"Mit Gefühl, aber ohne viel Schmalz"

04.01.2008, 18:56 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man spürt förmlich, dass die Musik noch in ihm nachschwingt, als Christopher Seaman (Foto 1 ) zur Tür hereinkommt, um etwas zu erzählen über das 5. Philharmonische Konzert nächste Woche. Die Probe eben war gut: "Ich mag das Orchester sehr", sagt der britische Gastdirigent, man arbeite sehr konzertiert.

Charles Ives "The Unanswered Questions", Erich Wolfgang Korngolds Konzert für Violine und Edward Elgars Enigma-Variationen stehen nächste Woche im Konzerthaus auf dem Programm. "Das Programm ist gut", sagt Seaman, das Angebot, hier zu dirigieren, habe er gern angenommen. Weit gereist ist er, auch schon in Deutschland herumgekommen, aber Dortmund ist eine Premiere.

Mahler als Deutschlehrer

Er freut sich drauf. Heute ist wieder Probe. Verständigungsprobleme hat Seamann keine: Deutsch, so sagt er selbst, kann er nicht, "aber auf Deutsch proben"; er habe vom Komponisten Mahler die Sprache gelernt. Denn der, so der Brite, der Musikdirektor des Rochester Philharmonic Orchesters in New York ist, habe nicht etwa Allegro über seine Stücke geschrieben, sondern deutsche Worte wie "lebhaft" benutzt. Dank Mahler und einem Wörterbuch kommen Seamans Botschaften offenbar an.

Und eine davon ans Orchester lautet: Edward Elgar nicht mit "zu viel Schmalz" spielen, auch wenn die Musik "voller Gefühl" sei. Mit seinen Enigma-Variationen gelang Elgar 1899 der persönliche Durchbruch als angesehener Komponist. Elgars Name ist in Deutschland vor allem auch verbunden mit "Land of Hope an Glory" und der "Last night of the Proms". Da kann mit einem britischen Dirigenten nun eigentlich gar nichts mehr schief gehen. "Schöne Musik" sei das, auch wenn man die teils skurrilen Hintergründe ihrer Entstehung nicht kenne.

Elgar kommt nach der Pause im 5. Philharmonischen Knzert, das mit Charles Ives "Unbeantworteter Frage" beginnt: Eine musikalische Fragerei über sieben Minuten, die der amerikanische Komponist den Musikfreunden hinterlassen hat; eines seiner berühmtesten Werke. Eine Trompete "stellt die Fragen". Von wo aus der Trompeter nächste Woche seine Fragen stellt, ließ Seaman gestern offen: "Das müssen wir mal ausprobieren. Vielleicht hinter der Bühne, vielleicht mit Dämpfer ...".

Technisch schwierig

Renaud Capuçon (Foto), Exklusivkünstler des Konzerthauses, spielt das Violinsolo in Korngolds modernem Konzert für Violine und Orchester und traut sich an die immensen technischen Herauforderungen. blf

5. Philharmonisches Konzert, 7., 8. und 9. Januar, 20 Uhr, Konzerthaus.

www.konzerthaus-dortmund.de

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