Eine Markierung der Spurensicherung am Tatort, dem Spielplatz im Blücherpark - mutmaßlich zeigt es den Aufprallort des Molotowcocktails. Knapp 20 Meter entfernt gibt es eine weitere Markierung am Ort, von dem Brandsatz in einer Flasche geworfen wurde. © Thomas Thiel
Zeuge berichtet

Molotow-Wurf auf Spielplatz: „Ein Meter weiter und die Frau hätte gebrannt“

Auf einem Spielplatz in der Nordstadt hat ein Mann einen Molotowcocktail auf zwei Familien geworfen. Polizisten stoppten ihn mit Schüssen. Ein Zeuge schildert den dramatischen Vorfall.

Die Szenerie auf dem Spielplatz im Blücherpark an diesem sonnigen Sonntagnachmittag ist etwas unwirklich: Kinder turnen auf dem gelb-orange-roten Klettergerüst, unter den Bäumen um den Spielplatz herum genießen mehrere Grüppchen das Wetter und hören Musik. Alles normal, wären da nicht das Polizei-Flatterband und die Beamten der Spurensicherung mittendrin.

Sie dokumentieren die Spuren eines dramatischen Vorfalls, der sich am späten Mittag auf dem Weg zwischen Klettergerüst und Tischtennisplatte abgespielt hat.

Polizist schießt – Angreifer vom Notarzt versorgt

Dort soll nach Angaben der Polizei ein „vermutlich bewaffneter Mann“ zwei Familien bedroht haben. Kurze Zeit später, gegen 13.20 Uhr, stoppten Polizisten den Mann an der Stelle, wo die Treib- zur Grünen Straße wird. Als er auf zwei Warnschüsse nicht reagierte, gaben sie einen Schuss auf ihn ab. Der Verdächtige wurde verletzt und von einem Notarzt versorgt, Lebensgefahr bestehe laut Polizei aber nicht.

Weitere Details waren am Sonntag vonseiten der Dortmunder Polizei nicht zu erfahren. Nach dem Schusswaffengebrauch von Polizisten übernimmt aus Neutralitätsgründen eine andere Polizeibehörde den Fall – in diesem Fall die Polizei Recklinghausen.

Doch vor Ort konnten wir mit einem Dortmunder sprechen, der laut eigener Aussage alles aus nächster Nähe gesehen hat. Der Zeuge war gerade beim Tischtennisspielen an der Platte am Spielplatz, als er aus den Augenwinkeln einen Mann sah, der etwas warf.

An der Gneisenaustraße stellten Polizisten einen Mann, der auf einem Spielplatz zwei Familien bedroht hatte und stoppte ihn mit einem Schuss. © Markus Wüllner © Markus Wüllner

Dann sei alles ganz schnell gegangen: „Da flog ein Feuerball drei vier Meter von mir entfernt durch die Luft“, sagte der Tischtennisspieler unserer Redaktion. Das brennende Geschoss flog in Richtung zweier Familien, die sich rund 20 Meter vom Werfer entfernt an einer Sitzstein-Gruppe aufhielten.

Die Flasche zerbarst kurz vor der Gruppe auf dem Boden – weit genug entfernt, um keine größeren Schäden anzurichten. Lediglich die Hose einer Mutter habe ein bisschen was abbekommen, erzählt der Zeuge. Doch es war knapp, meint er: „Wäre der Molotowcocktail einen Meter weiter geflogen, die Frau hätte gebrannt.“

Der Spielplatz am Blücherpark. Vom Weg hinter dem Klettergerüst flog der Molotowcocktail. © Thomas Thiel © Thomas Thiel

Als ihn ein Mann aus der angegriffenen Gruppe zur Rede stellen wollte, rief der Werfer: „Da kommt noch ne Bombe!“ Dann habe er sich umgedreht und habe den Park verlassen, berichtet der Zeuge. Ohne Eile, in ganz normaler Schrittgeschwindigkeit.

Der Tischtennisspieler hatte in der Zwischenzeit den Notruf angerufen und folgte dem Werfer unauffällig, die Polizei immer am Ohr. Er berichtet, dass er den Werfer dabei beobachtet habe, wie er aus seinem Rucksack eine zweite Bierflasche geholt und einen Stofffetzen in sie gesteckt habe. Dann sei er etwas ziellos weiter durch die Straßen am Park gegangen.

Werfer lief mitten auf der Treibstraße

Schließlich sei er mitten auf die vierspurige Treibstraße gelaufen. Nachdem er ein paar Meter in Richtung Unionstraße gegangen sei, habe er umgedreht und in Richtung Hauptbahnhof gelaufen. In diesem Moment traf der erste Streifenwagen – gelotst durch den Zeugen – am Ort des Geschehens ein.

Mit gezogenen Pistolen forderten sie den Werfer auf, sich zu ergeben. Als er auch auf zwei Warnschüsse in die Luft nicht reagierte und „eine aggressive Haltung einnahm“, wie es der Zeuge beschreibt, setzte ihn einer der Polizisten mit einem Schuss ins Bein außer Gefecht.

Diese Flasche hatte der Mann mit einem brennenden Tuch gefüllt und in Richtung zweier Familien geworfen. © Markus Wüllner © Markus Wüllner

Gab es politische Hintergründe für die Tat? Und warum wählte der Täter für seinen Angriff den Blücherpark? Kannte er die angegriffenen Familien? Zu diesen und weiteren Fragen ermittelt die Polizei.

Die Aussage des Tischtennisspielers und Notrufwählers nahm sie unmittelbar nach unserem Gespräch in der Wache Nord auf. Die Tatwaffe – eine vollkommen verkohlte Bierflasche – sicherten die Kriminalisten am Tatort.

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Redaktion Dortmund
1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
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