Missverständnis mit der Post sorgt für verlorenen Traumjob

hzPostfach-Ärger

Carsten Böhle hat kein Postfach mehr, da war er sicher. Dennoch kam die Post danach nicht (wie üblich) nach Hause. Dadurch hat der Benninghofer eine Job-Chance vertan.

Benninghofen

, 17.07.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Carsten Böhle aus Benninghofen macht nicht den Eindruck, als wüsste er sich nicht zu helfen. Aber diese Geschichte mit den Briefen macht ihm zu schaffen. „Dafür, diese Geschichte aufzuklären, habe ich nicht die Kraft“, sagt der 53-Jährige, der gesundheitlich angeschlagen ist, und einen Schwerbehindertenausweis hat. Seine Nachfragen verliefen bisher ins Leere.

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Seit 2003 hatte der Benninghofer ein Postfach in der Postfiliale an der Hörder Semerteichstraße, machte regelmäßig einen kleinen Ausflug ins Hörder Zentrum und holte seine Post ab.

Ende Januar 2020 kündigte man ihm dieses Postfach, weil der „Postfachstandort“ aufgegeben werde, so die Begründung. Die Post könne die Verärgerung über die Schließung verstehen, heiß es in einer Info-Mail. Sie sehe allerdings keine andere Möglichkeit, weil sich die „Nachfrage unserer Kunden nach den herkömmlichen Filialleistungen in den letzten Jahren stark verändert“ habe.

„Dies hatte unter anderem zur Folge, dass wir bei unserer Filialstruktur neue Vertriebswege gehen mussten, um den Postservice für unsere Filialkunden einerseits flächendeckend und andererseits wirtschaftlich vertretbar aufrechtzuerhalten“, heißt es weiter. „Durch unumgängliche Standortoptimierungen sind auch die Verlagerungen von Postfach-Anlagen nicht immer gänzlich zu vermeiden.“

Benninghofer soll Ersatzfach in Körne bekommen

Für Carsten Böhle sind das allerdings keine „Standortoptimierungen“: Die Post bietet ihm als Ersatz ein Postfach in Körne, an der Eisenacher Straße an. Er müsse nur dorthin fahren, und die Schlüssel abholen. Böhle möchte aber kein Postfach in Körne haben - und holt die Schlüssel folglich nicht ab.

Die Schlüssel für das Hörder Postfach gibt er zurück. Er geht nun davon aus, dass er kein Postfach mehr hat und die Post zu ihm nach Hause kommt. Es kommt auch Post, aber offenbar nur ein Bruchteil. Die meiste Post ist offenbar lange liegen geblieben, die Frage ist nur, wo? Die Post habe ihm auf seine Nachfrage hin eine „Anliegennummer“ zugeteilt. Auf eine inhaltliche Antwort warte noch immer, sagt er.

Carsten Böhle spricht von rund 50 Briefen und mehreren Zeitschriften, die ihn über Wochen und Monate nicht erreicht haben.

Carsten Böhle spricht von rund 50 Briefen und mehreren Zeitschriften, die ihn über Wochen und Monate nicht erreicht haben. © Britta Linnhoff

Am 1. Juli erreicht ihn die Benachrichtigung, er möge Post vom Hörder Postamt abholen. Es gehe nicht um einen Brief, sondern um einen ganzen Berg Post.

Das Ganze ist für Carsten Böhle mehr als nur ein Ärgernis: „Ich habe Post vom Vermieter, von der Krankenkasse. Ich habe inzwischen Mahnungen bezahlt, von Rechnungen, die ich nie bekommen habe“, erzählt Böhle.

Und: „Jedesmal stehe ich da mit drei Fragezeichen, weil ich mir das alles nicht erklären kann“, sagt er.

Arbeitssuchender verpasst Vorstellungsgespräch

Aber das sei nicht das Schlimmste: Der 53-Jährige ist derzeit auf der Suche nach einer Arbeit. „Ich hatte eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch für eine Stelle als Sachbearbeiter in der Flüchtlingseinrichtung in Unna.“

Als das Einladungsschreiben mit den 49 anderen Briefen bei ihm eintrifft, ist die Vorstellungsrunde vorbei, die Personalentscheidung längst gefallen. „Ich habe dort anrufen“, erzählt er. Aber „es war zu spät. Es wäre mein Traumjob gewesen“.

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Auf Anfrage sagt Rainer Ernzer, Sprecher der Post: „Dass Herr Böhle die Schlüssel nicht abgeholt habe, habe nicht bedeutet, dass er das Postfach nicht übernehme. Er hätte kündigen müssen.“

Das sieht Carsten Böhle nach seinem Schriftverkehr weiterhin anders: Sein Postfach sei ihm zum 31. Januar 2020 „betriebsbedingt“ gekündigt worden und man habe ihm mitgeteilt, dass er - wenn er sein Postfach in Körne haben wolle - dort erscheinen müsse.

„Es wäre mein Traumjob gewesen.“
Carsten Böhle

Folglich habe er davon ausgehen müssen, dass - wenn er nicht erscheine - die Kündigung Bestand habe. Inzwischen hat er sein Postfach mit sofortiger Wirkung gekündigt. Rainer Ernzer hat versprochen, dass sein Fach ausgeräumt wird und damit Vergangenheit ist.

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