Mit Biomasse Klima retten

Der Mann lebt seine Überzeugungen. Manfred Stuhm ist Ökoaktivist. "Ökologie geht immer vor Ökonomie." Punkt. Um die Klimakatastrophe zu verhindern, will der 77-Jährige die Energieerzeugung mit Biomasse voranbringen.

02.01.2008, 18:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit Biomasse Klima retten

<p>In einem Container hat Manfred Stuhm die Anlage untergebracht, die bald Biogas erzeugen soll. Bock/newspick.de</p>

In seinem Treffpunkt Zukunft in Mengede steht in der guten Stube der Lion-Powerblock. Das ist ein System zur gleichzeitigen Produktion von Wärme und Strom. "Das ist das neueste Kraftwärmekopplungsgerät, der Wirkungsgrad liegt bei 98 Prozent", sagt Stuhm, etwas Stolz schwingt da mit. Er ist selbst als Kommanditist an der Herstellerfirma Otag Vertriebs GmbH & Co. KG aus Olsberg beteiligt. "Noch hat das Gerät Kinderkrankheiten", räumt er ein. Noch wird es auch mit Erdgas betrieben, doch schon bald soll es auf Biogas umgestellt werden.

In seinem Garten hat Manfred Stuhm bereits einen großen Container deponiert, keine Zierde fürs Grün, das allerdings mit der Vorstellung eines englisches Gartens eh nichts gemein hat. Was der Unbedarfte gemeinhin als Unkraut bezeichnet, darf sich bei den Stuhms seines Lebens freuen. In dem Container steht der Prototyp einer Anlage, die bald alle organischen Abfälle, die die große Familie Stuhm produziert, zu Biogas verarbeitet. "Für 20 Leute kann man damit die thermische und elektrische Energieversorgung sichern", erläutert der Mengeder. Was schließlich bei der Biogasanlage, die nicht stinken soll, übrig bleibt, ist Kompost.

CO2-neutral

Bei der Verbrennung des Biogases wiederum wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Biomasse zuvor selbst aufgenommen hat. Die Verbrennung ist somit CO2-neutral. Das Stuhmsche System ist gelebte Kreislaufwirtschaft. Das heißt in letzter Konsequenz, dass die Stuhms irgendwann kein Gas-, Fernwärme oder Stromnetz mehr benötigen, und nur noch auf eine sehr reduzierte Abwasser- und Abfallentsorgung angewiesen sind.

Stuhm kann die technischen Finessen seiner Anlagen in allen Details nachvollziehen. Er ist selbst Betriebselektriker, hat dann Elektrotechnik studiert und war später als Lehrer an den Gewerblichen Schulen tätig. Er hat selbst an dem Schaltkasten herumgetüftelt, der künftig die Biogasanlage steuern soll.

Wer sich eine ähnliche Anlage anschaffen will, muss mit rund 20 000 Euro für den Lion-Powerblock und einen Betrag in ähnlicher Höhe für die Biogasanlage rechnen. Und ein bisschen Platz sollte auch vorhanden sein. "Die Biogasanlage sollte aber künftig in eine Garage passen", verspricht Stuhm.

Der evangelische Laienprediger ist felsenfest davon überzeugt, dass Biomasseanlagen langfristig alle Heizarten schlagen werden. Schon in den 80er Jahren schlüpfte er in das Kostüm eines Kompostwurmes, um für den von ihm gegründeten Verein "Sinnvolle Arbeit" zu werben. Die Idee: Langzeitarbeitslose sollten auf ökologische Weise Kompost verarbeiten. Manfred Stuhm wurde für seine Wurmrolle zwar von vielen Seiten belächelt, doch er erhielt für seine Initiative immerhin den Umweltpreis der Stadt.

Auto abgeschafft

Der Vater von vier Kindern und Opa von elf Enkeln ist nicht erst seit der jüngst aufgeflammten Klimadiskussion überzeugt: "Für die Erhaltung des Klimas müssen wir uns von den fossilen Brennstoffen verabschieden." Konsequenterweise hat er schon 1980 das Auto abgeschafft. Von 1984 bis 1989 war er für die Grünen im Rat. 21 Jahre gehörte er mit seiner Frau den Grünen an, mittlerweile ist er bei ihnen ausgetreten, "weil sie ihre Grundlagen vergessen und verleugnen". Das ist bei Manfred Stuhm nicht zu befürchten. kiwi

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