Der Angeklagte kann gegen das Urteil erneut Revision einlegen. © Martin von Braunschweig
Urteil vor Schwurgericht

Mord an Rentner in Bövinghausen: Keine lebenslange Haft für Angeklagten

Nach dem gewaltsamen Tod eines Rentners in Bövinghausen ist ein Dortmunder auch im zweiten Prozess wegen Mordes verurteilt worden. Lebenslange Haft verhängt das Schwurgericht aber nicht mehr.

Dass der heute 42-jährige Angeklagte seinen Nachbarn im Juni 2018 erstochen hat, steht fest. Das hat der Dortmunder sowohl im ersten Prozess als auch in der Neuauflage nach erfolgreicher Revision zugegeben. Nicht hundertprozentig geklärt ist dagegen die Frage, warum der Mann zum Messer griff.

Die Richter gehen davon aus, dass es dem Angeklagten um das Auto des Rentners ging. Kurz vor der Bluttat hatte ihm seine Lebensgefährtin mitgeteilt, dass sie sich von ihm trennen wolle. Daraufhin soll sich der Angeklagte in den Kopf gesetzt haben, die Frau unbedingt noch einmal aufsuchen zu müssen.

Dem Opfer ging das Auto über alles

Dem 66-jährigen Nachbarn ging sein Auto jedoch über alles. Niemals hätte er es dem betrunkenen Angeklagten geliehen, haben Zeugen vor Gericht ausgesagt. Und so brauchte dieser also aus Sicht der Richter Gewalt, um das Fahrzeug an sich zu bringen.

Der schwerverletzte Rentner hatte nach den Messerstichen zwar noch einen Notruf absetzen können. Die Ärzte im Krankenhaus konnten sein Leben dennoch nicht mehr retten. Der Angeklagte wurde noch am selben Tag festgenommen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Gutachter: Mörder war nicht mehr Herr seiner Sinne

Dass die Richter im zweiten Prozess bei der Urteilsverkündung am Freitag (16.4.) keine lebenslange Haftstrafe mehr verhängt haben, liegt daran, dass ein psychiatrischer Gutachter dem Angeklagten eine verminderte Schuldfähigkeit attestiert hatte.

Der Sachverständige ist davon überzeugt, dass der Mann an einem krankhaften Eifersuchtswahn leidet und deshalb bei der Tat nicht vollständig Herr seiner Sinne war. Die Richter milderten die Strafe deshalb auf 13 Jahre Haft ab.

Angeklagter kommt in geschlossene Klinik

In dem Urteil fassten sie gleichzeitig aber auch einen weiteren weitreichenden Beschluss. Wegen seiner psychischen Erkrankung soll der Mann in einer geschlossenen Klinik untergebracht werden. Diese Anordnung ist zeitlich unbefristet.

Wenn die 13 Jahre vergangen sind und die Ärzte den Mann noch immer als gefährlich einstufen, bliebe er weiter eingesperrt.

Angeklagter: „Ich habe schon viel Mist gemacht in meinem Leben“

In seinem letzten Wort vor der Urteilsberatung hatte sich der Angeklagte noch einmal selbst an die Richter gewandt. Nachdem er sich „von Herzen entschuldigt“ hatte, hatte er sich über zahlreiche „verfassungswidrige Maßnahmen“ beklagt, die ihm während der Untersuchungshaft widerfahren seien.

Und dann hatte der 42-Jährige noch einmal das wiederholt, was er schon im ersten Prozess erzählt hatte. „Ich habe schon viel Mist gemacht in meinem Leben“, sagte der Angeklagte. „Und für alles habe ich mich später vor Gericht immer gerade gemacht.“

Er kann jetzt noch einmal Revision einlegen.

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