Warum die „Mini-Oase“ an der Bornstraße nach wenigen Wochen verschwunden ist

hzPocket Park

Aus einer Brache hatten engagierte Bürger in diesem Sommer eine Blumenwiese gestaltet – einen sogenannten „Pocket Park“. Was jetzt dort passiert ist, hat den Bezirksbürgermeister entsetzt.

Nordstadt

, 23.08.2019, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Schandfleck war die verlassene Industriebrache an der Bornstraße / Ecke Schlägelstraße noch vor zwei Jahren gewesen. Hohe Gräser, Unkraut, darin verrostete Fahrzeuge. Dann verwandelte die Stadt die Fläche in eine Wildblumenwiese, eine „Mini-Oase“.

Ein „Paradies für Bienen und Schmetterlinge“ – so hatten es die Vertreter der Interessengemeinschaft Bornviertel gemeinsam mit der WAM-Medienakademie, Grünbau, dem Tiefbauamt Abteilung Stadtgrün, Bezirksbürgermeister Dr. Ludwig Jörder sowie der Koordinierungsstelle „nordwärts“ noch vor wenigen Wochen genannt.

Warum die „Mini-Oase“ an der Bornstraße nach wenigen Wochen verschwunden ist

So hatte die Fläche noch vor Kurzem ausgesehen. „Alles hatte sich prächtig entwickelt“, sagt Bezirksbürgermeister Dr. Ludwig Jörder. © Schaper

Schmetterlingssträucher und Sommerflieder waren auf der alten Brache gewachsen, die noch im Sommer 2017 von verrosteten Fahrzeugen zugestellt gewesen war.

Bezirksbürgermeister: „Ich hab gedacht, mich trifft der Schlag“

Doch jetzt, nur wenige Wochen nachdem es im Pocket Park geblüht hatte, sind dort keine Blumen mehr zu sehen. Stattdessen stehen Baufahrzeuge und Container auf der kurz gemähten, platt gerollten Rasenfläche. Die Oase ist wieder weg. Warum?

Auch Bezirksbürgermeister Dr. Ludwig Jörder ist überrascht, als er kurz nach unserer Anfrage an der Fläche vorbeischaut. „Ich hab gedacht, mich trifft der Schlag. Das war ja ein faszinierendes Bild, das sich mir da geboten hat“, sagt der 73-Jährige. Von einer Oase kann hier keine Rede mehr sein. Was ist passiert?

Stadt spricht von einem „unglücklichen Fehler“

„Leider ist hier ein unglücklicher Fehler passiert“, erklärt Christian Schön von der Pressestelle der Stadt Dortmund. Eine von der Dortmunder Netz Gmbh (Donetz) beauftragte Baufirma habe hier einen Lagerplatz eingerichtet. „Eine Genehmigung wurde bedauerlicherweise vorher nicht bei der Stadt angefragt.“

Dabei, so Christian Schön weiter, wäre aufgefallen, dass die Fläche nicht für solche Zwecke zur Verfügung steht. „Tiefbauamt und Donetz haben die unmittelbare Räumung von großen Teilen der Fläche veranlasst.“ Ein kleiner Teil müsse als Lagerfläche allerdings kurzfristig aufrecht erhalten bleiben, „um die laufende Bau-Maßnahme nicht zum Stillstand zu bringen“.

Warum die „Mini-Oase“ an der Bornstraße nach wenigen Wochen verschwunden ist

Von Wildblumen ist gerade nichts mehr zu sehen. Die Stadt spricht von einem „unglücklichen Fehler“. © Schaper

Auch Ole Lünnemann, Pressesprecher der Donetz GmbH, entschuldigt sich. „Der Bauunternehmer hat dort alles gelagert ohne das mit uns oder der Stadt abzusprechen. Es tut uns total leid, dass die Fläche dort jetzt beschädigt worden ist.“ Bis zum nächsten Montag würden die Fahrzeuge weggeräumt, sichert die Donetz GmbH zu. „Dann wird alles wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzt“, sagt Lünnemann.

Park sei von vornherein nur „Zwischenlösung“ gewesen

„Fehler können passieren“, sagt Dr. Ludwig Jörder versöhnlich. Ein Mitarbeiter des Tiefbauamtes habe ihm jetzt zugesichert, dass die Flächen sich auch wieder erholen würden. „Zum Glück hat es nicht geregnet, dann wäre der ganze Boden aufgewühlt worden. Sollte da später etwas zu reparieren sein, gehe ich mal davon aus, dass das auch gemacht wird“, mahnt er allerdings.

Warum die „Mini-Oase“ an der Bornstraße nach wenigen Wochen verschwunden ist

Dr. Ludwig Jörder (73), Bezirksbürgermeister der Nordstadt © Peter Bandermann

Die bunte Blumenwiese hatte nämlich nicht nur den Anwohnern, sondern auch den Insekten gefallen. Mit der „wilden Wiese“ war ein Park im Miniaturformat entstanden, naturnah gestaltet und gleichzeitig pflegeleicht. Jetzt ergänzt Pressesprecher Christian Schön, dass der Park von vornherein „als attraktive Zwischenlösung“ gedacht gewesen sei. Dazu bemerkt Jörder: „Zwischenlösung ja – aber da sind wir nicht von einer Lösung für nur drei Wochen ausgegangen.“

Was mit der Fläche langfristig geschehen soll, ist noch offen. Vor zwei Jahren hatte es Gespräche zwischen der Stadt und möglichen Interessenten für die Fläche gegeben. Die parzellierte Fläche sollte vermietet, verpachtet oder verkauft werden. Daraus hat sich allerdings noch nichts Neues entwickelt. „Im Moment gibt es keinen konkreten Interessenten für die Fläche“, teilt Christian Schön mit.

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