„Gegenwehr zwecklos“ - Tochter mit schweren Vorwürfen gegen ihren Vater

hzMissbrauchs-Prozess in Dortmund

Ein 52-jähriger Mann soll in Dortmund zwei Töchter seiner Lebensgefährtin missbraucht haben. Kurz vor dem Abschluss des Prozesses gibt es für den Angeklagten keine guten Nachrichten.

Dortmund

, 02.04.2020, 20:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Vorwürfe gegen den 52-jährigen Angeklagten, der inzwischen in Bergkamen lebt, wiegen schwer. Ab 1997 soll der Mann regelmäßig die beiden Töchter seiner damaligen Lebensgefährtin in der Dortmunder Familienwohnung sexuell missbraucht haben. Selbst hat sich der Mann in dem seit Oktober 2019 andauernden Prozess noch nicht zu den Anschuldigungen geäußert. Das Reden überlässt er seinem Verteidiger. Und der zweifelt die Glaubwürdigkeit der beiden inzwischen erwachsenen Zeuginnen massiv an.

Eine der mutmaßlich betroffenen Frauen ist heute 31 Jahre alt und lebt in Österreich. Im Prozess vor dem Dortmunder Landgericht hat sie den Richtern von einer Vielzahl von Übergriffen berichtet. Angefangen habe alles mit intimen Berührungen, später sei es regelmäßig auch zum Geschlechtsverkehr gekommen. „Gegenwehr war zwecklos“, hatte die Zeugin bei ihrer Vernehmung gesagt.

Verteidiger glaubt Zeuginnen nicht

Der Verteidiger des Angeklagten glaubt der Frau jedoch kein Wort. Schon früh in dem Prozess hatte der Anwalt die Einholung eines psychologischen Gutachtens beantragt. Damit solle ein Experte die Glaubwürdigkeit der Aussagen bewerten. Bis Donnerstag hatten die Richter über diesen Antrag nicht entschieden. Dann hieß es: „Der Antrag wird zurückgewiesen.“ Die Richter sind davon überzeugt, selbst über ausreichende Sachkunde zu verfügen, um die Aussagen richtig beurteilen zu können.

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Tatsächlich werden psychologische Gutachten nur sehr selten eingeholt. Immerhin ist es die ureigene Aufgabe des Gerichts, sich ein eigenes Bild von Zeugen zu machen. Lediglich bei Minderjährigen greifen Richter manchmal auf die Hilfe von Experten zurück.

Teile der Vorwürfe verjährt

Für den Angeklagten gab es am Donnerstag aber nicht nur schlechte Nachrichten. In einem sogenannten rechtlichen Hinweis erklärte die Kammer, dass die erste in der Anklageschrift geschilderte Tat sehr wahrscheinlich verjährt sein dürfte. Auch bei weiteren vorgeworfenen Übergriffen sei von Verjährung auszugehen. Es ist also damit zu rechnen, dass selbst im Fall einer Verurteilung nicht mehr von den ursprünglich angeklagten über 50 Taten ausgegangen werden kann.

Der 52-Jährige selbst soll sich dagegen für das Opfer einer Intrige halten. Er habe früher einmal sich selbst und die Mutter der Mädchen wegen diverser Diebstähle angezeigt, wofür beide am Ende eine Bewährungsstrafe kassiert hätten. Daher sei nicht ausgeschlossen, dass diese Vorwürfe jetzt eine Art Retourkutsche darstellten, so der Verteidiger. Am Ende der Beziehung sei der Mann in der ganzen Familie „sehr verhasst“ gewesen, hieß es weiter.

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