Die Dortmunder SPD möchte das Handwerk in die City bringen - zum Beispiel in Form von Mini-Werkstätten und kleinen Läden. Bei der Idee gibt es jedoch Fallstricke. (Symbolbild) © Annie Spratt/Unsplash
Vorschlag der SPD Dortmund

Mini-Werkstätten und kleine Läden: Handwerksbetriebe sollen City beleben

Sind Handwerksbetriebe in der Dortmunder City ein Modell für die Zukunft? Die SPD sagt "Ja" und macht dazu einen Vorschlag. Die Handwerkskammer freut sich – weist aber auf Fallstricke hin.

Ideen zur Gestaltung der City in der Nach-Corona-Ära gibt es viele. Nun bringt die SPD den Vorschlag ins Spiel, Handwerksbetriebe in die Einkaufsmeile zu holen. „Damit hätten vor allem kleine Betriebe die Möglichkeit, sich bekannt zu machen und den Bürgern vorzustellen“, sagt Silvja Ixkes, wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD.

Gleiches könne auch für die Nebenzentren gelten. Die Idee: Goldschmiede, Schuhmacher, Schneider, Metzger und andere Branchen präsentieren sich dem Publikum in Miniwerkstätten und kleinen Läden. „Sie könnten in Innenhöfen, Nischen und Passagen oder auf kleineren, ungenutzten Plätzen angesiedelt werden und so zur Belebung beitragen“, erläutert Ixkes.

Im Ausschuss für Wirtschaftsförderung kam die Idee gut an: Der SPD-Antrag wurde einstimmig angenommen. Die Verwaltung hat nun die Aufgabe zu prüfen, ob und wie sich der Vorstoß umsetzen lässt.

Lärm könnte ein Problem werden

CDU-Sprecher Udo Reppin mochte sich dem Prüfauftrag nicht in den Weg stellen. Er warnte aber vor allzu großen Hoffnungen: Im Moment fehle ihm für passende Standorte in der City die Fantasie, so Reppin. Zudem wies er auf mögliche Konflikte wegen Lärmemissionen hin, die von einigen Gewerken wie etwa einer Glaserei ausgingen.

Daran denkt auch Handwerkskammer-Präsident Berthold Schröder. „Die Initiative, Handwerksbetriebe in die City zu holen, ist grundsätzlich gut und absolut sinnvoll“, sagt Schröder. Dabei müsse es sich aber um Branchen handeln, die kompatibel mit der City und den Wohnorten der Nebenzentren seien.

Für eine Tischlerwerkstatt etwa könne es schwierig werden. „Die Zeiten von Meister Eder und sein Pumuckl sind vorbei“, sagt Schröder. Moderne Tischlereien seien mit Maschinen ausgestattet, die man nicht einfach verlegen könne. „Und natürlich gehen von Betrieben mitunter Lärmemissionen aus“, gibt Schröder zu bedenken.

Plädoyer für eine Handwerksmeile

Wichtig sei, Handwerksbetrieben in der City über Bebauungspläne die notwendige Rechtssicherheit zu verschaffen. Dabei sei die Frage einer möglichen Lärmbelästigung ein Aspekt. Ein weiterer ist der Lieferverkehr. Es müsse gewährleistet sein, dass die Betriebe auch in der Frühe beliefert werden könnten, sagt Schröder. Generell sei das aber lösbar.

Skeptisch zeigt sich der Kammer-Präsident allerdings mit Blick auf die vorgeschlagenen Standorte. Die City sei generell eine gute Bühne. „Aber Handwerksbetriebe isoliert in Nischen, Gängen oder auf Plätzen ansiedeln – das wird so nicht funktionieren“, meint Schröder.

Er plädiere eher für kleine Ladengeschäfte, in denen sich Betriebe attraktiv darstellen könnten. „Am liebsten wäre mir eine Handwerksmeile mit unterschiedlichen Gewerken“, so der Kammer-Präsident.

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Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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