Mieten in Dortmund: Von dieser Mieterhöhung können andere Mieter nur träumen

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Nach einer Modernisierung von Mietshäusern fürchten die Bewohner vor allem eines: eine drastische Mieterhöhung. Diese Mieter in Dortmund sind hingegen echte Glückspilze.

Kley

, 03.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Mieter dieser Wohnanlage können sich entspannt zurücklehnen. 1,2 Millionen Euro lässt sich ihre Vermieterin gerade die energetische Sanierung der vier Mehrfamilienhäuser, Baujahr 1963, kosten. Die Befürchtung der Bewohner, dass damit auch die Mieten in die Höhe schießen werden, bestätigte sich nicht.

Eine nachhaltige Wärmedämmung mit Mineralwolle, Fenster, Heizung, Balkone, Dach – fast alles ist schon neu in der Kleyer Wohnanlage, Alter Hellweg 53/55 und 57/59. Nur die Balkonarbeiten laufen noch. Im nächsten Jahr sollen die Garagen folgen.

Mieterhöhung soll sozialverträglich sein

„Elf Prozent der Modernisierungskosten hätten wir gesetzlich auf die Mieten umlegen dürfen. Doch wir haben uns für sozialverträgliche zwei Prozent entschieden“, berichtet Thomas Bura, Vorstand der Gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft Dortmund (GWG) als Vermieterin dieser Immobilien. In konkreten Zahlen heißt das: „Die Mieter zahlen maximal 1,20 Euro pro Quadratmeter mehr.“

Seit dem 1. Januar 2019 dürfen Vermieter laut Wohnraummietrecht von den Modernisierungskosten nur noch acht statt elf Prozent auf die Jahresmiete umlegen, für die Maßnahme der GWG gilt noch das alte Mietrecht. Was in diesem Fall aber gar keine Rolle spielt, weil die Genossenschaft davon ohnehin keinen Gebrauch macht.

Mietererhöhung ist historisch tief

Die 2-Prozent-Umlage ist für die GWG mit rund 1600 Wohnungen in Dortmund historisch tief. So sanft ist bei der Genossenschaft nach einer Modernisierung die Mieterhöhung noch nie ausgefallen. „Unser Ziel als gemeinnützige Genossenschaft ist es natürlich, für unsere Mitglieder preiswerten Wohnraum zur Verfügung zu stellen“, sagt Thomas Bura. Aktuell könne die GWG keine weiteren Mitglieder aufnehmen.

Karin Kräft freut sich über die moderate Mieterhöhung nach der Sanierung. Die Dortmunderin kümmert sich um die Finanzen ihrer Mutter, die seit über zehn Jahren in einem der vier GWG-Häuser wohnt. „Meine Mutter zahlt nur 38 Euro im Monat mehr für die Warmmiete.“

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73 Euro mehr für eine 61 Quadratmeter große Wohnung

Zu Buche schlage hier natürlich auch, dass durch den Einbau einer modernen Zentralheizung nicht mehr der teure Nachtspeicherstrom bezahlt werden müsse. Tatsächlich habe die GWG die Miete für die 61 Quadratmeter große Wohnung um 73 Euro erhöht. Sogar das Bad ihrer Mutter werde noch altengerecht umgebaut.

Mieten in Dortmund: Von dieser Mieterhöhung können andere Mieter nur träumen

Nach den Plänen des Architekten Markus Tegethoff (l., mit Darius Rzeszotek, Pressesprecherin Britta Knoche und Thomas Bura) wurden die Fassaden gestaltet. Hier ist das Westfalenpferd als Wappentier Westfalens zu sehen. © Beate Dönnewald

Gerade für die Altmieter habe man die Bestandsmiete bei fünf Euro pro Quadratmeter deckeln wollen, sagt Thomas Bura, neue Mieter zahlen 5,50 Euro. „Wir haben die Häuser 2018 gekauft und dem Verkäufer, einem privaten Vermieter, versprochen, dass seine Mieter in gute Hände kommen“, so Thomas Bura. Auch nach dem Eigentümerwechsel sei die Angst der Bewohner groß gewesen, dass die Mieten explodieren könnten.

Fassaden zeigen historischen Verlauf des Hellwegs

Obendrauf haben die Mieter an ihren Wohnhäusern eine ungewöhnliche Fassadengestaltung erhalten, die der eigentliche Grund eines Pressetermins war. GWG hat hier eine Idee des Architekten Markus Tegethoff umgesetzt: „Wir haben den Ort, den Alten Hellweg, zum Thema gemacht und erzählen mit Symbolen und Piktogrammen den historischen Verlauf des Hellwegs als Handelsverbindung vom Rhein zur Weser“, so Bura.

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Von Duisburg bis Höxter sind alle Städte auf dieser Route berücksichtigt. Natürlich auch Dortmund mit dem Dortmunder U, dem Signal-Iduna-Park (Westfalenstadion) und dem Florianturm.

Ausgeführt hat die Arbeiten mithilfe von Schablonen Malermeister Darius Rzeszotek. „Das war mal eine schöne Abwechslung zum sonst üblichen Fassadenanstrich. Das hat Spaß gemacht.“

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