der Eis Factory, und seine Mitarbeiterin Silvia Bez Batt hatten auch schon ungewöhnliche Gäste: Unter anderem trug sich Micky Maus in die Liste ein.

Jalal Benomar, Geschäftsführer der Eis Factory, und seine Mitarbeiterin Silvia Bez Batt hatten auch schon ungewöhnliche Gäste: Unter anderem trug sich Micky Maus in die Liste ein. © Michael Schuh

Als diese Listen eingeführt wurden, hätten viele Gäste es noch abgelehnt, sich darin einzutragen: „Sie sind dann wieder gegangen.“ Inzwischen hätten sich die Kunden aber daran gewöhnt: „Es macht jeder mit.“ Nach dem Ausweis sei aber in der Eis Factory noch niemand gefragt worden; einerseits, weil Benomar vermutet, dass er gar nicht dazu berechtigt ist, andererseits, weil er die Kunden nicht damit behelligen möchte: „Das sind ja schließlich unsere Gäste.“

Vielmehr rechnet der Geschäftsführer damit, dass die Einträge künftig mit stichprobenartigen Kontrollen der Ordnungskräfte überprüft würden. Und ob er 250 Euro Strafe für zu hoch halte? Benomar zuckt die Schultern: „Ob 50, 250 oder 500 Euro - wenn es die Gesetze gibt, dann muss man sich auch dran halten. Und gegebenenfalls die Strafe zahlen.“

Gleich zwei Möglichkeiten der Registrierung

Die Ratsschänke an der Prinzenstraße ist das, was man eine echte Dortmunder Kneipe nennt: Hier wird das Pils noch aus dem Stößchen getrunken und natürlich jedes BVB-Spiel live im TV geguckt. Doch in Sachen Coronaschutz überlässt der ansonsten coole Wirt Omid Ghorbanazar nichts dem Zufall: Seine Gäste haben gleich zwei Möglichkeiten, ihre Daten zu hinterlassen.

Zum einen gibt es in der Ratsschänke Listen aus Papier, auf denen die Gäste ihre Namen und Daten eintragen können. Zum anderen nutzt Ghorbanazar die App „Bin da!“. Ein Kunde, der sich diese Anwendung im Vorfeld ebenfalls heruntergeladen und seine Daten eingetragen hat, hat einen QR-Code auf seinem Handy. Der wird dann vom Wirt oder der Bedienung mit deren Handy abgescannt - fertig.

Jetzt lesen

Während die digitalen Daten vier Wochen gespeichert bleiben, kommen die Zettel nach vier Wochen in den Aktenvernichter. Obwohl auch er davon ausgeht, Ausweise nicht kontrollieren zu dürfen, will Ghorbanazar ab sofort verstärkt ein Auge auf die Einträge in der Liste werfen.

Wobei ihm falsche Angaben bislang noch nicht aufgefallen seien: „Einen Donald Duck hat‘s bei uns noch nicht gegeben.“ Und wenn sich doch mal jemand mit solch einem Entenhausener Fake-Namen registrieren sollte? „Dann sag ich ihm: Entweder du trägst dich richtig ein oder es gibt kein Bier!“

„Telefonnummern kann man ja gar nicht überprüfen“

Bei der Überprüfung von Dokumenten scheinen sich die Dortmunder Gastronomen übrigens einig zu sein. „Bei uns wurde noch kein Gast nach dem Personalausweis gefragt“, sagt Detlef Lotte, der in Dortmund das „Dieckmanns“ in Syburg und das Bistro-Restaurant „Schönes Leben“ im Kreuzviertel betreibt. „Ich denke, das wäre auch nicht legal. Auf jeden Fall ist es nicht definitiv geklärt.“

Detlef Lotte, der das „Dieckmanns“ und das „Schönes Leben“ betreibt, geht nicht davon aus, dass die Gastronomen die Angaben der Gäste wirklich überprüfen können - und dürfen.

Detlef Lotte, der das „Dieckmanns“ und das „Schönes Leben“ betreibt, geht nicht davon aus, dass die Gastronomen die Angaben der Gäste wirklich überprüfen können - und dürfen. © Dan Laryea (A)

Zwar könne der Kellner auf den Zettel mit den Angaben des Gastes schauen, doch für eine echte Überprüfung besitze er gar nicht die Möglichkeit: „Wenn es ausgewiesener Blödsinn sein sollte und sich jemand beispielsweise als Max Mustermann eingetragen hat, dann würden wir ihm sagen, er solle bitte die korrekten Daten angeben. Aber eine Telefonnummer kann man in der Gastronomie ja gar nicht überprüfen.“

In seinen Betrieben würden die Listen zwei Monate aufbewahrt und anschließend zerstört, erläutert Lotte. Und die Zeit, als einige Kunden nur widerwillig ihre Daten hinterlassen hätten, sei ohnehin vorbei: „Anfangs gab es Einzelfälle, bei denen die Gäste das nicht wollten. Aber das ist inzwischen kein Thema mehr.“

Lesen Sie jetzt