Spendenaktion für ehemalige Prostituierte in Dortmund „eskaliert positiv“

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Die Spendenaktion der Dortmunderin Ceren Kaya (29) geht überraschend durch die Decke. Statt des geplanten Bollerwagens brauchte sie am Ende einen Transporter, um die Sachspenden einzusammeln.

Dortmund

, 22.10.2020, 13:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ende September hat die Dortmunderin Ceren Kaya einen Instagram-Spendenaufruf der „Mitternachtsmission“ gelesen – ein gemeinnütziger Verein in Dortmund, der (ehemaligen) Prostituierten und Opfern von Menschenhandel hilft. Darin wurde um Nahrungsmittel und Hygieneartikel gebeten.

Ceren Kaya startete daraufhin ihren eigenen Spendenaufruf, der innerhalb von drei Tagen schon fünfzehnmal geteilt wurde. Zwei Wochen dauerte ihre Aktion und am Ende hatte sie über 2000 Leute erreicht.

Spendenartikel im Wert von 800 Euro

Alles begann damit, dass Ceren Kaya auf ihren Social-Media Kanälen dazu aufrief, ein paar „Hamsterkäufe“ zu spenden. Bis zum Ende der Aktion wollte sie die Spenden dann mit ihrem Auto einsammeln.

„Ursprünglich hatte ich geplant, sie mit meinem Bollerwagen einzusammeln, aber ich bekam so viele E-Mails, dass ich da jeden Tag unterwegs gewesen wäre.“ Unter den Spendern waren viele Menschen, mit denen sie noch nie Kontakt hatte, und die über mehrere Ecken von der Aktion erfahren hatten.

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So kam es dazu, dass ihr eigenes Auto nicht mal ausgereicht habe. Von der Aktion „Die Marktschwärmer“ erhielt sie dann einen Transporter, mit dessen Hilfe sie in den zwei Wochen in ganz Dortmund unterwegs war, um alles einzusammeln.

„Ich habe viele Hygieneartikel, Reis und andere Konserven, aber auch Süßigkeiten gespendet bekommen. Es war der Wahnsinn!“, sagt die 29-Jährige. „Am Ende kamen Waren im Wert von ungefähr 800 Euro zusammen!“

Große Dankbarkeit bei der „Mitternachtsmission“

Als Ceren Kaya die Sachen dann bei der „Mitternachtsmission“ abgab, war die Freude sehr groß: „Die Ehrenamtlichen waren überwältigt, die sind fast aus dem Stuhl gekippt!“ Es habe fünf Helfer gebraucht, um alles hereinzutragen.

Vor allem in diesen Zeiten hätten es ehrenamtliche Vereine und Stiftungen besonders schwer, sagt die Dortmunderin. Das habe sie besonders an den Reaktionen auf die Spenden gemerkt.

Für den Transport der Spenden benötigte Ceren Kaya ein größeres Auto.

Für den Transport der Spenden benötigte Ceren Kaya ein größeres Auto. © privat

„Vor Ort ist ja kein Kontakt zu den Hilfesuchenden möglich. Darum machen sie vermehrt Hausbesuche und versuchen, Einzelnen so gut es geht zu helfen“, sagt Kaya.

Viele Menschen, die auf Hilfe angewiesen wären, seien aktuell sehr verunsichert und trauten sich wegen Corona nicht, die Hilfeangebote anzunehmen. Viele von ihnen würden auch zur Risikogruppe gehören.

„Zu Corona-Zeiten neigen wir dazu, andere zu vergessen“

„Die derzeitige Lage erschwert das Ehrenamt schon sehr. Wir alle gehen aktuell an die Grenzen der Menschlichkeit“, sagt Ceren Kaya. „Zu Corona-Zeiten neigen wir dazu, andere zu vergessen.“

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Umso mehr habe sie sich gefreut, wie viele Leute ihrem Spendenaufruf nachgekommen sind. „Ich habe schon öfter solche Aktionen gestartet, aber das ist die Erste, die so positiv eskaliert ist.“

Ein Grund für das vermehrte Engagement könnte eben gerade die Corona-Krise sein: „Keiner sollte in diesen Zeiten allein gelassen werden. Viele Menschen möchten helfen.“ Darum fühle die Dortmunderin sich besonders gestärkt darin, zusammen mit ihren Mitmenschen Solidarität zu zeigen.

Auch politisch sozial engagiert

Ceren Kaya ist auch beruflich sozial aktiv. So hat die 29-Jährige sich vor kurzer Zeit selbstständig gemacht und schreibt Nachhaltigkeitskonzepte für Events und Unternehmen.

Die Dortmunderin hatte im September noch für ein Mandat im Stadtrat der Innenstadt-Ost als Vertreterin der SPD kandidiert und knapp verloren. Obwohl der Wahlkampf zuende ist, will sie nicht aufgeben.

„Mein Engagement ist nicht mandatsabhängig. In den letzten Monaten habe ich nochmal mehr gesehen, wie viel ich als einzelne Person erreichen kann und wie sehr dieses Engagement auch gebraucht wird.“

Darüber hinaus plant sie die Gründung eines gemeinnützigen Vereins, der vor allem Frauen helfen soll, sich unabhängig von Migrationshintergrund oder sozialer Klasse politisch zu engagieren.

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